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(...)
Alle diese Entwicklungen sind auf einen im Grunde sehr einfachen Sachverhalt zurückzuführen: Die heute weltweit und besonders auch in Deutschland herrschende politische Klasse hängt einem überholten Fortschrittsbegriff an, der so lange praktikabel war, wie die natürlichen Lebensgrundlagen - Luft, Wasser, Böden, Flora und Fauna - noch unerschöpflich und die völkisch-kulturellen Strukturen noch nicht existentiell gefährdet, also im gewissen Sinne ebenfalls unerschöpflich schienen. Heute ist dies nicht mehr der Fall, denn sämtliche natürlichen und kulturellen Lebensgrundlagen sind aufs Äußerste gefährdet. Die maßgeblichen politischen Kreise und Interessengruppen, insbesondere auch die Vertreter des Finanzkapitals, erachten aber im Rahmen ihrer politischen Anschauungen und ihrer Interessenlagen genau diese gefährdeten Strukturen nicht etwa als Werte, die des Schutzes bedürfen, sondern eher als Unwerte oder Nicht-Werte, die zur beliebigen Disposition stehen und bei Konflikten mit den Interessen des Kapitals immer zurückzustehen haben. Dies gilt für die Umweltbelange - trotz eines zur Schau getragenen „Umweltbewußtseins“ und trotz vieler Alibimaßnahmen. Es gilt aber in noch stärkerem Maße für die kulturellen und sozialen Belange. Denn diese könnten aufgrund der naturgesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen völkisch-kultureller Strukturen, wie oben ausgeführt, nur im Rahmen einer völkisch-nationalen, an Land und Volk orientierten Politik vertreten werden. Da aber genau diese Orientierung ein absolutes Tabu für die heute herrschende politische Klasse ist, und zwar für alle ihre Schattierungen und Fraktionen, scheint eine Neuorientierung aus dem heutigen politischen System heraus gänzlich unmöglich. Ja, in dieser Situation ist es in der Tat offensichtlich geworden, daß eine wirksame Opposition gegen die Globalisierungsbestrebungen nur auf der Grundlage einer völkisch-nationalen Anschauung möglich ist. Dies ergibt sich auch direkt aus dem Umstand, daß „global“ im politischen Kontext das Gegenteil von „national“ ist, so daß ein Verzicht auf das Globalisierungskonzept automatisch zu einer Hinwendung zu nationalen Konzepten führen muß. Hier liegt für die kommende politische Entwicklung eine Zwangsläufigkeit vor, die viele Zeitgenossen noch nicht erkannt haben oder nicht erkennen wollen, die sie aber in nächster Zukunft mit Sicherheit werden zur Kenntnis nehmen müssen. Im Rahmen der wirtschaftspolitischen Diskussion innerhalb der Nationaldemokratie
ist in diesem Zusammenhang der Begriff der raumorientierten Volkswirtschaft
entstanden. Er geht von dem Standpunkt aus, daß eine Volkswirtschaft
oder die Wirtschaft einer Region nicht nur die Aufgabe hat, innerhalb des
betreffenden Gebietes die „Vollbeschäftigung“ zu garantieren, sondern
vielmehr als integralen Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens
im Raum anzusehen ist und dementsprechende Aufgaben zu erfüllen hat.
Denn die Wirtschaft bestimmt das Spektrum der beruflichen, sozialen und
kulturellen Kompetenzen, die Einkommensverteilung, das Bildungswesen, Sitten
und Bräuche, Denkgewohnheiten, und vor allem ist sie es, die dem Menschen
ermöglicht, durch Arbeit seine Persönlichkeit zu entwickeln,
seine Kreativität und seine besonderen Fähigkeiten zu entfalten,
Teil einer Leistungsgemeinschaft zu werden. Dann ist es aber nicht in Ordnung,
wenn diese nationale oder regionale Wirtschaft ausschließlich oder
hauptsächlich nach unternehmensstrategischen Überlegungen in
fernen Konzernzentralen ausgerichtet und gestaltet wird. Ebenso wenig akzeptabel
ist es, wenn einem Wirtschaftsraum zum überwiegenden Teil zusammenhanglose
Zulieferaufgaben für alle möglichen fremden Märkte im Rahmen
der überregionalen oder internationalen Markt- und Standortstrukturen
zugewiesen werden. Denn abgesehen davon, daß die daraus resultierende
Einseitigkeit der Wirtschaft aus sozialen, kulturellen und umweltmäßigen
Gründen abzulehnen ist, muß davon ausgegangen werden, daß
sie höchstens in einer bestimmten vorübergehenden Konjunkturlage
für Vollbeschäftigung sorgen kann und anschließend den
Wirtschaftsraum zu einer „strukturellen Problemregion“ werden lassen könnte.
