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Als der "Große Lauschangriff" zur Debatte stand, konnten Journalisten sich noch privilegiert fühlen. Sie wurden nach massiven Protesten ihres Berufsstandes von denen ausgenommen, die man auf diese Weise lausch-attackieren darf. Aber Bundesinnenminister und Ordnungsfanatiker Schily, einst RAF-Verteidiger, ließ sich etwas neues einfallen. Auf sein Betreiben hin wurde die Strafprozeßordnung geändert. Nun darf man auch die Telefone von Journalisten abhören, wenn dies dazu dient, Straftäter dingfest zu machen. Zwar gibt es einen sogenannten "Richtervorbehalt", also ein Richter muß der Anordnung zustimmen, aber jeder weiß, daß das in neunzig Prozent aller Fälle eine reine Formsache ist. Dagegen gingen Journalisten zum Bundesverfassungsgericht - und scheiterten. Jetzt ist unter den Damen und Herren der schreibenden oder filmenden Zunft ein großes Heulen und Wehklagen. Der SPIEGEL, bekanntestes deutsches Wochenmagazin, beklagte sich in seiner aktuellen Ausgabe wortreich. Das Blatt, das sich früher gern selbst als "Sturmgeschütz der Demokratie" feierte oder feiern ließ, sieht gleich die nämliche in Gefahr. Und meint, daß Pressefreiheit zur Ansichtssache der Obrigkeit verkomme. Ganz nebenbei kommt dann auch heraus, welchen Umfang "big brother" inzwischen erreicht hat. Denn laut SPIEGEL würden täglich eine halbe Milliarde (fünfhundert Millionen) Telefongespräch vollautomatisch daraufhin "gefilzt", ob sie mit gesuchten Straftätern geführt würden. So rechnete ein Telekom-Experte es dem Verfassungsgericht vor. Eine halbe Milliarde täglich dürfte im Endeffekt heißen: Jedes einzelne, das in Deutschland von einem Festnetz- oder Mobiltelefonanschluß aus geführt wird... Bei 80 Millionen Menschen in Deutschland haben wir vielleicht 60 Millionen Erwachsene, und wenn jeder von denen im Durchschnitt etwa acht Telefonate täglich führt, dann kommen wir auf ziemlich genau diese Somme, fünfhundert Millionen oder eine halbe Milliarde... Nun also jammert die Journaille. Nicht, daß ich persönlich ein großer Freund von obrigkeitsstaatlicher Überwachung oder Repressino wäre. Aber bei diesem Gejammere muß man sich auch einmal überlegen, was gerade die Herrschaften aus den Redaktionsstuben denn zu sagen hatten, als mit immer neuen Gesetzesverschärfungen "gegen rechts" vorgegangen wurde. Als der von Pannen-Kanzler Schröder ausgerufene "Aufstand der Anständigen" schließlich darin gipfelte, daß nationale Aktivisten sich wegen eines wütend ausgestreckten Mittelfingers verurteilen lassen mußten, weil dieser angeblich dem "Deutschen Gruß" zum Verwechseln ähnlich sei... Und als der Versuch, eine Partei mit immerhin sechstausend Mitgliedern einfach verbieten zu lassen, hauptsächlich daran scheiterte, daß die Verfassungsschutzämter in ihrere Spitzelsucht dermaßen überzogen, daß schließlich gar nicht mehr klar war, ob die Partei noch eigenständig war oder bereits eine Tochtergesellschaft mit Mehrheitsbeteiligung der Ämter... Von daher hält sich das Mitleid mit den Damen und Herren Journalisten in engen Grenzen. Der Journaille passiert jetzt nur, was wir seit Ewigkeiten kennen. Und da sie schweigend oder gar mit klammheimlicher Schadenfreude beobachtet haben, wie es mit uns gemacht wurde, stört mich überhaupt nicht, daß sie es jetzt auch mal zu schmecken bekommen. Guten Appetit dabei! Für mich persönlich ist die Konsequenz, daß ich künftig keinem Journalisten mehr telefonisch ein Interview geben werde. Spricht mich einer an, bekommt er höhnend zu hören: "Woher weiß ich denn, daß Sie nicht abgehört werden?!" Um ihnen dann anzubieten: "Wenn Sie was von mir wissen wollen, treffen wir uns doch gern mal zu einem geruhsamen Waldspaziergang unter vier Augen im Sachsenwald." Mal sehen, wie viele dumme Fragen und dumme Frager mir das vom Hals hält. Insofern hätte Otto Schily mir sogar einen kleinen Gefallen getan. Wenngleich ich persönlich mich bei ihm dafür schwerlich bedanken werde. Außer vielleicht, wenn er Lust hat, bei einem Spaziergang im tiefsten Sachsenwald unter vier Augen... Christian Worch
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