Exkommunikation Die sieben römisch-katholischen Frauen, die am 29. Juni 2002 bei einem katholisch-kirchenrechtlich unerlaubten Ritus östlich von Passau zu Priesterinnen geweiht wurden, sind vom Vatikan exkommuniziert worden. In einem vom Präfekten der vatikanischen Glaubenskongegration Kardinal Ratzinger unterschriebenen Exkommunikationsdekret heißt es, die Zeremonie sei ein schwerer Verstoß gegen die "göttliche Verfassung der Kirche" gewesen. Weiters wirft man den Frauen ein "gravierendes Delikt" gegen die Einheit der Kirche vor
Sie seien exkommuniziert worden, weil sie keine Abkehr und Reue über ihr "schwerstes Vergehen" erkennen ließen, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, Kardinal Joseph Ratzinger, am 5. 8. 2002 in einer Presseerklärung. Ratzinger hatte die Weihe zuvor als einen "Affront gegen die Würde der Frau" bezeichnet, denn Frauen hätten eine genau bestimmte Rolle in der Kirche. Ein von der katholischen Kirche nicht anerkannter argentinischer Bischof hatte die Frauen aus Deutschland und den USA auf einem Donauschiff geweiht. Daraufhin hatte der Vatikan ihnen eine Frist von 12 Tagen gesetzt, um zu widerrufen.[5. August 2002]
Mummenschanz auf der Donau Auf einem Donauschiff östlich von Passau (Bayern) ist am 29. 6. 2002 die seit Wochen heftig diskutierte und kirchenrechtlich unerlaubte Weihe von sieben katholischen Priesterinnen über die Bühne gegangen. Die Weihe fand im Rahmen einer Messe nach katholischem Ritus statt und wurde von drei nicht anerkannten Bischöfen zelebriert.
Die "MS Passau" hatte kurz nach 9.00 Uhr morgens von Passau abgelegt. An Bord befanden sich an die 200 Gäste, die einen Unkostenbeitrag von 100 Euro geleistet haben. Unter den Weihe-Empfängerinnen befanden sich Frauen aus der BRD, Österreich und der USA. An der Feier teilgenommen hat sinniger Weise auch eine rechtmäßig geweihte Prieseterin der altkatholische Kirche (eine neuere Abspaltung vom Katholizismus wegen des Unfehlbarkeitsdogmas des Papstes).
Seitens der Amtskirche wird die Weihe strikt abgelehnt. Ein Sprecher der Erzdiözese München-Freising hatte im Vorfeld betont, der Schritt ziehe als "Tatstrafe nach dem Kirchenrecht" automatisch die Exkommunikation nach sich. Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern betonte am Samstag, dass die so genannte "Weihe" der Frauen "nach dem geltenden Kirchenrecht ungültig ist". Die Initiatorinnen und Initiatoren dieses Aktes würden sich "außerhalb der Kirche stellen".
Gefüge. Zu bedauern seien "derartige Aktionen" aber auch deshalb, "weil sie das Bemühen um eine bessere Anerkennung der Frauen in der Kirche und ihre wirkliche Gleichberechtigung nicht fördern, sondern eher behindern". Der Bischof der Diözese St. Pölten (Niederösterreich), Kurt Krenn, der am gleichen Tag selbst drei Priester weihte, sprach von einem "Ärgernis in unserem Land". Bischof Krenn betonte weiters, eine Weihe solcher Art sei "immer und absolut ungültig und nichtig". Sie sei unerlaubt und bringe den Ausschluß der Schuldigen aus der Kirche mit sich. Wer mit diesen gemeinsame Sache mache, schließe sich aus dem Gefüge der Kirche aus.
Die Pressestelle der österreichischen Bischofskonferenz erinnerte an die bei der jüngsten Vollversammlung der Bischöfe in Mariazell veröffentlichte "Klarstellung zur 'Frauenweihe". Dort heißt es: "Eine solche vorgetäuschte Weihehandlung ist ungültig". Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, ergänzte, es habe sich weder um eine Weihe noch um eine Messfeier gehandelt. Die "vorgetäuschte Weihehandlung" sei ungültig. Der "Hauptzelebrant" sei ein selbsternannter Bischof gewesen, der zur Gruppe der sogenannten Wanderbischöfe (episcopi vagantes) gehört. Diese "selbsternannten" Bischöfe hätten "keinerlei Verbindung zu einer der historischen Kirchen, keinen Auftrag und keine Gemeinden".
Das Fest Peter und Paul, der traditionelle Tag der Priesterweihen, war am 29. 6. auch Anlass für die Weihe von insgesamt elf echten katholischen Priestern in Wien, St. Pölten, Salzburg und Klagenfurt. Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn konnte im Stephansdom vier Neupriester weihen. Drei Kandidaten wurden in St. Pölten geweiht, je zwei Kandidaten in Salzburg und Klagenfurt.
Bereits Mitte Juni hatte der Linzer Bischof Maximilian Aichern ein Bischofswort verlesen lassen, in dem erklärt wurde, die Weihe von Frauen zu Priesterinnen sei "ein grundsätzlicher Bruch mit der Kirche". Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte im Vorfeld von einem "Mummenschanz" gesprochen.Die Weihe mit 300 Teilnehmern zelebrierte Braschi gemeinsam mit einem Österreicher und einem tschechischen Kollegen.
[30. Juni 2002]