Landtagswahl in Vorarlberg 2009

Bei der Landtagswahl vom 20. 9. 2009 erreichte die ÖVP wieder die absolute Mehrheit, die SPÖ verlor stark, die FPÖ verdoppelte ihren Stimmenanteil.

ÖVP 50,8 % (-4,1),   20 Mandate (-1)
FPÖ  25,2 % (+12,3)   9 Mandate (+4)
Grüne 10,4 % (+ 0,2)    4 Mandate (=)
SPÖ    10,1 % (-5,8)     3 Mandate (-3)
GSI        1,7 %
BZÖ      1,2 %
WIR       0,4 %
Kiebitz    0,2 %

[20. September 2009]

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Landtagswahl 2004

Bei der Landtagswahl vom 19. 9. 2004 in Vorarlberg gab es wieder herbe Verluste für die FPÖ, welche hauptsächlich darauf zurückzuführen sind, daß viele ihrer ehemaligen Wähler diesmal nicht zur Wahl gingen. Die ÖVP hat in Vorarlberg wieder die absolute Mehrheit errungen, die sie 1999 verloren hatte. Sie legte bei der Landtagswahl vom 19. 9. um 9 Prozentpunkte  auf 54,9 Prozent zu, 21 Mandate, (+3). Die FPÖ konnte auch im "Ländle" ihre Talfahrt nicht stoppen, halbierte  sich auf 13 %, verlor Platz 2, 5 Mandate (- 6) an die SPÖ die 16,9 % erreichte, und 6 Mandate (+1). Die Grünen gewannen, bekamen 10,2 %,  4 Mandate (+2) und haben Klubstärke.
Die Beteiligung ist dramatisch von 87 auf 60 % gesunken - der stärkste  Rückgang bei Wahlen in der 2.Republik...Nach dem eklatanten Bruch der Wahlversprechen von 1999 (Osterweiterung, Benes-Dekrete...) hört man von der Partei nichts zur bevorstehenden katastrophalen EU-Verfassung, Haider will sogar die Türkei in der EU haben, was ja noch ärger ist als die bisherige Osterweiterung. Sonst befürwortet die FPÖ zwecks Aufpolierung ihres Querulantenimages eine Verwässerung der Pensionsreform durch Frühpensionsgeschenke an "Schwerarbeiter" (u. a. meldeten sich bereits Ärzte und Polizisten als Schwerarbeiter), obwohl die Mehrheit der Bevölkerung einsieht, daß gespart werden muß...

Landtagswahl in Vorarlberg vom 19. 9. 2004

. St. 2004 % 2004 St. 1999 % 1999
Wahlber. 242509 . 226113 .
Abg. St. 147047 60,6 % 198540 87,8 %
Gült St. 145863 191300
ÖVP 80112 54,9 % 87542 45,8 %
SPÖ 24609 16,9 % 24844 13,0 %
FPÖ 18881 12,9 % 52444 27,4 %
Grüne 14829 10,2 % 11541  6,0 %
VAU 3046  2,1 % 4363  2,3 %
Frizz 2806  1,9 % 2328  1,2 %
LFB 1373  0,9 % - -
DBK  207  0,1 % - -

[19. September 2004]


 
Parteitag der FPÖ in Linz

Auf dem Parteitag von Linz (Oberösterreich) am 3. 7. 2004 wurde die Schwester Jörg Haiders erwartungsgemäß zur Parteiobfrau gewählt, allerdings mit nur 78 % der Delegiertenstimmen, das schlechteste Ergebnis für einen Parteivorsitz der FPÖ seit der Kampfabstimmung von Innsbruck 1986 zwischen J. Haider und N. Steger. Jörg Haider, der auf den vorhergehenden Parteitagen durch Abwesenheit glänzte, war diesmal anwesend, wohl um einen etwaigen Aufstand des nationalen Lagers, dem er sich neuerdings nicht mehr zugehörig fühlt, zu verhindern. Volksanwalt Stadler einigte sich aber schon vor dem Parteitag mit der Führung, auf eine Kandidatur zu verzichten und bekam dafür eine Führungsrolle in der "Freiheitlichen Akademie", wo programmatische Arbeit für die FPÖ gemacht wird. Es war sinnvoll, daß Stadler und Mölzer nicht versuchten, jetzt noch in die Tagespolitik der Partei einzugreifen, denn durch die eklatanten Brüche ihrer Wahlversprechen ist die FPÖ derartig unglaubwürdig geworden, daß auch ein nationales Führungsteam kurzfristig keinen Umschwung hätte herbeiführen können. Sehr wohl wäre aber dann versucht worden, Stadler und Mölzer zu Sündenböcken für den Niedergang der Partei zu machen.