I. Grundgedanken zur raumorientierten Volkswirtschaft
II. Thesen zur raumorientierten Volkswirtschaft:
2. Die Wirtschaftsräume sollen eine organische, ineinander verschachtelte Hierarchie bilden, gleichsam der konzentrischen Jahresringe eines Baumes, in welcher jede neue Schicht jene Elemente zum Ganzen hinzufügt, welche die inneren nicht abdecken können. Würde man diese natürliche Struktur aufgeben, so wie die Globalisierungspolitik es will, so wäre die Folge eine Zersetzung des fruchtbaren und lebensnotwendigen Beziehungsdreiecks Arbeit-Kultur-Umwelt sowie jeder geographisch-kulturell bestimmten Lebens- und Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Wirtschaftsgeschehens. Übrig bliebe dann nur ein wirtschaftlicher Steinbruch, in dem sich das internationale Finanzkapital gemäß dem „Gesetz der komparatiblen Kostenvorteile“ produktionsfaktorenbedingte Monokulturen heraushauen würde, um sie anschließend nach Belieben ausbeuten und erpressen zu können. - Genau dieses unerfreuliche Szenario entspricht der heutigen Tendenz im Rahmen der wirtschaftlichen „Globalisierung“. 3. Die Märkte sind jene nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage
in gewissen Grenzen selbstregulierenden Systeme, die notwendig sind, um
den wirtschaftlichen Austausch herbeizuführen. Sie stellen gewissermaßen
die Kräfte dar, etwa Angebot und Nachfrage, Preise, Zinsniveau etc.,
durch welche der Wirtschaftskreislauf innerhalb der Wirtschaftsräume
angetrieben wird. Sie haben damit in erster Linie eine dienende Funktion.
Sie können und müssen zwar als Teil eines langfristigen evolutionären
Geschehens auch dazu beitragen, die Wirtschaftsräume anzupassen und
zu verändern, sie dürfen diese aber nicht zersetzen und dem völkisch-ökologischen
Lebensraum entfremden.
4. Der Staat hat die Aufgabe, die Integrität seines Staatsvolkes
und dessen Lebensräume zu schützen. Dazu gehören die Gestaltung
und der Schutz der Wirtschaftsräume und Märkte. Insbesondere
obliegt es der staatlichen Wirtschafts- und Raumordnungspolitik, die Wirtschaftsräume
nach Maßgabe der völkisch-kulturell-ökologischen Lebensräume
zu gestalten, während die Finanz-, Steuer-, Kredit- und Währungspolitik
für funktionsfähige Märkte verantwortlich ist. Zum Schutz
der Wirtschaftsräume und der Märkte sind staatliche Rahmenbedingungen
in Form einer raumorientierten Marktordnung im Inneren und eines angemessenen
Außenschutzes nach außen erforderlich.
5. Die durchwachsene, lebensnahe, humane, ökologisch und kulturell
verträgliche Wirtschaftsstruktur, welche das Ziel einer raumorientierten
Volkswirtschaftsordnung ist, setzt sich aus den oben genannten Elementen
zusammen. Sie entspricht der Aufgabe jeder verantwortungsbewußten
Politik, den inneren Zusammenhang zwischen Einzelmensch, Sippe und Volk
einerseits und Mensch und Umwelt andererseits, oder kürzer: zwischen
Mensch und Schöpfung, zu bewahren.
6. Eine moderne Technologiepolitik wird durch die raumorientierte Volkswirtschaftsordnung
nicht etwa behindert, sondern gefördert. Denn erstens hängen
die schöpferischen Fähigkeiten der Menschheit grundsätzlich
nicht von der Zusammenballung aller Potentiale, sondern von der Vielfalt
der völkischen und kulturellen Nischen ab. - Beispiel: Während
die Amerikaner in den dreißiger Jahren mit immensem Aufwand versuchten,
ihre geballte mechanische Rechenmaschinentechnik über Relaisschaltungen
zu intelligenten Rechensystemen zu integrieren, gelang es dem deutschen
Flugzeugingenieur Konrad Zuse auf der Grundlage deutschen Erfindungsgeistes
und deutscher Ingenieurstradition mit wenigen Helfern und geringen Kosten
den weltweit ersten programmgesteuerten, speicherprogrammierbaren
modernen Rechner (Computer) in gänzlich eigener Relaislogik zu bauen.
- Zweitens begünstigt die weit fortgeschrittene moderne Technik in
hohem Maße gerade die dezentralen innovativen Entwicklungsbestrebungen.
Dies gilt für Entwicklungen im Bereich der regenerativen Energien
genau so wie für die Biotechnik, die Entwicklung von elektronischen
Schaltungen, Software und vieles mehr. Die kleine, zurückgezogen,
häufig im ländlichen Raum lebende und arbeitende Entwicklungsgemeinschaft
ist in vielen Bereichen geradezu zum Prototypen für den technischen
Fortschritt geworden. Wenn sich dieses „Entwicklungsbiotop“ inmitten einer
wirtschaftlich, handwerklich und technisch durchwachsenen, vielseitigen
Region befindet, findet es ein geradezu ideales Umfeld vor und erhält
die für schöpferische, innovative Tätigkeiten wertvollsten
Impulse aus entsprechenden fachlichen wie sozialen Querverbindungen.
7. Die raumorientierte Dezentralisierung der Wirtschaft muß mit
einer entsprechenden breiten Streuung der unternehmerischen Initiative
sowie des Eigentums am Produktivvermögen einhergehen.
8. Das kapitalistische Gewinnprinzip ist der Hauptgegenstand nationaler
Kapitalismuskritik, und zwar wegen seiner Pervertierung zu einem reinen
Vehikel des schrankenlosen Verdrängungswettbewerbs und seiner dadurch
bedingten beschleunigenden Wirkung auf den wirtschaftlichen Konzentrationsprozeß
und die Globalisierung. Im Laufe der Entwicklung zur raumorientierten Volkswirtschaftsordnung
wird dieses Prinzip einem fundamentalen Wandel unterworfen werden, im Zuge
dessen es auf seinen eigentlichen, volkswirtschaftlich vertretbaren Sinn
und Zweck zurückgeführt werden soll.
