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Präsident der "Achse des Bösen" besucht Wien Nachdem am 11. Februar 2002, genau fünf Monate nach den Anschlägen von New York, Landeshauptmann Haider ein Land der "Achse des Bösen" besucht hatte, kam am 11. März 2002, genau sechs Monate nach den Anschlägen von New York, sogar ein Staatspräsident eines weiteren Landes der "Achse des Bösen" zu Besuch nach Österreich. Der Staatspräsident des Iran, Mohammad Khatami, traf am Vormittag des 11. 3. 2002 in Wien ein. Es war seine erste Auslandsreise seit dem 11. September 2001. Vermutlich wegen der guten wirtschaftlichen Beziehungen - die Exporte Österreichs in den Iran stiegen 2001 um 49 % - wurde der Präsident vom Flughafen durch Wirtschaftsminister Bartenstein abgeholt. Auf dem Wiener Heldenplatz wurde Khatami von Bundespräsident Thomas Klestil mit allen militärischen Ehren empfangen. Auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Staatssekretär Alfred Finz machten ihre Aufwartung. Mit freundlich-gütigem Lächeln schritt Khatami die Ehrenkompanie ab. Und diesen sanftmütigen Gesichtszug behielt er auch bei - bis bei der anschließenden Pressekonferenz George Bushs "Achse des Bösen" mit den Protagonisten Iran, Irak und Nordkorea zur Sprache kam. "Das waren häßliche Worte.", meinte Khatami. Er lasse sich von Bush nicht beleidigen. "Aber urteilen Sie selbst, wer das Böse repräsentiert: Solche Länder, die gegen andere Drohungen ausstoßen, wenn sie nicht auf ihrer Linie sind, oder solche Länder, die für den Dialog der Zivilisationen plädieren." Man sollte das "wirklich Böse" bekämpfen: Armut, Ungerechtigkeit, Terrorisms und Gewalt. Klestil nickte zustimmend: "Ich teile diese Meinung (von Bush) nicht." Schließlich habe sich der Iran nach dem 11. September aktiv an der Allianz gegen den Terror beteiligt. Auch zum Nahost-Konflikt bezog Khatami klar Stellung: "Palästina
ist kein regionaler Krisenherd. Dieser kann die ganze Welt bedrohen." Friede
werde erst dann herrschen, wenn "die wirklichen Besitzer des Landes wieder
zu ihrem Recht gekommen sind". Khatamis Vorschlag: Die Palästinenser
sollten in einer Volksabstimmung über ihr Schicksal entscheiden. Am
Nachmittag gab es ein gemeinsames Essen, an dem auch Kardinal Schönborn
und König teilnahmen. Am Abend hatte Gastgeber Thomas Klestil zum
Staatsbankett geladen. Den islamischen Sitten gemäß ohne Alkohol
und Schweinefleisch. Und auch ohne Begleitung.
[11. März 2002] |