Linz
Volksanwalt E. Stadler am 3. 7. 2004 vor dem FPÖ-Parteitag in Linz 

Gleich zu Beginn seiner Parteitagsrede versicherte Stadler unter dem Jubel der Delegierten, "ich vertrete hier keinen Flügel, ich vertrete auch keinen Geschichtsverein und ich bin kein Taliban - ich bin ein Freiheitlicher." Die FPÖ müsse daran gehen, jeden Zentimeter an verlorener Glaubwürdigkeit zurückzuerobern, forderte Stadler.

In den vergangenen drei Jahren habe es mehrere Versuche einer Kurskorrektur gegeben. "Wir haben es versucht und wir sollten weiter dran bleiben", so Stadler: "Nicht die Befindlichkeit des Koalitionspartners ist für uns entscheidend, ausschließlich die Befindlichkeit des Wählers, er ist für uns das Maß der Dinge."

Haupt ausgepfiffen

Unterbrochen wurde die Ansprache des Volksanwaltes von Parteiobmann Herbert Haupt, der nach Ablauf der fünfminütigen Redezeit das Schlußwort einforderte. Stadlers Fans im Publikum reagierten mit Pfiffen und verabschiedeten ihn nach etwa zehn Minuten mit Jubel und mit Standing Ovations. 

EU-Abgeordneter Andreas Mölzer sieht die Einigung zwischen Volksanwalt Stadler und der Parteispitze als tragfähigen Kompromiß. Stadler werde als Präsident der freiheitlichen Akademie große Gestaltungskompetenzen haben. Seine Wahl zum stellvertretenden Parteiobmann wäre dagegen nur ein Signal am Parteitag gewesen, nicht viel mehr so Mölzer. Außerdem seien mit Günther Steinkellner und Heinz-Christian Strache zwei Korporierte zu stellvertretenden Parteichefs nominiert worden.

Mölzer glaubt daher nicht an neue FPÖ-interne Konflikte: Die nun gefundene Lösung werde zumindest für die Dauer der FPÖ-Regierungsbeteiligung gelten. "Solange die FPÖ in der Regierung ist, wird das nicht mehr in Frage gestellt von meiner Seite. Ich würde das für unklug halten", versicherte Mölzer.

Mölzer verwies darauf, daß die künftig von Stadler geleitete Parteiakademie einer der drei großen Bereiche der FPÖ neben dem Parlamentsklub und der Bundespartei darstelle und auch über ähnliche Budgetmittel verfüge. Die unter anderem von Stadler und Mölzer ins Leben gerufene Arbeitsgemeinschaft "Freiheitliche Zukunft" werde aber weiter bestehen, kündigte Mölzer an: "Vielleicht kann die Akademie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft etwas veranstalten."

Die bisherige geschäftsführende Bundesparteiobfrau Ursula Haubner konnte bei der Wahl zur Parteiführung auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Linz 456 von 577 gültigen Stimmen - das sind 79 Prozent - erreichen.

"Ich danke denen, die mich gewählt haben, für das in mich gesetzte Vertrauen. Denjenigen, die mich heute nicht gewählt haben, verspreche ich, dass ich sie mit meinen Taten überzeugen werde", erklärte die neue Bundesparteiobfrau der Freiheitlichen, Ursula Haubner, in einer ersten Stellungnahme.

Die von der neugewählten FPÖ-Bundesparteiobfrau Ursula Haubner vorgelegten Personalvorschläge für die Funktionen der Obfraustellvertreter und des Generalsekretärs sind am Parteitag bestätigt worden. Die beiden Landesparteiobmänner Heinz-Christian Strache (Wien) und Günther Steinkellner (Oberösterreich) werden den stellvertretenden Parteivorsitz übernehmen. Der Kärntner NR-Abgeordnete Uwe Scheuch wird als Generalsekretär die Organisation und Kommunikation in der Partei neu organisieren.