Heute nimmt die Akkumulation von Gewinnen in den großen Kapitalgesellschaften, besonders in den internationalen bzw. nicht-nationalen Konzernen und den mit ihnen verbandelten Finanzgruppen in einem atemberaubenden Tempo zu. Das hat für die Volkswirtschaften vor allem folgende schwerwiegende Konsequenzen: - Erstens dienen die akkumulierten Gewinne immer weniger der Finanzierung von besonderen wirtschaftlichen Kraftanstrengungen zum Wohle der Volkswirtschaften, dafür um so mehr dem Aufbau internationaler Industrieimperien durch Fusionen und Übernahmen, der Erzielung weiterer Gewinne durch internationale Spekulationsgeschäfte und schließlich der schlichten wirtschaftlichen und politischen Machtausübung. - Zweitens zieht jedes Unternehmen, das Gewinne kumuliert, grundsätzlich
mehr Kaufkraft aus der Volkswirtschaft heraus, als es in diese über
die Kosten für die Produktionsfaktoren (Löhne etc.) wieder hineinpumpt.
Deswegen beruht das heutige kapitalistische Gewinnprinzip, wonach nur profitträchtige
Unternehmen überhaupt noch eine Existenzberechtigung haben, auf einer
geradezu absurden mathematisch-logischen Ungereimtheit, einem fatalen Paradox,
das einen mörderischen Verdrängungswettbewerb nach sich zieht,
der die gesamte gewachsene Vielfalt der Wirtschaft vernichtet, und den
nur wenige Konzerne überleben werden. Denn die „Gewinner“ sind dazu
verdammt, laufend neue Gewinne zu erzielen. Das zwingt sie zunächst
dazu, Faktorkosten, das heißt in erster Linie Arbeitskosten abzubauen,
wodurch sie ihre Bindung zum umliegenden Wirtschaftsraum immer mehr lösen.
Denn sie geben immer weniger Menschen aus diesem Raum Arbeit, und sie arbeiten,
zugunsten von raumfremden, häufig ausländischen Billiganbietern,
immer weniger mit heimischen Zulieferern und Dienstleistern zusammen. Sie
tragen also immer weniger dazu bei, im eigenen Raum und im eigenen Land
Kaufkraft zu erzeugen. Trotzdem müssen sie, um auf die Dauer Gewinne
erzielen zu können, noch mehr von der vorhandenen Kaufkraft für
sich und ihre Produkte beanspruchen, das heißt sie müssen neue
Marktanteile hinzubekommen. Diese können zwar zum Teil durch „Wachstum“
entstehen. Da aber zumindest ein mengenmäßiges Wirtschaftswachstum
mittelfristig weder zu erwarten noch zu wünschen ist, müssen
die neuen Marktanteile in den meisten „konventionellen“ Branchen im wesentlichen
von schwächeren Konkurrenzunternehmen übernommen werden. Von
diesen Unternehmen werden dadurch viele in den Ruin getrieben oder durch
Übernahme auf kaltem Wege liquidiert. Dann können zusätzliche
Marktanteile, die für weitere Gewinne erforderlich sind, nur wieder
anderen, noch existierenden Konkurrenzunternehmen abgenommen werden. Das
führt wiederum zu deren Vernichtung u.s.w.
Genau dieser verhängnisvollen Entwicklung ist es, der das Konzept der raumorientierten Volkswirtschaft entgegenwirken will und wird. In der raumorientierten Wirtschaftsordnung, die sich die Nationaldemokratie zum Ziel gesetzt hat, werden die Unternehmensgewinne nicht mehr ein Mittel zur volksfremden Beherrschung, Gleichschaltung und Globalisierung der Wirtschaft sein. Nein, sie werden vielmehr die Aufgabe haben, eine vorübergehende Konzentration von Wirtschaftskräften auf jene besonderen Vorhaben und Projekte herbeizuführen, die im Interesse von Land und Volk wichtig oder gar unentbehrlich, jedoch ohne diese vorübergehende Kraftanstrengung nicht möglich sind. Dazu gehören zum Beispiel viele Aufgaben in den Bereichen Umwelt, Energie, Kommunikation und Verkehr. Die Bündelung von Finanzmitteln ist verstärkt an volkswirtschaftlich sinnvolle Ziele zu knüpfen, während bei Erreichung oder Wegfall dieser Ziele die Entbündelung begünstigt werden muß. Hierfür müssen neue gesetzliche Rahmenbedingungen in den Bereichen Marktordnung, Wirtschaft und Finanzen geschaffen werden. An den entsprechenden programmatischen Grundlagen wird innerhalb der Nationaldemokratie intensiv gearbeitet. Dieses, in groben Umrissen beschriebene raumorientierte Konzept bedeutet,
daß ein krebsartig wucherndes, alle natürlichen, gewachsenen
Lebensräume zerstörendes Wirtschaftssystem durch eine Ordnung
ersetzt wird, die die einleitend bereits beschriebene Vielseitigkeit des
Lebens, besonders auch des völkischen und kulturellen Lebens, tatsächlich
gewährleistet. Dabei müssen nationalökonomische heilige
Kühe, wie z.B. das berühmt-berüchtigte „Gesetz der komparatiblen
Kostenvorteile“, wenn nicht gerade geschlachtet werden, so doch deutlich
in den Hintergrund treten und angesichts der kritischen Lage aller natürlichen
und kulturellen Lebensgrundlagen einem mehr systemhaften, biologisch-kybernetischen,
an den Bedürfnissen der Lebensräume orientierten Denken weichen.
