Kardinal von Wien traf Präsident Khatami in Theheran

Der Iran sei offensichtlich zum Dialog mit anderen Kulturen und Religionen bereit. Dieser Meinung ist der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Ende seines fünftägigen Besuchs im Iran. Es sei sicher "nicht selbstverständlich", daß die beiden höchsten staatlichen und religiösen Autoritäten des Landes, der iranische Staatspräsident Mohammed Khatami und Ayatollah Ali Khamenei, einen katholischen Bischof empfangen, so Schönborn. Er sehe darin ein "Zeichen für den Willen, das zu verwirklichen, was sich Präsident Khatami als Programm vorgenommen hat: den Dialog der Kulturen, der auch ein Dialog der Religionen ist." Kardinal Christoph Schönborn zog am 23. 2. 2001 bei einem Pressegespräch im Club Stephansdom eine durchwegs positive Bilanz seiner Iran-Reise. Es habe sich bestätigt, daß ein Dialog mit der islamischen Geistlichkeit im Iran nur über den "behutsamen Weg ganz persönlichen Kontakts, ja der Freundschaft" gelingen könne. Schönborn nannte auch den 


Kardinal Schönborn und Präsident Khatami in Theheran

Grund für den harmonischen Ablauf seiner Visite in Teheran: Politische Angelegenheiten sparte er von vornherein aus. So spielten sich seine Gespräche mit Irans Staatspräsident Mohammed Khatami und dem Obersten Religiösen Führer, Ayatollah Khamenei, überwiegend auf einer religiösen Ebene ab. Doch auch hier kamen zwangsläufig brisante Themen zur Sprache: Mit Khamenei debattierte Schönborn etwa das Verhältnis zwischen Freiheit und religiösen Normen. Bei dieser Gelegenheit habe der Ayatollah den Kardinal aufgefordert, doch auch in Österreich mehr gegen die Permissivität, den Werteverfall, zu unternehmen. Er, Schönborn, habe entgegnet, daß Religion überzeugen müsse. Und er habe auf das österreichische Modell der freien Kooperation zwischen Kirche und Staat verwiesen. "Im Iran wird es sicher eine Auseinandersetzung über das Verhältnis zwischen Religion und Politik geben müssen", sagte der Kardinal in Wien. Auch der Papst bemüht sich um eine Annäherung an den Iran. Im März wird der Außenminister des Vatikan, Erzbischof Tauran, nach Teheran reisen.

[23. Februar 2001]


 
Präsident Arafat bedankte sich bei Verteidigungsminister

Am 23. 2. 2001 traf Präsident J. Arafat in der Hofburg mit Bundespräsident Thomas Klestil zusammen. Zuvor bedankte sich Arafat noch bei Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ)  für die Behandlung verwundeter palästinensischer Jugendlicher in Krankenhäusern des österreichischen Bundesheeres.

Wirklich helfen kann die EU den Palästinensern wohl nur finanziell, die ökonomische Katastrophe in den Palästinensergebieten wegen der israelischen Abriegelung war dementsprechend eines der Hauptthemen der palästinensischen Besucher. "Hundert Millionen Dollar von Steuermitteln, die uns gehören" würden von Israel zurückgehalten. Schüssel versicherte, die EU werde helfen, die "dramatischen wirtschaftlichen Probleme" zu mildern.


Verteidigungsminister H. Scheibner (l), J. Arafat und ein verletzter Jugendlicher aus Palästina, der in Österreich behandelt wurde. 

Dem Bundespräsidenten und Verteidigungsminister Herbert Scheibner stattete Arafat "persönlichen Dank" für die Behandlung palästinensischer Kinder in österreichischen Heeresspitälern ab, die von israelischen Scharfschützen durch Schüsse verletzt wurden. Eine Spezialität dabei waren durch Gummi-ummantelte Geschoße verletzte Augen. 

Am Abend des 22. 2. 2001 traf sich Präsident J. Arafat mit Bundeskanzler W. Schüssel (ÖVP) zu Gesprächen in Wien. .


Bundeskanzler Schüssel und Präsident Arafat am 22. 2. in Wien

Den Opernball besuchte anschließend nur der Bundeskanzler, für Arafat stand er nicht auf dem Programm.Das wäre auch wenig passend, angesichts der Welle der Gewalt in den Palästinensergebieten. 

Die besondere Beziehung Österreichs zu Arafat, dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO geht auf die 70er-Jahre zurück. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky war eine Art Vorkämpfer für die Anerkennung der PLO als legitime Vertretung des palästinensischen Volkes. 1975 kam es zum ersten Treffen Kreiskys mit Arafat. 1977 errichtete die PLO ein Büro bei den in Wien ansässigen internationalen Organisationen. 1979 empfing dann Kreisky als erster westlicher Regierungschef Arafat - trotz scharfer Proteste Israels.