Günther Steinkellner erhielt 389 von 560 gültigen Stimmen – das sind 69,5 Prozent - , Heinz Christian Strache konnte 419 Stimmen oder 74,8 Prozent erreichen.

Die designierte FPÖ-Bundesparteiobfrau Ursula Haubner bedankte sich zu Beginn ihrer Rede bei Herbert Haupt, der mit seinen Aussagen den richtigen Weg vorgezeigt habe. Haubner sprach von einer „neuen Eichung des freiheitlichen Kompasses“, die heute stattfinde. Bisher sei es nicht gelungen, den Begriff Neubeginn tatsächlich mit Leben zu erfüllen. Oft sei er nur eine Überschrift geblieben.

"Daran, daß manchmal nichts wirklich großes aus den Ankündigungen geworden ist, sind wir selbst schuld. Heute soll jeder mit der Überzeugung nach Hause gehen, selbst wieder Teil des freiheitlichen Ganzen zu sein“, forderte Haubner unter dem Applaus der Delegierten. Die FPÖ habe schon bessere Zeiten erlebt. Dies sei eine Tatsache, der man ins Auge schauen müsse. Es herrsche Ratlosigkeit, Resignation und Niedergeschlagenheit. Vieles sei nicht optimal gelaufen, man habe Fehler gemacht und Chancen ausgelassen.

Aber jeder müsse dazu beitragen, daß die FPÖ aus dieser Negativspirale wieder in die Spirale des Erfolgs komme, forderte die designierte Parteichefin. Entscheidend sei der große ungebrochene Wille, wieder an die alten Zeiten anzuschließen, auf die Siegerstraße zurückzukehren und die Partei wieder selbstbewusst und geschlossen dastehen zu lassen. Heute habe man die Möglichkeit, die Dinge am Schopf zu packen und sich selbst aus der Krise zu ziehen: "Denn helfen wird uns niemand."

Man dürfe die Probleme nicht unter den Teppich kehren, sonst verliere man den letzten Rest an Glaubwürdigkeit, mahnte Haubner. Man dürfe aber auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und alles negativ beurteilen: "Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber wir haben auch nicht alles falsch gemacht. " Sie warnte vor einer sektiererischen Hinwendung an eine reine Lehre, die es in der Realität nicht geben könne: „Vermeintliche einfache Heilsstrategien sind nicht der richtige Weg.“ Leider vermißte man wieder klare Aussagen zu aktuellen Fragen wie der EU-Verfassung, der Invasion von osteuropäischen Räuberbanden, der Neutralität und zum Eurofighterskandal. Der Antrag eines oberösterreichischen Delegierten auf Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag wurde aus Geschäftsordnungsgründen nicht zugelassen.

Die designierten stellvertretenden FPÖ-Obleute Heinz-Christian Strache und Günther Steinkellner haben beim Parteitag zur Geschlossenheit aufgerufen und Parteichefin Ursula Haubner ihre Unterstützung zugesagt. "Ich weiß, ich bin manchmal nicht einfach. Aber ich bin sicherlich jemand, der absolut loyal zur Partei steht", versicherte Strache. Es sei jetzt eine schwierige Zeit, aber die FPÖ habe eine staatspolitische Verantwortung und dieser Verantwortung müsse die FPÖ endlich gerecht werden.

Es gehe jetzt darum, die "hausgemachten Fehler der SPÖ" in Wien aufzuzeigen, so Strache. "Denn in Wien sitzen die wirklichen Belastungspolitiker", kritisierte der Landesparteiobmann der Wiener Freiheitlichen. Mit steigenden Belastungen, wie bei den Energie- und Kindergartenpreisen, sei Wien zum "Belastungszentrum Österreichs“ geworden, erklärte  Strache .

Der oberösterreichische Landesparteiobmann Günther Steinkellner appellierte an die Delegierten: „Unterstützt die Uschi Haubner. Laßt sie und uns arbeiten". Die schwarz-grüne Koalition in Oberösterreich habe gezeigt, daß die ÖVP eine "freiheitliche Begleitung" brauche, damit sie nicht auf "linke Ideen" komme.