(1999) |
| Aus einem Offenen Brief an Richard von Weizsäcker über die
Tabus deutscher Politik
Die Raumorientierte Volkswirtschaft als einzige Alternative zur Globalisierung – eine derzeit tabuisierte, aber für unsere Überlebensfähigkeit notwendige Diskussion (...) - - - - UM WELCHE TABUFRAGEN HANDELT ES SICH DENN IM EINZELNEN? Ich werde im folgenden die wichtigsten nennen - - - Da wäre als erstes die sogenannte Globalisierung zu nennen. Ich gehe davon aus, daß auch Sie, Herr Dr. von Weizsäcker, wie praktisch alle Angehörigen der politischen Klasse, diese erstens für unabwendbar und zweitens auch für erstrebenswert halten, und zwar zur „Überwindung des Nationalstaates“. Daß ein Bundespräsident a.D. den eigenen Staat „überwinden“ will und dies wohl auch während seiner Amtszeit wollte, befremdet mich zwar, ist aber nicht der Punkt, um den es mir hier geht. Nein, im Augenblick geht es mir vielmehr um den Substanzverlust, den die soziokulturelle Gemeinschaft Deutschland und das gewachsene Verbundsystem von Land und Volk durch den politisch aufgezwungenen Prozeß der Globalisierung erleiden. Mir geht es zum Beispiel um die Vernichtung der bäuerlichen Landwirtschaft und die damit einhergehende Agrarindustrialisierung, Zubetonierung oder Verwahrlosung von 50 Prozent der Fläche unseres Landes, um die Zerstörung des Mittelstandes, z.B. durch die Beseitigung der typisch deutschen öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Finanzierungsstrukturen auf Geheiß der EU-Kommission und der OECD bzw. der G10-Finanzbürokratie (Basel II), um den Verfall des deutschen Bauhandwerks durch ausländische Baukolonnen, um die Verbringung ganzer Industriesparten, wie der Textilindustrie, außer Landes und den Rückgang der entsprechenden Produktionsmitteltechnologien (z. B. Textilmaschinen), um die (zugunsten der USA) regierungsamtlich gewollte Mittelmäßigkeit im Bereich vieler Hochtechnologien, um den katastrophalen Rückgang der Familienbetriebe im Bereich des Einzelhandels, der Gastronomie, des Handwerks und um viele andere Entwicklungen dieser Art. Es geht mir aber auch um den Sozialabbau durch die Aufhebung der Sozialpflichtigkeit des Kapitals, um den rapiden Rückgang der volkswirtschaftlichen Verflechtung und Durchwachsenheit durch die Aufhebung der volkswirtschaftlichen Bindung des Kapitals und um die Entnationalisierung und damit zwangsläufig auch Entdemokratisierung des deutschen Wirtschafts- und Arbeitslebens durch die Internationalisierung von immer mehr deutschen Unternehmen, vor allem in der Hochtechnologie, aber auch im Maschinen- und Fahrzeugbau etc. In vielen „deutschen“ Unternehmen ist heute schon Englisch („Amerikanisch“) die gehobene Kommunikationssprache, in der alle ernsthaften Vorgänge abgehandelt werden, während Deutsch zur Küchensprache verkommt. Wie sollen Eltern, die in ihrem Beruf hauptsächlich Englisch benutzen und Deutsch nur noch in den Kaffeepausen sprechen, ihren Kindern die richtige Beziehung zur Muttersprache vermitteln können? Über die Ergebnisse der PISA-Studie brauchen wir uns bei diesem kulturellen Notstand wahrlich nicht zu wundern! Aber die notwendige Kritik an diesen Zuständen, soweit sie radikal, also gründlich formuliert wird, ist leider als „rechtsextremistisch“ verpönt und dementsprechend tabuisiert. Das gilt unbeschadet der Tatsache, daß natürlich immer wieder über Modalitäten, Tempo und „Abfederung“ der Globalisierung gefachsimpelt wird; eine abgehobene, pseudotechnische, mehr oder weniger bewußt verschleiernde Diskussion unter Fachleuten - oder Politikern, die sich dafür halten. Aber die eigentliche politische Diskussion darüber, ob wir diese Entwicklung denn überhaupt wollen, rührt eben an ein Tabu und wird deswegen konsequent ausgeklammert und unterdrückt, besonders in Parteien und Parlamenten, aber mit erstaunlicher Konsequenz auch in den Medien. Die sogenannte „Antiglobalisierungsbewegung“ erfüllt, wie bei dieser Art von außerparlamentarischer Opposition üblich, eine reine Alibifunktion. Es handelt sich um ein demokratisches Feigenblatt, das schon deswegen nicht ernstzunehmen ist, weil die führenden Köpfe und Stichwortgeber i.d.R. enttäuschte pseudolinke Kosmopoliten sind, die nur deswegen gegen die heutige Globalisierung sind, weil sie aus ihrer Sicht nicht die „richtige“ ist – und natürlich weil die Übernahme dieser fadenscheinigen, von den politischen und ökonomischen Strippenziehern schon einkalkulierten Protestlerrolle wieder mal die Gelegenheit und Narrenfreiheit bietet, so richtig schön zu demonstrieren und die Sau rauszulassen. Mit solchen Leuten kommt eine Diskussion über die grundlegende Frage der Globalisierung erst recht nicht zustande. Sie