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Israels Außenminister verwechselt Österreich mit
Australien..
Da er in seiner Ansprache am 29. 7. 2003 mehrmals Österreich mit
Australien verwechselte, dürfte es mit den Geographiekenntnissen des
israelischen Außenministers nicht weit her sein, aber eines weiß
er sicher, nämlich daß es kein Rückkehrrecht für die
aus Israel vertriebenen Palästinenser geben werde, wie er anläßlich
der Diskussion zur "Road-Map" kürzlich erklärte. Insofern nimmt
er zur Vertriebenenfrage eine ähnliche Haltung wie die tschechische
Regierung ein, was nicht verhinderte, daß er sich die größten
Sympathien der österreichischen Außenministerin Ferrero-Waldner
erwarb. Ferrero-Waldner gab ja auch der Tschechei gegenüber große
Sympathien zu erkennen und hat mit ihrer Partei (und den Knittelfelder
Putschisten, nur ein FPÖ-Abgeordneter stimmte im Bundesrat gegen die
Osterweiterung) auch die unbedingte Aufnahme der Tschechei in die EU betrieben.
Es soll zwar keinerlei Entschädigung für vertriebenen Sudetendeutsche
und Palästinenser geben, aber für Holocaustüberlebende gibt
es nach jahrelangen Milliardenzahlungen an Wiedergutmachung selbstverständlich
weitere Zusagen für noch mehr Entschädigungszahlungen, wodurch
sich die ÖVP-FPÖ Regierungsmannschaft auch die Wiederentsendung
eines israelischen Botschafters nach Wien erhoffte. Dieser war nämlich
wegen der FPÖ - Regierungsbeteiligung im Jahre 2000 abgezogen worden.
Es dürfte auch eine Rolle gespielt haben, daß jetzt die Behörden
in Österreich schärfer gegen Holocaustleugner vorgehen, sodaß
jetzt allergnädigst die Entsendung eines Botschafters in Aussicht
gestellt wurde.
Holocaustgedenken am 29. 7. 2003
Einen Zweifel am Ausmaß des Holocausts ist ja wirklich völlig
undenkbar. Also begann der knapp sechsstündige Aufenthalt der österreichischen
Außenministerin Benita Ferrero-Waldner am 29. 6. 2003 nach rasanter
Fahrt vom Flughafen in Tel Aviv hinauf in die Berge von Jerusalem mit dem
aus Zeitgründen etwas eiligen Gang durch das immer wieder erschütternde
Zeugnis barbarischer Judenvernichtung, mit dem Israel sein Volk und die
Welt an die institutionelle und industrielle Eliminierung von sechs Millionen
Juden durch den Nationalsozialismus erinnert.
"Nur wer Yad Vashem besucht hat, kann voll die Wichtigkeit der Existenz
Israels als Heimat des jüdischen Volkes verstehen, wo es in Frieden
und Sicherheit leben kann", schrieb die Außenministerin in das Ehrenbuch
des Mahnmals, "nur wer Yad Vashem besucht hat, weiß, wie wichtig
es ist, Antisemitismus, Haß und Vorurteil zu bekämpfen. Nur
wenn wir nicht vergessen, können wir eine bessere Welt erreichen.
Ich bin hergekommen, um diese Verpflichtung zu erneuern."
Eine 8 Meter hohe Mauer wird jetzt um Israel und um weit in palästinensischen
Gebiet liegende völkerrechtswidrige israelischen Siedlungen gebaut...
Hergekommen ist Ferrero-Waldner aber vor allem, um gemeinsam mit dem
israelischen Außenminister Silvan Schalom die Wiederherstellung der
vollen diplomatischen Beziehungen zu verkünden.
Israel hatte nach der ÖVP-FPÖ-Regierungsbildung im Jahr 2000
seinen Botschafter aus Wien abberufen, wie schon 1986 nach der Wahl Kurt
Waldheims zum Bundespräsidenten, und die Botschaft auf Geschäftsträger-Ebene
weitergeführt (Österreich beließ hingegen seinen Botschafter
in Tel Aviv im Amt).
Nach einem gemeinsamen Arbeitsmittagessen traten die beiden Außenminister
mit offiziellen Erklärungen vor die Medien. Schalom betonte die Fortschritte,
die Austria (oder Australia?) in den vergangenen dreieinhalb Jahren bei
der Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit gemacht habe, vor allem
auch die "Regelungen und Gesetze für die Kompensation von Nazi-Opfern".
Austria habe sich in dieser Zeit fair gegenüber Israel verhalten.
Israel seinerseits suche eine Annäherung an das erweiterte Europa,
also wolle man "mit dem heutigen Tag alle Restriktionen für die Beziehungen
mit Austria beseitigen". Schalom sprach auch mehrmals vom "Australian people"
- also dem australischen Volk.
Ferrero-Waldner ihrerseits verwies ausführlich und wiederholt auf
die Verantwortung Österreichs aus der Geschichte. Österreich
habe zu lange "die Gespenster der Vergangenheit" verdrängt. Das heutige
Österreich ist sich der Verantwortung bewußt, die viele Österreicher
für die Tragödie des Holocaust getragen haben. "Selbst wenn es
unsere Eltern oder Großeltern, Freunde oder Bekannte gewesen sind."
Die Außenministerin unterstrich vor allem die Restitutionsmaßnahmen,
die die Regierung im Jahr 2000 beschlossen habe, und lud ihr israelisches
Gegenüber zum Gegenbesuch nach Wien ein. Ferrero-Waldner machte nur
sehr diplomatisch-indirekt einen Hinweis auf die "ungerechtfertigten Maßnahmen",
die sie den EU-14 anlastete.
Die positive Stimmung, die den österreichischen Besuchern am 29.
7. 2003 in Israel entgegenschlug, spiegelte sich auch in der Berichterstattung
etwa der liberalen israelischen Zeitung "Haaretz" wider: Die politische
Szene in Österreich habe sich verändert, Jörg Haiders Rolle
schwinde, und Österreich habe in den letzten Jahren historische Abkommen
für die Entschädigung von Naziopfern und Zwangsarbeitern im Umfang
von einer Milliarde Dollar unterzeichnet. "Die Regierung wird in Israel
als eine bezeichnet, die mehr als jede andere Regierung seit dem Zweiten
Weltkrieg getan hat, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen",
schreibt das Blatt und zitiert einen israelischen Diplomaten in Wien, der
in der gesamten Zeit seines Dienstes "auf keinen einzigen antisemitischen
Zwischenfall gestoßen" sei.
Das Blatt zitiert freilich auch den "hervorragenden Staatswissenschaftler"
Anton Pelinka in Bezug auf Jörg Haider mit dem Satz: "Was für
einen Nutzen wird Israel in der Normalisierung der Beziehungen mit einer
instabilen Regierung finden, die immer noch von einem launenhaften Anführer
abhängt und die sehr bald stürzen könnte?"
Sollte es so kommen, so die Zeitung, werde Israel eben erklären
müssen, warum man es so eilig hatte, "vom Baum der Sanktionen herunterzusteigen".
Andernfalls könnte die Erneuerung der Beziehungen ein "Baustein" für
die Präsidentschaftsambitionen Ferrero-Waldners sein. "Heute ist sie
in Jerusalem und wird ihr bekanntes Lächeln lächeln."
[29. Juli 2003] |