Der einstimmig zum Generalsekretär gewählte Uwe Scheuch versicherte, er wolle den Vorschußlorbeeren gerecht werden. Er selbst sehe seine Aufgabe als Generalsekretär darin, "Politik von der Basis zur Regierung zu tragen" und nicht umgekehrt. "Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten genug herumgeeiert, genug herumagitiert. Es bringt nichts, wenn wir von Einigkeit sprechen - wir müssen sie endlich leben", forderte Scheuch. Dass die FPÖ Wahlen gewinnen könne, wenn sie zusammenstehe, habe sich Kärnten gezeigt. 

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[3. Juli 2004]

< Parteien
 
Umbildung der FPÖ-Regierungsmannschaft

Die Regierungsumbildung in der FPÖ, die Parteichefin Ursula Haubner für die kommenden Tage angekündigt hatte, verselbstständigte sich am 18. 6. 2004 gewissermaßen, als Justizminister Dieter Böhmdorfer, der nicht FPÖ-Mitglied ist, seinen Rücktritt zum 3. Juli d. J. bekannt gab. Druck habe es keinen auf ihn gegeben betonte Justizminister Dieter Böhmdorfer. "Ich habe nicht den geringsten Hinweis bekommen, daß man mit meiner Arbeit unzufrieden ist."

Auch daß er sich in den vier Jahren seines Wirkens bei der ÖVP nicht gerade das Prädikat "pflegeleicht" erarbeitet hat, stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinem Rücktritt. "Im Gegenteil, es war immer das größte Kompliment, wenn es geheißen hat, die ärgern sich über mich", sagte Böhmdorfer am 18. 6.

Einziges Motiv für seinen Rückzug sei sein Bestreben, den Spielraum der neuen FPÖ-Obfrau Ursula Haubner bei einer FPÖ-Regierungsumbildung zu vergrößern. Es herrsche Konsens in der Partei, dass es einer Verjüngungskur bedürfe, da wolle er als 61-Jähriger seinen Beitrag leisten.

Seine großen Reformvorhaben habe er abgeschlossen. Eine Mappe, die die von ihm initiierte Gesetzesflut in 34 Punkten auflistet, ließ er zum Abschied verteilen. "Damit Sie sich nicht nur an sieben Mißtrauensanträge, sondern auch an meine Leistungen erinnern." Vorschläge zu seiner Nachfolge will er keine machen. Das liege jetzt alles in den Händen Haubners, die seine Hochachtung genieße. Ob er selbst in ihrem Wunschteam gewesen wäre, weiß Böhmdorfer nicht. Sein Beruf als Rechtsanwalt, in den er zurück kehren will, mache ihm jedenfalls genauso viel Spaß.

Man hat den Eindruck, daß Böhmdorfer mit seinen Beiträgen zur Gesetzesflut seinen Berufsgenossen und sich selber einträgliche Geschäfte sichern wollte (z. B. Anwaltspflicht bei Scheidungen usw...) und sich jetzt unter günstigeren Bedingungen wieder seiner Tätigkeit als Anwalt widmen kann.

Am Abend des 17. 6. hatte es in der FPÖ eine Aussprache gegeben. Danach warf Böhmdorfer - offenbar auch für Parteifreunde überraschend - das Handtuch. Haubner ist damit schwer unter Druck geraten, ihr Regierungsteam möglichst schnell zu erneuern. Nachfolger Böhmdorfers könnte der Wiener Landtagsabgeordnete Harald Stefan sein. Der FPÖ-Landtagsabgeordnete ist Notar und Bezirksparteiobmann der FPÖ Simmering. Der 39-jährige würde auch den von Böhmdorfer gewünschten Generationswechsel im Ressort erfüllen. Stefan selbst gibt sich auf "Presse"-Anfrage zurückhaltend, meint dann aber: "Ich würde mich geehrt fühlen." Sollte er gefragt werden, würde er Ja sagen.

Im Justizministerium wurde auch Günther Steinkellner als möglicher Böhmdorfer-Nachfolger kolportiert. Steinkellner ist Chef der einflussreichen oberösterreichischen FPÖ (wo auch Haubner herkommt) und Jurist. Im Gespräch mit der "Presse" bezeichnet sein Sprecher einen Wechsel Steinkellners aber als "reine Gerüchteküche". Steinkellner schließe demnach einen Wechsel definitiv aus.