wird sogar durch die vielen schwammigen Scheinalternativen und die nutzlose Vergeudung des Idealismus einiger gutgläubiger Mitläufer generell erschwert, was von den heimlichen Förderern dieser Neuauflage des lifestyleorientierten, buntscheckigen Demonstrationstourismus wahrscheinlich auch beabsichtigt ist. Die entscheidende Frage zur Globalisierung lautet aber: Welches Wirtschaftsprinzip ist der menschlichen Natur im allgemeinen und der heutigen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Situation im besonderen – auf nationaler wie auf globaler Ebene - besser angepaßt, und zwar in der ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Gesamtbilanz: § das Prinzip der räumlich gegliederten, sozial, kulturell und ökologisch geprägten, vielseitigen und durchwachsenen Märkte – also kurz: das raumorientierte Wirtschaftsprinzip – oder § das expansionistische Globalisierungsprinzip mit seinen gleichgeschalteten, kulturell indifferenten Massenmärkten und seinen eher monopolartigen, monokulturellen Produktionsstrukturen? Die Frage stellen heißt sie beantworten. Deswegen kann sie in der öffentlichen Diskussion eben kaum gestellt werden. Weil sich nämlich dann jeder Mitdiskutant aus purem sozialen Selbsterhaltungstrieb sofort distanzieren müßte und sich der Diskussionsleiter aus Sorge um seinen Arbeitsplatz gezwungen sähe, schnell das Thema zu wechseln – ein typischer Tabuisierungseffekt. So kommt natürlich die an sich dringend notwendige öffentliche Diskussion über eine Alternative zur Globalisierung überhaupt nicht zustande, obwohl sich zweifelsohne sehr viele Menschen geistig mit dieser Frage beschäftigen und die tatsächlich existierende Alternative, die oben angesprochene raumorientierte Volkswirtschaft, sich wahrscheinlich schon in naher Zukunft geradezu unvermeidbar aufdrängen wird. Denn unsere sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen werden durch die Globalisierung vernichtet, während eine globale Ordnung an sich niemals eine stabile Lebensgrundlage bieten könnte. Ihr haften schon heute alle Anzeichen der Instabilität und des baldigen Zusammenbruchs an. Ein wichtiger Grund für die Globalisierung ist das vorherrschende Geld-, Zins- und Kapitalsystem und dessen in den neunziger Jahren vollzogene neoliberale und monetaristische Neuausrichtung, bei welcher sowohl die volkswirtschaftliche Bindung als auch die Sozialpflichtigkeit des Kapitals praktisch verloren gegangen ist. Trotz der fundamentalen Bedeutung dieser Entwicklung für unser ganzes gesellschaftliches Leben, hat es so gut wie keine öffentliche Diskussion darüber gegeben, zumindest keine Diskussion, die der politischen Dimension des Themas auch nur annähernd gerecht würde. Es möge in diesem Zusammenhang bitte keiner mit dem abgehobenen Argument kommen, die Materie sei viel zu „komplex“, als daß man darüber eine allgemeinverständliche politische Diskussion führen könnte! Denn es ist den meisten politisch Interessierten durchaus vermittelbar, daß es zwischen den Leistungsreserven der Volkswirtschaft und dem Kapital einen sehr engen Zusammenhang gibt, z.B. zwischen den Arbeitslosen, die ihren Job wegen eines Konsumrückgangs oder eines arbeitsplatzvernichtenden Verdrängungswettbewerbs verloren haben, und dem dabei neu entstandenen Kapital. Denn bei den genannten Vorgängen entsteht in der Tat neues Kapital: beim Konsumrückgang durch die höhere Sparquote, beim Verdrängungswettbewerb durch die Kapitalisierung der dabei entstehenden Gewinne. Dieses Kapital repräsentiert oder symbolisiert in einem ganz bestimmten Sinne die freigestellten Arbeitskräfte und sollte deswegen in einer funktionierenden Volkswirtschaft auf direktem oder indirektem Weg zu Investitionen führen, die letztlich die Reaktivierung der unausgelasteten Kapazitäten nach sich ziehen, nicht hingegen für internationale Spekulationsgeschäfte oder strategische Finanzoperationen im Rahmen des internationalen Verdrängungswettbewerbs sinnlos verheizt werden. Die gigantischen Gewinne, die westdeutsche und ausländische Unternehmen in den neuen Bundesländern in den neunziger Jahren machten, während die dortige Wirtschaft in Agonie lag, wurden in der Tat verspekuliert, statt in den Aufbau einer selbsttragenden Wirtschaft investiert zu werden. Gleichzeitig wurde der „Aufbau Ost“ auf Pump finanziert, worunter die Staatsfinanzen heute noch leiden, zumal 70 Milliarden Euro öffentlicher Mittel im Jahr hierfür noch aufgewendet werden müssen. Das ist ein äußerst lehrreiches Beispiel für die in der bundesdeutschen politisch-ökonomischen Diskussion stark tabuisierte und deswegen kaum behandelte Tatsache, daß das freie Kapital seine eigentliche Funktion als „Druckausgleichsgefäß“ für die Volkswirtschaft weitgehend verloren hat und sich statt dessen nach dem monetaristischen Prinzip immer mehr zum Selbstzweck und zum international vagabundierenden Raubritterkapital entwickelt. Dieser gravierenden Entwicklung und der ihr zugrundeliegenden politischen Ökonomie steht die nationale und volkstreue Auffassung vom Verbundsystem, also von der inneren Bindung zwischen Land, Volk, Arbeit und Kapital entgegen, wie im folgenden in bezug auf die Rolle des Kapitals kurz umrissen: Das Kapital stellt eine modellhafte Repräsentation volkswirtschaftlicher Ressourcen und gleichzeitig die Ermächtigung zur Disposition dieser Ressourcen dar. Die Kapitalbesitzer verwalten also im Grunde nur ein gesellschaftliches Mandat, welches Ihnen erlaubt, die im gewissen Sinne vom Kapital symbolisierten volkswirtschaftlichen Ressourcen zum Wohle der Gemeinschaft, nach bestem Wissen und Gewissen einzusetzen. Dadurch werden ihnen diese Ressourcen, vor allem die menschliche Arbeitskraft, keineswegs als Eigentum überantwortet und deren Verwendung oder Nichtverwendung etwa ins Belieben gestellt. Auch das Mandat selbst kann grundsätzlich nicht Eigentum, sondern nur Auftrag sein, was somit auch für das Kapital gilt. Wie ersteres ist auch letzteres in erster Linie mit Verantwortung verbunden, und zwar im ganz konkreten Sinne. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht wird, dem muß das Mandat bzw. das Kapital entzogen werden. Selbstverständlich setzt jedes Mandat neben dem Mandatsträger auch den Mandanten, also den Auftraggeber, dessen Pfund zu verwalten ist oder dessen Interessen zu vertreten sind, voraus. Seine Rolle kann mit Sicherheit weder von einer abstrahierten „Ganzen Menschheit“ oder „One World“ noch von einem, wie auch immer gearteten globalen Herrschaftssystem übernommen werden, sondern nur von einem konkreten Gemeinschaftsgebilde mit soziokulturell begründeter, gemeinschaftlicher Identität und Integrität, das heißt von einer identitätsfähigen, also zum Gemeinsinn fähigen Gesellschaft, einem Volk, einer nationalen Volkswirtschaft. Daraus folgt die grundsätzliche nationalpolitische Forderung nach der volkswirtschaftlichen Bindung und sozialen Verpflichtung des Kapitals. Sehr geehrter Herr Dr. von Weizsäcker, soweit Sie sich diese Thesen überhaupt zu Gemüte führen, würde es mich sehr wundern, wenn Sie ihnen zustimmen würden. Ich denke, daß Sie dazu der herrschenden Ordnung viel zu verhaftet sind. Unstrittig sollte dagegen sein, daß die mit der politischen Macht internationaler Organisationen, wie der EU, der WTO, des IWF etc., und nicht zuletzt auch der US-Regierung durchgesetzten monetaristischen Prinzipien, d.h. die Entbindung des Kapitals von der direkten volkswirtschaftlichen Verantwortung, die Liberalisierung der Kapitalmärkte und die damit einhergehende Globalisierung der Kapitalströme, eine sehr einschneidende politische Weichenstellung bedeuten, die für alle Lebensbereiche, nicht nur die ökonomischen, sondern auch die sozialen, kulturellen und geistigen, Folgen haben wird, die heute keineswegs absehbar sind. Ebenfalls unstrittig, zumindest in einer demokratischen Gesellschaft, sollte es sein, daß über solche fundamentalen Veränderungen, die nicht etwa aufgrund einer gesellschaftlichen Eigendynamik zustande kommen, sondern vielmehr durch bewußte politische Steuerung herbeigeführt werden, eine breite gesellschaftliche Debatte geführt werden sollte, bevor sie den Menschen „irreversibel“ aufgezwungen werden (wobei letzteres natürlich so oder so nicht geschehen dürfte). Diese Debatte ist aber in Deutschland nachweislich nicht geführt worden. Ganz im Gegenteil, die Europäische Währungsunion wurde z.B. in einer Art Nacht- und Nebelaktion in Maastricht nur 16 Monate nach dem Jahrhundertereignis der deutschen Wiedervereinigung verabredet. Gegner und Befürworter des Vertrages sind sich darüber einig, daß weder vor noch nach der Vereinbarung eine Debatte in Deutschland geführt wurde, die auch nur im entferntesten der Bedeutung des Vertrages angemessen wäre. Durch die europäische Kabinettspolitik war der Vertrag eine vollendete Tatsache, bevor ihn die meisten Bundestagsabgeordneten, geschweige denn andere Bürger, überhaupt gelesen hatten. Dementsprechend war die Ratifizierung im Bundestag eine reine Formsache, der außerhalb der rein formalistischen Betrachtungsweise keinerlei demokratisches Gewicht beizumessen ist. Den Deutschen wurde eine Schicksalsentscheidung mit unabsehbaren Konsequenzen regelrecht untergejubelt, und zwar zu einem Zeitpunkt, als sie emotional mit der überwältigenden Erfahrung der deutschen Wiedervereinigung und sachpolitisch mit der heute noch nicht