Said Kamal, der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga, lobt denn auch heute noch Wiens Position im Palästina - Konflikt. Zum "Standard" sagte er: "Wir sind beunruhigt über die Haltung mancher EU-Staaten. Doch Österreich und Italien gehörten zu den ersten, die den Palästinensern ihre Unterstützung zukommen ließen." Kamal weiter: "Wir hoffen daher, daß sie eine aktive Rolle in der EU übernehmen." Zum künftigen israelischen Premierminister befragt, sagt Kamal: "Die Arabische Liga verhandelt nicht mit Sharon." Eine Rechts-Regierung bedeute "ernsthafte Gefahren für die Palästinenser". 

[23. Februar 2001]


 
Traditionelle Opernballdemonstration in Wien

Am 22. 2. 2001 gab es in Wien wieder die traditionelle Demonstration der Linksradikalen gegen den Opernball. Da es den Demonstranten wegen der Polizeiabsperrungen nicht gelang, in die Nähe der Oper zu kommen, tobten sie sich in den angrenzenden Bezirken aus. Gegen 21 Uhr begann die Polizei die Demonstranten von der Oper weg bis zum Schwarzenbergplatz abzudrängen. Zuvor war es zu mehreren gewalttätigen Zwischenfällen gekommen. Im Bereich Schwarzenbergplatz / Kärntner Ring, wo die Absperrung der Polizei begann, flogen Pflastersteine und Farbbeutel. Dabei wurden mehrere abgestellte Fahrzeuge beschädigt. Auch die Auslagenscheibe einer Bank ging zu Bruch. Nur rund 500 bis 600 Demonstranten, so die Schätzungen der Polizei, nahmen an der Kundgebung teil. 
Die Demonstranten trugen Fahnen mit Totenkopf sowie den Abbildungen von Hammer und Sichel mit. Mit Trillerpfeifen veranstalteten sie einen Höllenlärm. Dafür gab es Transparente mit Aufschriften wie "United Aliens against FPÖVP", "Ausländer irrational statt international", "Drogen - ich bin selbst süchtig", "Lesben kennen keine Gnade" oder "Der einzige Ausweg ist der Sozialismus". 


Ein Trupp, geleitet offenbar von jungen maskierten Bundesdeutschen, zog die Mariahilfer Straße hinauf, schlug Auslagenscheiben ein, trat gegen Autos, riß Seitenspiegel herunter und zündete Mülltonnen an. Die Polizei holte Wasserwerfer und rückte nach. Die Demonstranten trugen Fahnen mit Totenkopf sowie den Abbildungen von Hammer und Sichel mit. Mit Trillerpfeifen veranstalteten sie einen Höllenlärm. Etliche Kundgebungsteilnehmer, Wiener, wandten sich gegen die Randalierer, sprachen sie an und erklärten, sie würden Gewalttätigkeiten ablehnen. Doch die Bundesdeutschen ließen sich davon nicht beeindrucken und erklärten ihre Beteiligung als "Abenteuerurlaub". Angesichts des enormen Polizeiaufgebots, das von Polizeigeneral Franz Schnabl höchstpersönlich kommandiert wurde, hatten Extremisten jedoch keine Chance. Gegen 23 Uhr war der Spuk größtenteils vorbei. Die Demonstranten waren von den Straßen verschwunden. Die Polizei zog eine erste Bilanz: 17 Beamte wurden verletzt, einer davon schwer. 42 Demonstranten wurden festgenommen. Nach einer - weiter vorläufigen Polizei-Bilanz - wurden sechs private Pkw beschädigt, außerdem gingen etliche Auslagenscheiben zu Bruch.Unbestätigten Meldungen zufolge soll sich auch die Abgeordnete der Grünen Madeleine Petrovic an der Demonstration der Linksradikalen beteiligt haben. Die Höhe des Sachschadens ließ sich noch nicht beziffern. In den kommenden Tagen wird die Polizei ihre Videos sichten, die bei der Demonstration gemacht wurden: Möglicherweise können auch so noch Gewalttäter identifiziert werden. 

Der Opernball mit rund 5.000 Gästen ist der jährliche Höhepunkt der Wiener Ballsaison.  An dem Ball nahm unter anderem Bundespräsident Thomas Klestil teil, Gast in seiner Loge war der kroatische Präsident Stipe Mesic. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hatte sich ebenso angekündigt wie Vizekanzlerin Riess-Passer und zahlreiche Minister. Als bezahlter Gast des Bauunternehmers Richard  Lugner und seiner Frau Christine kam die amerikanische Schauspielerin Farah Fawcett, die vor allem mit der Fernsehserie «Drei Engel für Charlie» berühmt wurde.

[22. Februar 2001]

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