Nicht ganz so klar dementiert man im Büro von FPÖ-Klubchef Herbert Scheibner ein mögliches Revirement. "Es gibt mehrere Namen", heißt es dort kryptisch. An anderer Stelle in der FPÖ ist zu hören, dass Scheibners Rückkehr in die Regierung - er war im Kabinett Schwarz-Blau I Verteidigungsminister - eher unwahrscheinlich ist. Immerhin hat Scheibner sein Jusstudium abgebrochen, von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer weiß man, daß Nicht-Akademiker in akademischen Berufen mit Häme rechnen müssen.

Auch im Gespräch ist der Salzburger Abgeordnete Eduard Mainoni, und zwar nicht nur als Justizminister, sondern auch für die Ablöse des Salzburger Parteiobmanns Karl Schnell. Während Mainoni im Gespräch mit der "Presse" letzteres heftig dementiert ("Das steht derzeit überhaupt nicht zur Diskussion. Schnell und mich verbindet mehr als nur politische Zusammengehörigkeit") reagiert er zu seinem kolportierten Aufstieg zum Justizminister mit geschmeicheltem Lachen. "Darüber spreche ich nicht, weil die Dinge noch nicht beschlossen sind. Für eine Aussage dazu ist es verfrüht."

Herbert Haupt wehrt sich indessen dagegen, nach der Parteifunktion auch sein Ministeramt zu verlieren. Am 18. 6.  bekräftigte er sogar per Aussendung, Sozialminister bleiben zu wollen.

Als nicht ausgeschlossen gilt daher, daß Ursula Haubner nur Staatssekretärin bleibt (und nicht Sozialministerin wird, was offenbar ein Wunsch Haiders ist). Vorteil: Das ließe ihr genügend Zeit für die Parteiarbeit. Daß sie vom innerparteilich ebenfalls nicht unumstrittenen Verkehrsminister Hubert Gorbach die Vizekanzlerwürde, aber kein Ministeramt erbt, ist eher unwahrscheinlich, ein Staatssekretär hat kein Stimmrecht im Ministerrat, was für einen Vizekanzler nicht akzeptabel wäre.

Bleibt Gorbach Vizekanzler, soll in seinem Ressort zu seiner Entlastung ein FPÖ-Staatssekretär kommen. Der Posten des Sport-Staatssekretärs würde zu ihm wandern. Der oder die Neue würde Koordinierungsaufgaben im Verkehrsressort dazu erhalten. Sports-Staatssekretär Karl Schweitzer soll der Umbildung zum Opfer fallen.

Damit müssten allerdings auch im Nationalrat zwei Abgeordnete ihre Plätze räumen: Anton Wattaul für Böhmdorfer, Detlev Neudeck für Schweitzer. Sollte Scheibner Minister werden, würde ein anderer in den Nationalrat zurückkehren können: der frühere Wissenschaftssprecher Martin Graf.

[18. Juni 2004]

< Parteien
 
FPÖ erhält neue Parteiführung

Leider wird nach der Wahlniederlage der FPÖ nicht eine Rückkehr zu den alten Prinizipien der FPÖ erwogen und z. B. eine Ablehnung der geplanten EU-Verfassung oder die Wiedereinführung der Visapflicht für Bürger der Ostblockstaaten, sondern man will wieder einmal die (vorher im Regierungsprogramm mit den FPÖ-Stimmen beschlossene) Pensionsreform verwässern und diverse Personalrochaden vornehmen.

So soll Sozialstaatssekretärin Ursula Haubner neue Bundesparteiobfrau der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) werden. Sie folgt in dieser Funktion Herbert Haupt, dem sie bereits seit Oktober des Vorjahres als geschäftsführende Parteichefin zur Seite steht.

Die offizielle Wahl Haubners soll auf einem Parteitag am 3.Juli 2004 erfolgen. Das hat der Bundesparteivorstand am Abend des 15. 6. 2004 nach gut sechsstündigen Beratungen beschlossen.

Haubner zeigte sich in einer Pressekonferenz erfreut über ihre einstimmige Nominierung durch den Parteivorstand. Diese sehr große Einhelligkeit habe sie bewogen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Hervorgehoben wurde von Haubner dabei, daß sie sich ein "Team der besten Köpfe" nach ihren Wünschen und Vorstellungen zusammenstellen könne.