abgeschlossenen Bewältigung ihrer Folgen beschäftigt waren. Auch über andere internationale Verhandlungen und Vereinbarungen über Währungs-, Investitions- und Handelsfragen soll scheinbar grundsätzlich keine öffentliche Diskussion stattfinden, egal wie einschneidend die geplanten Vereinbarungen sind und welche weitreichenden Folgen für alle Lebensbereiche sie voraussichtlich haben würden. Ich nenne hierfür einige Beispiele: § Ein bei der OECD vorbereiteter Entwurf eines multilateralen Vertrages über Investitionen, das sogenannte „Multilateral Agreement on Investments“ (MAI), wurde jahrelang unter Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland in Paris verhandelt, bis schließlich, im April 1998, eine Vorlage für den Ministerrat der OECD vorgelegt wurde, wodurch der Text des Entwurfs auch der Öffentlichkeit bekannt wurde. Er sah eine extrem privilegierte Stellung für ausländisches Investitionskapital in den Beitrittsstaaten des Vertrages vor. Das ging so weit, daß Investoren ein Klagerecht gegen alle „investitionsbehindernden“ Strukturen und Maßnahmen eines Einzelstaates eingeräumt werden sollte. Dazu gehörten z.B. sozialstaatliche, privatrechtliche sowie umwelt-, raumordnungs- oder kulturpolitische „Investitionshindernisse“ und auch rein hoheitsrechtliche Behinderungen des Investitionskapitals, wie z.B. das Grenzregime oder das Ausländerrecht. Diese Ungeheuerlichkeiten waren also unter Beteiligung von deutschen Regierungsstellen und mit Kenntnis vieler Persönlichkeiten aus der politischen Klasse, der Ministerialbürokratie und den Medien jahrelang Gegenstand von Gesprächen hinter verschlossenen Türen gewesen. Trotz der politischen Brisanz des Themas, die eigentlich eine öffentliche Diskussion geradezu zwingend erfordert hätte, und zwar bevor wieder einmal vollendete Tatsachen geschaffen werden konnten, und obwohl der Teilnehmer- und Mitwisserkreis doch verhältnismäßig groß gewesen sein muß, entwickelte sich in Deutschland nicht einmal ansatzweise eine politische Diskussion über das Vorhaben als solches. Dieses blieb also mehrere Jahre der weit überwiegenden Mehrheit der Bundesbürger völlig unbekannt. Während eine Clique von Insidern an vertraglichen Regelungen arbeitete, die geeignet waren, die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte der Bürger und ihrer Gemeinwesen in einem gar nicht abzusehenden Ausmaß einzuschränken, hielten also die Mitwisser „dicht“ und vermieden es peinlichst, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären und eine entsprechende Diskussion zu ermöglichen. – Nach seiner Veröffentlichung wurde der Vertragsentwurf zwar vorläufig auf Eis gelegt, weil in den anderen Teilnehmerstaaten ein Sturm der Entrüstung losbrach. Aber für Deutschland ist er dennoch geradezu ein Schulbeispiel für die Effektivität der Tabuisierung aller potentiell kontroversen Fragen, die mit der immer weiter ausufernden Selbstherrlichkeit des internationalen Finanzkapitals und der damit eng gekoppelten Aushöhlung der nationalen Souveränität, der Bürgerrechte und der Rechte aller gewählten politischen Körperschaften zu tun haben. § Dem Richtlinienentwurf für einheitliche EU-Bestimmungen zur Regelung von sogenannten feindlichen Übernahmen („EU-Übernahmerichtlinie“) hatte die rotgrüne Regierung im Jahre 2000 zugestimmt, natürlich ohne daß sich auch nur die geringste öffentliche Diskussion darüber im Lande gerührt hatte, obwohl die Bestimmungen – im wohlverstandenen Interesse des internationalen Raffkapitals - eindeutig deutsche Unternehmen benachteiligten und sie noch stärker als andere europäische Unternehmen der Gefahr von feindlichen Übernahmen aussetzten. Erst als die Richtlinie ein Jahr später, im Juni-Juli 2001, beschlossen werden sollte, sind Funktionäre von Unternehmensverbänden und Gewerkschaften ein paar Wochen vorher plötzlich aufgewacht, da sie nun die Sache wieder auf den Tisch bekommen hatten und wahrscheinlich kalte Füße bekamen, weil sie damit rechnen mußten, ihren Mitgliedern Rede und Antwort stehen zu müssen, warum sie eine so dicke Kröte widestandslos geschluckt hätten. Die Bundesregierung geriet von Seiten dieser Verbandsfunktionäre – nicht der Öffentlichkeit, die immer noch fast nichts mitbekam – unter massiven Druck und war sich dann auch nicht zu schade, ihre Zustimmung zum Richtlinienentwurf im letzten Moment wieder zurückzuziehen – wobei sie sich natürlich nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Aber so gelang es tatsächlich, die Richtlinie vorläufig zu stoppen. Zur Zeit wird sie, soviel ich mitbekommen habe, wieder verhandelt, wobei von einer angemessenen Diskussion in Deutschland nach wie vor weit und breit nichts zu