Widerstand gegen Augartenverbauung durch Kultusgemeinde

Nach Wunsch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien soll eine weitere Grünfläche in Wien gerodet und umgewidmet werden. Es wird gefordert, als Wiedergutmachung einen Sportplatz mit unterirdischer Betonhalle für den Verein Hakoah mitten im Augarten im zweiten Wiener Gemeindebezirk zu errichten, obwohl der Verein dort nie einen Sportplatz hatte. Im Vertrag über die Entschädigungslösung zwischen Österreich, den USA und jüdischen Opfer - Organisationen über in der NS-Zeit enteignetes jüdisches Vermögen wurde auf die Hakoah eingegangen: Der Sportplatz soll ein Areal erhalten. Die gesamte Infrastruktur mit dem Herzstück, dem gepachteten Grundstück im Prater, war 1938 enteignet worden. 

Jetzt formiert sich in Wien der Widerstand gegen die Verbauung jener grünen Fläche, bei Anrainern und bei fast allen Parteien. Der Plan der Kultusgemeinde, den Kurt Scholz, Wiener Sonderbeauftragte für Restitution unterstützt, sieht den Bau einer unterirdischen Sporthalle vor, darüber soll der Sportplatz errichtet werden, daneben sind ein Restaurant und Einrichtungen des Vereins geplant. 

Doch immer mehr Politiker sprechen sich dagegen aus. So lehnt ÖVP-Landesvorsitzender von wien, Bernhard Görg, Ex-Stadtrat für Stadtplanung, den Augarten-Standort vehement ab. "Wir stimmen nicht zu." Er ist für ein anderes Grundstück: "Die Hakoah war im Prater, dort soll sie wieder hin." Ihr altes Grundstück, heute im Besitz der Stadtwerke und des Finanzministeriums, solle zurückgegeben werden. Bei den Grünen setzt sich Christoph Chorherr für den Prater ein - und gegen den Augarten. Auch die FPÖ lehnt den Augarten ab. Bei der Wiener SPÖ will man in der Angelegenheit einen Kompromiß erreichen. Allerdings ist auch dort von zahlreichen Kritikern der Augarten-Verbauung zu hören. 

Der Streit um den Standort für den Sportplatz des jüdischen Vereins Hakoah geht weiter. Denn für Ariel Muzicant, Präsident der IKG, sind Alternativangebote "unbrauchbar". Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) bekräftigte am 29. 11. 2001, daß für ihn einzig der Augarten in Leopoldstadt in Frage komme. Und das trotz des Widerstands von Anrainern und der Rathaus-Opposition von FPÖ, ÖVP und Teilen der Grünen. Im Büro von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hieß es, daß der Standort Augarten weiter nicht vom Tisch sei. Die Chancen für eine Umsetzung stünden aber nur bei 40:60.

Muzicant betonte, daß sich seine Position nicht geändert habe. Alternativstandorte im Prater seien von einer gemeinsamen Kommission der IKG und der Stadt Wien schon vor längerer Zeit geprüft und für unbrauchbar erklärt worden. 

Auch das von den Grünen vorgeschlagene Nordbahnhofgelände in der Leopoldstadt lehnt Muzicant ab: Das Projekt sei an diesem Standort noch längere Zeit nicht realisierbar. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sei der Augarten die einzige Möglichkeit: Der Sportplatz sei finanziell nur durch eine Nutzung durch die jüdischen Schulen der Umgebung überlebensfähig. Außerdem würden auch Sicherheitsgründe für die Nähe zwischen Sportstätten und Schulen sprechen.

[3. Dezember 2001]

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