Bedingung und Voraussetzung für die Übernahme dieser Aufgabe sei es, daß der Kärntner Landeshauptmannn Jörg Haider - Haubners Bruder - in diesem Team vertreten sei. Die Wunsch-Mannschaft Haubners soll rechtzeitig vor dem Parteitag bekannt gegeben werden.

Ein Postenwechsel steht in jedem Fall bevor. Denn für die wegen Schwangerschaft aus dem Amt scheidende Generalsekretärin Magda Bleckmann wurde im Vorstand noch kein Nachfolger bestellt.

Herbert Haupt, der somit nach weniger als zwei Jahren aus dem Amt scheiden wird, zeigte sich mit der Entwicklung der heutigen Sitzung geradezu glücklich. Er sei "sehr zufrieden", dass Haubner zur Obfrau gewählt werde.

Mit ungeteilter Zustimmung innerhalb der FPÖ kann Haubner dennoch nicht rechnen. So hat der nationale Flügel bereits deutlich seine Distanz zu ihr anklingen lassen.

Der künftige EU-Abgeordnete Andreas Mölzer bezeichnete Haubner zwar als "durchaus interessante und kompetente Dame", gleichzeitig sprach er sich aber dafür aus, daß jemand die Partei führen sollte, der dies über das eigene Gewicht schaffe und nicht auf Grund familiärer Bande.

Nach der schweren Niederlage der FPÖ bei den EU-Wahlen am vergangenen Sonntag - die FPÖ hat eine halbe Million Wähler verloren - war der Ruf nach einem Wechsel an der Parteispitze laut geworden. Haider lehnte ein mehrfach ausgesprochenes Angebot, die Führungsrolle wieder zu übernehmen, ab.

Nun wird Haubner - nach Susanne Riess-Passer - die zweite Frau an der Spitze der FPÖ. Seit der Parteigründung im Jahr 1956 gab es acht Parteichefs, Haubner ist damit die neunte.

Nur noch zwei Wochen bleiben der designierten Bundesobfrau Ursula Haubner, um ihr Team der besten Köpfe zusammenzustellen. Daß es, wie von ihr angedeutet, auch zu einem größeren personellen Wechsel im FPÖ-Parlamentsklub kommen könnte, glaubt dessen Chef Herbert Scheibner im Gespräch mit der "Presse" nicht: "Das bezieht sich auf die inhaltliche Ebene." Es gehe darum, die Zusammenarbeit, vor allem auch die Kommunikation zwischen Partei, FPÖ-Regierungsteam, Klub und den Ländern zu verstärken.

Daher seien laut Scheibner zwei Dinge geplant: Es werde eine regelmäßig tagende Vierer-Gruppe geben, an der Ursula Haubner (Partei), Hubert Gorbach (Regierung), Jörg Haider und Scheibner selbst (Klub) säßen. Wichtig sei auch ein starkes Generalsekretariat, das in Zukunft mehr Aufgaben übernehmen soll. Daher sei es auch gut möglich, dass es zwei Generalsekretäre geben werde.

Heißer Kandidat für den Posten eines Generalsekretärs ist Uwe Scheuch, Kärntner Nationalratsabgeordneter, bisher ließ sich Scheuch jedoch bitten. Nun meinte er im Gespräch mit der "Presse": Sollte ihn die Partei auffordern, das Amt zu übernehmen, werde er sich diesem Wunsch nur schwer verschließen können. Und: Diese Aufgabe sei gerade in der jetzigen Situation "spannend und reizvoll". Er werde aber nur als FP-Generalsekretär fungieren, "wenn die Rahmenbedingungen passen", meint Scheuch. Er würde in der Parteizentrale Magda Bleckmann nachfolgen.

Ein anderer, der ebenfalls geht, ist Thomas Prinzhorn. Er legt seine Funktion als Vize-Parteichef zurück: "Es ist ganz wichtig, Jüngeren Platz zu machen, die dem Parteichef helfen." Nationalratspräsident blieb er jedoch.

Klubchef Scheibner sieht in der Berufung Haubners "die letzte Chance", verlorenes Vertrauen der Wähler wieder zurückzugewinnen. Auch Prinzhorn setzt seine Hoffnungen voll in die Schwester Jörg Haiders, er sei damit zufrieden - was er mit der bisherigen Führung nicht immer gewesen sei.

