Sportministerin Riess-Passer besuchte Tel-Aviv Obwohl sich Israel nach wie vor weigert, einen Botschafter nach Österreich zu entsenden, wollte die Sportministerin und Vizekanzlerin Riess-Passer (FPÖ) die Beziehungen verbessern und reiste anläßlich des Fußballspieles Österreich - Israel nach Tel Aviv. Sie wurde aber von keinem namhaften Vertreter der dort herrschenden Regierung empfangen. Dagegen konnte der Vorsitzende der SPÖ, Alfred Gusenbauer, der auch mit von der Partie war, einen diplomatischen Erfolg verbuchen, da er von Außenminister Simon Perez empfangen wurde.
Viele Stammspieler der österreichischen Mannschaft weigerten sich, in Tel-Aviv zu spielen, trotzdem erreichte die österreichische Mannschaft durch ein Tor in der 93. Minute ein Unentschieden (1:1). Dadurch kann Österreich - an Stelle von Israel - zu Qualifikationsspielen zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft gegen die Türkei antreten.
[28. 10. 2001]
Österreichische Fußballer verweigern Spiel in Tel Aviv Neun Teamfußballer Österreichs, fast eine ganze Mannschaft, erklärten, nicht zu dem Fußballspiel in Tel Aviv am 7. 10. 2001 fahren zu wollen Nur einer, der Verteidiger des FC Tirol, Walter Kogler, stellt sich den Fragen der Journalisten. Nicht etwa er selber und die acht anderen Reisenden hätten die Mannschaft im Stich gelassen, sagt er. Nein, die Gremien des ÖFB und der FIFA hätten ihn vor die unzumutbare Aufgabe gestellt, "in der derzeitigen politischen Situation in Israel zu spielen". Die Einstellung der Spieler wird von den meisten Österreichern für richtig befunden, sie findet nach einer Umfrage der Kronenzeitung große Zustimmung.
Der Weltverband FIFA entschied, das Spiel wie geplant stattfinden zu lassen, weil Israel "kein Kriegsgebiet" sei und "Sicherheitsgarantien gab". Europas Verband UEFA hingegen verlegte vor kurzem das UEFA-Cup-Spiel der Glasgow Rangers bei Anschi Machatschkala nahe Tschetscheniens Grenze an einen neutralen Ort, Warschau...
Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Ariel Muzicant, kritisierte die Spieler und sagte, auch in Spanien, Korsika und Irland gebe es Anschläge, und dort werden keine Fußballspiele abgesagt.
Nach dem Abschuß eines aus Israel kommenden Passagierflugzeuges am 4. 10. 2001 wurde das Spiel von der FIFA nun doch abgesagt.
Ob die Maschine von den Ukrainern, die sehr wohl über weitreichende Boden-Luft-Raketen verfügen oder vielleicht von NATO-Raketen abgeschossen wurde, ist umstritten. Der Absturz erfolgte immerhin knapp vor der türkischen Küste und in mindestens 300 km Entfernung von ukrainischem Gebiet. Die NATO hat ja schon früher Passagierflugzeuge abgeschossen, z. B. über Italien, als man libysche MIGs treffen wollte. Auch das vierte am 11. 9. 2001 entführte Flugzeug wurde höchstwahrscheinlich von USA-Raketen abgeschossen. Daß das von den US-Politikern abgestritten wird, ist ein wichtiger Hinweis auf deren Glaubwürdigkeit. Allerdings wurde auch von Sowjetstreitkräften ein Passagierflugzeug abgeschossen, nämlich 1983, als ein südkoreanisches Flugzeug mit ca. 200 Personen über Sowjetisches Gebiet flog und angeblich in Sibirien auf ein dort befindliches Atomkraftwerk zusteuerte. Damals gab es große Empörung bei den Westmächten und heute will der US-Präsident im Notfall selbst Passagierflugzeuge abschießen lassen bzw. hat es schon getan.
[4. Oktober 2001]
Israels Boykott gegen Wien bleibt bestehen Israels neuer Geschäftsträger in Wien, Avraham Toledo, ist nicht bereit, Kontakt mit österreichischen Regierungsmitgliedern aufzunehmen. An der Haltung Israels gegenüber der schwarz-blauen Koalition habe sich nichts geändert, erklärte Toledo bei seinem Antrittsbesuch in der "Presse" am 24. August 2001. Gleichzeitig sei seine Entsendung nach Wien als "klares Signal" zu verstehen, für wie wichtig Israel die Beziehungen zu Österreich halte. Toledo ist zwar nun formal Geschäftsträger, hat jedoch den persönlichen Rang eines Botschafters inne und hat zuletzt als stellvertretender Generaldirektor des israelischen Außenamts die Afrika-Abteilung geleitet. Israel hatte unmittelbar nach dem FPÖ-Regierungseintritt im Februar 2000 Botschafter Nathan Meron aus Wien abberufen. Seither wird die diplomatische Mission nur auf Geschäftsträgerebene geleitet. An der Herabstufung der Beziehungen soll nichts geändert werden, solange die FPÖ an der Regierung beteiligt ist, hatte das israelische Außenamt wiederholt erklärt. Bis Sommer dieses Jahres führte Botschaftsrat Ilan Ben-Dov die Geschäfte. Zumindest in Israels zweiter politischer Reihe wird Kritik an der Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Österreich laut. Roman Bronfman, Abgeordneter der russischen Einwandererpartei "Yisrael Be-Aliyah", hat seinen Unmut auf Einladung des FP-Generalsekretärs Peter Sichrovsky zuletzt auch in Wien geäußert. Anfang August hatte Avshalom Vilan von der linken Meretz-Partei in einer Anfrage an Außenminister Peres die Entsendung eines Botschafters nach Wien gefordert.
