Walküre-Aufführung verboten

Werke von Schumann und Strawinsky ersetzen nach langer Debatte Wagners "Walküre" beim Gastspiel der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim am 7. Juli 2001 in Jerusalem.  Nach wochenlangem Hin und Her wird die Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim nun doch nicht den ersten Akt aus Richard Wagners "Walküre" beim in Jerusalem stattfindenden "Israel-Festival" spielen. Dies entschied jetzt die Leitung des Festivals - in Absprache mit Barenboim, wie betont wird. Kompositionen von Strawinsky und Schumann werden anstelle von Wagner erklingen. Die Festspielleitung reagiert mit dieser Entscheidung auf eine Reihe von Appellen privater und öffentlicher Personen. So gab es bereits vor gut einem Monat eine Mehrheitsentscheidung in der Knesset, den Organisatoren vom geplanten Konzert dringend abzuraten. 

Staatspräsident Mosche Katzaw und Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert schlossen sich diesem Appell an, der den Empfindlichkeiten von Holocaust-Überlebenden entgegenkommen soll. Die Festspielleitung hatte bislang dagegen gehalten, daß selbst Holocaust-Überlebende die Entscheidung für das Wagner-Konzert mitgetragen hätten. In der Kontroverse war wiederholt das Argument aufgekommen, daß die Todesopfer von Auschwitz auf dem Weg in die Gaskammer Werke von Wagner anhören mußten, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Außer ihm waren in den frühen Jahren nach dem Krieg noch eine Reihe anderer deutscher Komponisten in Israel verboten gewesen. Der Bann gegen Wagner hält sich jedoch am beständigsten. Allerdings wäre dies nicht das erste Wagner-Konzert in Israel gewesen. Bereits im vergangenen Jahr hatte etwa das städtische Orchester von Rishon Le-Zion Wagner gespielt. 

[31. Mai 2001]


 
Verbot der Aufführung von Walküre gefordert

Der Streit über die Aufführung der Wagner-Oper "Die Walküre" hat am 2. 5. 2001 das israelische Parlament beschäftigt. In der Sondersitzung nannte es der Abgeordnete der Schahs-Partei, Schaul Jahalom, eine Realsatire, daß beim Israel-Festival am 7. Juli die Oper eines Mannes aufgeführt werde, der ein Stichwortgeber Adolf Hitlers gewesen sei. Festival-Direktor Jossi Tal-Gan hingegen sagte, Israel und die Israelis erhöben sich siegreich über die Antisemiten der Welt, wenn "Die Walküre" in Israel mit einem deutschen Orchester unter einem jüdischen Dirigenten, der Berliner Staatskapelle und Daniel Barenboim, aufgeführt werde.

Mit der Aufnahme in das Programm des Jerusalemer Festivals sei Wagner ein Ehrenplatz verschafft worden, sagte Jahalom. "Hat es in der Geschichte Israels je eine schmerzhaftere Satire gegeben? Wer ist Wagner? Als Adolf Hitler - möge die Erinnerung an ihn ausgelöscht werden - einmal gefragt wurde, wer sein geistiger Vater gewesen sei, sagte er 'Richard Wagner'." Wagner verwendete in seinen Opern Stoff aus den germanischen Götter- und Heldensagen lange vor dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Sie errangen wie seine politischen Schriften die Bewunderung Hitlers.

Tal-Gan sagte über die Aufführung, an der auch der italienische Tenor Placido Domingo mitwirkt, ausschlaggebend sei allein die künstlerische Qualität. Der Festival-Beirat, dem auch Überlebende des Holocausts angehörten, habe es sich nicht leicht gemacht, doch schließlich mit zehn zu zwei Stimmen für die Wagner-Oper gestimmt. "Wer Wagner hören will, kann sich mit seinem Geld dafür entscheiden." So sei das in einem demokratischen Land, in dem die Meinung und die Kunst frei seien. Nicht wenige Israelis seien im übrigen der Meinung, daß es letztendlich ein Sieg über "alle Antisemiten dieser Welt" und der Mörder von sechs Millionen Juden sei, wenn in Israel Wagner gespielt werde.

Als die Israelische Philharmonie einmal ein Wagner-Stück als Zugabe spielte, wurde das Orchester niedergepfiffen. Doch die Überlebenden des Holocaust werden immer weniger, und das Wagner-Tabu weicht - jedoch nicht ganz. Im Oktober vergangenen Jahres lärmte ein Überlebender der Judenmorde mit einer Rassel, als das israelische Symphonie-Orchester "Rishon Lezion" das Siegfried-Idyll Wagners spielte.

[2. Mai 2001]


 
Wagner - Konzert in Tel-Aviv

Gegen den Willen von Holocaust - Überlebenden wurde in Tel Aviv  am 27. Oktober 2000 erstmals ein Konzert mit Musik von Richard Wagner aufgeführt. Das Oberste Gericht in Jerusalem bestätigte am 26. 10. das Urteil eines Bezirksgerichtes, das zwei Tage zuvor eine Klage von Holocaust - Überlebenden gegen das Konzert abgewiesen hatte. Die Kläger hatten vor dem Obersten Gericht Berufung eingelegt. Auch das Simon - Wiesenthal - Zentrum sprach sich gegen das Konzert aus, bei  dem das Symphonieorchester Rischon Letzion Wagners Siegfried - Idyll spielten. 

Seit der Gründung des jüdischen Staates 1948 stand die Musik von Richard Wagner ein halbes Jahrhundert lang auf dem Index verbotener Musik der israelischen Orchester. Das Israelische Philharmonische Orchester wollte bereits 1991 ein Stück  Wagners spielen, scheiterte damit aber an den heftigen Protesten von Konzertabonnenten. Die Aufführung eines Ausschnitts aus «Tristan und Isolde» in Form einer nicht angekündigten Zugabe mußte 1981 abgebrochen werden, nachdem ein Holocaust - Überlebender auf die Bühne gesprungen war. Wagner komponierte das Siegfried-Idyll für seine Frau nach der Geburt ihres Sohns Siegfried 1869.


Ein  Holocaustüberlebender  versucht,  das 
Konzert  mit  einer  Handratsche  zu stören.

[26. Oktober 2000]

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