A. Mölzer ist durch seinen erfolgreichen Vorzugstimmen - Wahlkampf bei der EU-Wahl der einzige EU-Mandatar der FPÖ in Brüssel. Wie schon vor der EU-Wahl angekündigt, will Mölzer in der EU nach Gleichgesinnten suchen und eventuelle Allianzen bilden. Zu möglichen Partnern gehöre nach wie vor auch der belgische Vlaams Block.

Daß er dabei mit dem Kurs Jörg Haiders in Konflikt geraten könnte, glaubt Mölzer nicht: "Haider hat Vertreter des Vlaams Blocks vor zwei Jahren freundlich in Klagenfurt empfangen."

Der Vlaams Block sei mit seinen 25 Prozent eine erfolgreiche Partei und eine Partei des kleinen Mannes, so Mölzer weiter.

Er wünsche sich, daß die künftige FPÖ-Parteichefin und Haider-Schwester Ursula Haubner eine österreichische Maggie Thatcher wird, so Mölzer am Mittwoch im ORF Kärnten Interview.

Eine Fernsteuerung Haubners durch Haider drohe nicht: "Da unterschätzt man die Schwester, Haider ist ihr kleine Bruder. Frau Haubner weiß sicher sehr gut, wie sie mit ihm umzugehen hat, quasi von Kindesbeinen an."

Wenn sich Haider weiters in die Bundespolitik einbringe, sei das außerdem kein Schaden, er sei ein FPÖ-Erfolgspolitiker.
Daß Haider nicht bereit war, die Funktion des Bundesparteiobmannes zu übernehmen, liegt für Mölzer "in der Natur der Dinge": "Haider hat die Partei zu Erfolgen geführt. Es ist eine schwierige Sache, zu verlangen, er möge dort, wo er vor fast 20 Jahren begonnen hat, wieder anzufangen. Ich verstehe, daß man dazu keine große Lust hat."

Durch die Entscheidung für Haubner nehme die FPÖ aber sicher auch Rücksicht auf den Koalitionspartner ÖVP und die großen Ambitionen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) in der EU.

Von den freiheitlichen Parteifunktionären kommt nur zum Teil Zustimmung; manche fordern aber nach wie vor, daß Jörg Haider selbst Parteichef wird und dass die FPÖ aus der Bundesregierung aussteigt.

Die FPÖ ist nur noch eine Wischi-Waschi-Partie, sagte etwa der FPÖ-Bürgermeister von Bad Mitterndorf (Steiermark), Alfred Trieb, am 16. 6. 2004.

Die Partei müsse sich auf Kernthemen wie das Ausländerthema oder den Austritt aus der EU besinnen. Auch Abgeordnete und die Regierungsmannschaft seien an den Verlusten schuld, so der Mitterndorfer Bürgermeister.

Die Parteiobfrau der FPÖ Niederösterreich Barbara Rosenkranz zeigt sich am Tag nach der Krisensitzung ihrer Partei zufrieden über die rasche personelle Neuerung. 

[16. Juni 2004]

< Parteien
 
Umbildung der FPÖ-Regierungsmannschaft

FPÖ-Parteiobmann und Sozialminister Herbert Haupt ist am 21. 10. 2003 als Vizekanzler der schwarzblauen Regierung zurückgetreten und gibt dieses Amt an den Verkehrsminister Gorbach (FPÖ) ab. Haiders Schwester Haubner wurde zur "geschäftsführenden Parteiobfrau" ernannt und Parteiobmann Haupt zur Seite gestellt. Durch die Weigerung Haupts, gemeinsam mit Kanzler Schüssel (ÖVP) bei Pressekonferenzen aufzutreten dürfte es sich Haupt auch mit der ÖVP verscherzt haben und der Wechsel im Vizekanzleramt wurde deswegen allseits begrüßt. 

Leider scheint die FPÖ-Führung noch immer nicht daran zu denken, sich an die Wahlversprechen von 1999 zu erinnern, sondern plädiert zwecks Ablenkung von ihren Wahlniederlagen noch immer für eine Steuerreform auf Pump, was allmählich lächerlich wirkt. Außerdem wird eine solche Steuerreform von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt.

