Staatsbegräbnis für Thomas Klestil

Unter den Kondolenzschreiben die der österreichischen Regierung ihr tiefempfundenes Beileid über das plötzliche Ableben des österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil ausdrücken, gehören auch Vertreter des Simon Wiesenthal Centers und des Jewish Welcom Service. Diese feierten am 7. 7. 2004 den Verblichenen als Wiederhersteller der Beziehungen zur USA und zur jüdischen Welt sowie als Brückenbauer in den jüdisch österreichischen Beziehungen.

In einer Erklärung ließ des Chefrabbiner des Simon Wiesenthal Centers von Los Angeles, Abraham Cooper, heißt es: "Thomas Klestil war ein Mann der Ehre und ein Mann, der zu seinem Wort stand, dessen persönliche Integrität und Offenheit half, nach den Debatten um die Rolle seines Vorgängers Kurt Waldheim im Zweiten Weltkrieg, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der jüdischen Welt wiederherzustellen".
Ja ja, ein Mann der Ehre, der zu seinem Wort stand, wie es die Spaßgesellschaft eben versteht. Als im Jahre 1998 seine außerehelichen Beziehungen zu einer Angestellten des Außenministeriums aufgedeckt wurde trat er die Flucht nach vorne an - seine Wiederwahl war ja schon glatt über die Bühne gegangen - und ließ sich von seiner Frau, Mutter seiner beiden Söhne scheiden und ehelichte die Jüngere. Es ist möglich, das die neue Ehe dem Siebzigjährigen gesundheitlich nicht sehr gut tat und zu seinem mehrmaligen Kreislaufversagen und schließlichem Ableben als Einsamer in der Amtsvilla beigetragen hat. In der Spaßgesellschaft ist aber scheinbar das Verlassen der Ehefrauen und Heiraten jüngerer modern geworden, wie man u. a. bei den mehrfach geschiedenen und wiederverheirateten Regierungsmitgliedern im Nachbarland sehen kann.  

Diese zur Schau getragene Dankbarkeit der Zionisten für das Wirken Klestils kommt nicht von ungefähr. So war das österreichische Staatsoberhaupt von einem etwas anderen Schlage als seine Vorgänger. Hatten diese immerhin noch eine selbst für Demokraten akzeptable Selbstachtung, die sie daran hinderte, sich vor der Welt völlig zum Narren zu machen, indem sie eine Mitschuld Österreichs an Verbrechen im zweiten Weltkrieg  in die Welt hinausposaunten. Das betrieben aber dann Bundespräsident Klestil und der damalige SPÖ-Kanzler Vranitzky, wodurch die Begründung für weitere Milliardenzahlungen an sog. Wiedergutmachung geliefert werden sollte. Klestil erkläre u. a. während eines Staatsbesuches in Israel auch die Mitschuld seines Landes am Holocaust, diesem zeitgeschichtlichen Phänomen, dessen wissenschaftlicher Nachweis sich in deutschsprachigen Ländern vornehmlich auf Paragraphen des Strafrechts stützt. Die Österreicher wurden zuvor jedoch ebenso wenig danach gefragt, ob sie sich in dieser Angelegenheit schuldig fühlen, wie ihre Nachbarn jenseits der Alpen.

Der Kotau in Israel hinderte den Judenstaat freilich nicht daran über Österreich eine Art Bann auszusprechen, als die Österreicher sich dafür entschieden, die FPÖ an die Regierung zu wählen. Israel reagierte darauf mit Boykottaufrufen und dem Einfrieren der diplomatischen Beziehungen. Nach Aussagen mehrerer europäischer Staatsoberhäupter soll sie Bundespräsident Klestil persönlich angerufen haben, um auch in der EU "Sanktionen" gegen die FPÖ-ÖVP Regierung zu organisieren, was dann auch gelungen ist. 

Nachfolger Klestils ist nun Heinz Fischer, ein ehemaliger Linksradikaler, der seinen Weg durch die Instanzen ebenfalls geschafft hat und der seinen Vorgänger an politischer Korrektheit noch übertreffen dürfte.

[9. Juli 2004]

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