Um Israel gnädig zu stimmen, solle man mehr (angebliche) Juden aus Osteuropa einwandern lassen, schlug der frühere Stadtschulrat von Wien und jetzige "Restitutionsbeauftragte" K. Scholz vor. Scholz steht Überlegungen einer verstärkten Zuwanderung aus Osteuropa "verständnisvoll" gegenüber, die Kosten tragen ja die Steuerzahler.. Diese Idee war vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, ins Spiel gebracht worden, ähnliche Vorschläge gibt es auch vom Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Scholz sagte gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" vom 25. 8. 2001, er wolle die Zuwanderung aber nicht plakativ fordern, weil das dann die Bundesregierung "ebenso plakativ ablehnen würde". Er lobt aber die Regierung. "Diese Regierung hat bei der Entschädigung Bahnbrechendes geleistet. Das konnte wohl auch nur diese Regierung - gerade unter FPÖ-Beteiligung - leisten." Der Vorschlag scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen. Die FPÖ Vizekanzlerin plant bereits einen Besuch in Israel anläßlich eines Fußballspieles. Dabei kann sie sicher informell neue Zahlungen und Begünstigungen anbieten, um endlich den sehnlichst erwarteten Botschafter Israels nach Wien zu bekommen.
[25. August 2001]
Demonstration für Palästina in Wien
Am Nachmittag des 17. August 2001 folgten rund hundert Personen dem Aufruf der Palästinensischen Gemeinde in Österreich und demonstrierten am Stephansplatz in Wien unter folgenden Losungen gegen das andauernde Massaker in Palästina: Stoppt das Massaker in Palästina – unterstützt die Intifada! Sofortiger Rückzug der zionistischen Besatzungstruppen! Recht auf Rückkehr für alle palästinensischen Flüchtlinge! Für das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes einschließlich dem Recht zur Errichtung eines unabhängigen und souveränen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt!.....
Die Antiimperialistische Koordination (AIK) beteiligte sich an der Kundgebung genauso wie der türkische Menschenrechtsverein (TAYAD), der in seiner Rede auf den türkisch-israelischen Militärpakt hinwies. Auf die Massaker in der Türkei und in Palästina müsse man mit internationaler Solidarität regieren, sagte ihr Sprecher.
Resolution gegen Israel
Im Vorfeld der Anti-Rassismus-Konferenz im südafrikanischen Durban fand am 27. 8. 2001 ein sog. Jugendgipfeltreffen statt, bei dem Israel zur Besatzungsmacht erklärt worden war. Ein entsprechender palästinensischer Antrag war mehrheitlich angenommen worden. Bereits zuvor hatte eine umstrittene Gleichsetzung zwischen Zionismus und Rassismus die USA bewogen, Außenminister Colin Powell nicht zur Anti-Rassismus-Konferenz zu schicken.
[27. August 2001]
Öst.-Arabische Gesellschaft kritisiert Muzicant Es könne nicht "die primäre Aufgabe einer österreichischen Religionsgemeinschaft sein, die menschen- und völkerrechtsverletztende Politik einer anderen Regierung, nämlich der israelischen, zu verteidigen", schrieb GÖAB-Generalsekretär Fritz Edlinger am 29. 10. 2000 an Ariel Muzicant, den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Der "spontane, durch eine einseitige israelische Provokation ausgelöste Aufstand" der Palästinenser stelle eine "ohnmächtige Reaktion auf die ständigen Verzögerungen und Verletzungen von bereits abgeschlossenen Vereinbarungen" durch Israel dar. Aus Muzicants Stellungnahmen spreche "eine kritiklose und undifferenzierte Unterstützung jener gewaltsamen Politik der israelischen Regierung, die von einer großen Mehrheit der Staaten auf das Schärfste verurteilt worden ist", sagte Edlinger.
Damit wurde die Reaktion des Vorsitzenden der Wiener Kultusgemeinde auf das Abstimmungsverhalten Österreichs in der UNO kritisiert. Österreich hatte für die UNO-Resolution gestimmt, in der Israel wegen der "exzessiven Gewaltanwendung" gegen die palästinensische Zivilbevölkerung verurteilt worden ist. Muzicant meinte dazu "daß seitens der Bundesregierung nicht mehr die Bereitschaft zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Nahost-Problem besteht." Einseitig für einen Kontrahenten Stellung zu beziehen, sei "für ein neutrales Land unangemessen." Außenministerin Benita Ferrero-Waldner sagte, Österreich habe deswegen dafür gestimmt, weil der Text "den gemäßigten arabischen Staaten geholfen" habe.[30. Oktober 2000]