Wenige Tage vor der Parlamentswahl im November 2002 hat H. Haupt noch betont, er stehe im Falle einer neuerlichen ÖVP-FPÖ-Regierung nicht als Vizekanzler zur Verfügung: "Ich kenne meine Schuhgröße." Diese Wendung paßt zu dem langgedienten FPÖ-Politiker: In seinem Redefluß hat er in seinen langen Sätzen schon viel gesagt, um dann wenig später doch ganz anders zu handeln. 

Haupt nötigte im Vorjahr nicht nur den eigenen FPÖ-Parteifreunden Respekt ab, nachdem er als Retter in höchster Not als Spitzenkandidat in nur drei Wochen einen passablen Wahlkampf hinlegte. Der Lohn war, daß er im Dezember offiziell zum Bundesparteiobmann gekürt wurde. Ende Februar dieses Jahres führte er schließlich die FPÖ wieder in eine Regierung mit Wolfgang Schüssels ÖVP. 
Es wurde ein regelrechter Leidensweg für den selbsternannten "Dickhäuter": Nach dem Debakel in Graz folgte Ende März der Totalabsturz der Freiheitlichen bei der niederösterreichischen Landtagswahl. Einen Tag später wurde der Entwurf der Pensionsreform vorgelegt, für den Haupt als Sozialminister federführend zuständig war. Dieses Paket sollte dem FPÖ-Obmann noch beträchtliche Probleme einbringen - auch mit der eigenen Partei. Sein langjähriger Weggefährte, der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, verlangte mit Nachdruck Entschärfungen. Als diese durchgeführt waren, wurde Haupt das wieder desavouiert: Kärntner Mandatare forderten ultimativ weitere Abschwächungen und drohten, die Zustimmung zu verweigern. Kaum war die Reform im Nationalrat beschlossen, folgte der nächste Eklat: Die eigenen Bundesräte blamierten Haupt bis auf die Knochen, indem sie Ende Juni in der Länderkammer der Pensionsreform den Sanktus verweigerten, allerdings weil das Gesetz mit der Abfangjägerbeschaffung verknüpft war, was der eigentliche Grund der Ablehnung war.

Während die Umfragedaten für die FPÖ weiter nach unten zeigten, nahm gleichzeitig der Druck Haiders auf Haupt zu. Dem FPÖ-Chef wurde offen signalisiert, er solle endlich seinen Posten für Haider räumen. Der FPÖ-Obmann konnte auch diese Situation aussitzen. Mehr noch: Bei einer Klausur in Deutschlandsberg überrumpelte er die Kärntner und führte sogar einen Beschluß herbei, dass er bis zum geplanten Parteitag 2004 im Amt bleiben könne. 

Allerdings wurde er nun immer mehr zwischen Klagenfurt und Wien zerrieben. Denn aus Kärnten wurde der Druck auf Haupt wegen des Vorziehens der Steuerreform von 2005 auf 2004 erhöht. Es kam noch schlimmer - mit einem wahren FPÖ-Slalom bei der Privatisierung der Voest. Mit doppelt negativen Folgen: Haupt sorgte mit seinem Hin und Her nur mehr für Verwirrung und zog letztlich gegen die ÖVP einmal mehr den Kürzeren. Es war innerkoalitionär die entscheidende Wende: Während Schüssel Haupt im Frühsommer noch als "großen Sozialreformer" gewürdigt hatte, war nun der Vertrauensbruch perfekt, der Bundeskanzler versagte ihm fortan die Rückendeckung. Es folgte das erwartete FP-Wahldesaster in Oberösterreich und Tirol. Der FPÖ-Obmann reagierte in einem Anflug von Verzweiflung mit offenen Angriffen auf den Wirtschaftskurs der eigenen Regierung, um mehr "Profil" zu zeigen. Die ÖVP hatte nur mehr Kopfschütteln dafür übrig. Soloauftritte Haupts nach den Ministerräten waren äußeres Zeichen für das Ende der Harmonie. Hinter Haupts Rücken wurde indes schon sein Schicksal besiegelt: Offensichtlich in Absprache mit Schüssel setzte Haider dazu an, Haupt nun endgültig aus der Regierung ins Parlament wegzuloben. Auch diesmal hielt der FPÖ-Chef einige Tag beharrlich stand, ehe er nun zumindest das Vizekanzleramt räumt. Sein geliebtes Sozialressort hat er gerettet - vorerst. 

[21. Oktober 2003]
 

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