vernehmen ist, obwohl das Thema „feindliche Übernahmen“ an sich durchaus von öffentlichem Interesse ist und im konkreten Fall sowohl handfeste Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen als auch in hohem Maße unsere demokratischen Selbstbestimmungsrechte zur Disposition gestellt sind. Dieses auffällige Desinteresse, das dem Prinzip einer auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht funktionierenden Demokratie kraß widerspricht, hat ganz eindeutig etwas mit dem Phänomen der Tabuisierung aller Fragen zu tun, die den Abbau des Nationalstaates und die Internationalisierung Deutschlands, gerade im Bereich Wirtschaft und Finanzen, betreffen. § Ein weiteres Beispiel ist der Beschluß der Handelsminister der EU, für die 48 ärmsten Länder der Welt alle Einfuhrbeschränkungen außer für Waffen abzuschaffen („Everything but arms“). Wie bei Maßnahmen mit Dritte-Welt-Bezug üblich, wird auch diese Maßnahme in erster Linie moralisch und humanitär begründet, obwohl es in Wirklichkeit überwiegend um einen handelspolitischen Schachzug geht, durch welchen neben der Erlangung von handelspolitischen Vorteilen im Wettstreit um die Gunst der Entwicklungsländer v.a. die einseitige wirtschaftliche Ausrichtung auf den Welthandel und die Abhängigkeit der betreffenden Länder vom internationalen Finanzkapital und von kapitalgesteuerten Handelsbeziehungen verstärkt werden soll. Sehr im Gegensatz dazu wäre aber der bessere Weg für die meisten „armen“ Länder der Wiederaufbau einer vielseitigen Subsistenzwirtschaft und die Wiederherstellung und Weiterentwicklung der eigenen soziokulturellen und ökologischen Lebensgrundlagen. Erst dann wäre es sinnvoll, sich verstärkt dem Ausbau von Handelsbeziehungen zuzuwenden. Für Deutschland besonders gravierend ist der Beschluß insofern, daß bis zum Jahr 2007 alle Einfuhrzölle auf Zucker abgeschafft werden sollen, eine Katastrophe für die deutsche Zuckerwirtschaft, die eine der wenigen ernährungswirtschaftlichen Sparten in Deutschland ist, in denen Erzeuger und Verarbeiter einen Verbund bilden, der auch im Rahmen der EU-Agrarordnung sehr gut funktioniert und keinerlei Subventionen benötigt. Aber der absehbare, mutwillig herbeigeführte Niedergang eines gewachsenen, heute noch blühenden Wirtschaftszweiges mit erheblicher Bedeutung, u.a. für große ländliche Regionen in Niedersachsen, wird in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen, geschweige denn zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte über Sinn und Unsinn einer künstlichen Aufblähung der globalen Handelsströme gemacht. Der EU-Beschluß wurde im Februar 2001 gefaßt und die meisten Zölle wurden bereits am 1. Januar 2002 abgeschafft. Vor dem Beschluß war das Vorhaben in der deutschen Öffentlichkeit praktisch unbekannt, obwohl es mit Blick auf handelspolitische Vorteile bei der Konferenz in Katar schon längere Zeit in EU-Kreisen diskutiert worden war. Eine Woche nach dem Beschluß hat sich außer Bauernverbandsfunktionären wieder niemand mehr dafür interessiert. Auch hier ist es offenbar die in der BRD regelrecht institutionalisierte Tabuisierung jeglicher kritischen Auseinandersetzung mit Phänomenen wie Souveränitätsabbau, Internationalisierung und Fremdsteuerung, die wieder einmal verhindert, daß eine jener EU-Maßnahmen in der gebotenen Breite öffentlich diskutiert werden kann, die deutlich machen, in welchem erschreckenden Ausmaß dieses Land in existentielle Abhängigkeit von internationalen Entscheidungen gebracht worden ist, welche, trotz der im Grundgesetz geforderten Volkssouveränität, weder direkt von den Bürgern noch von den von ihnen legitimierten Staatsorganen überhaupt beeinflußt werden können. § Auch die für die deutsche Wirtschaft folgenschweren Angriffe der EU-Kommission auf das deutsche Bankenwesen und die besonderen deutschen Finanzierungsstrukturen sind von jeder kritischen, kontroversen öffentlichen Diskussion praktisch vollkommen ausgeschlossen, zumindest außerhalb von reinen Fachkreisen. In Deutschland sind 80 Prozent der Arbeitsplätze beim Mittelstand angesiedelt und dieser hat traditionell einen sehr geringen Eigenkapitalanteil. Dafür gibt es in Form der öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken mit staatlicher (gebietskörperschaftlicher) Gewährsträgerhaftung und der kreditgenossenschaftlichen Institute ein sehr breit gefächertes, gemeinnütziges, bodenständiges, sozial und mittelständisch orientiertes Bankensystem. Dieses Kreditwesen, das seit mindestens 150 Jahren als Eckpfeiler der deutschen Wirtschaftsentwicklung sehr gut funktioniert, ist im Gegensatz zu den Vorstellungen der internationalen Hochfinanz nicht global, sondern raumorientiert ausgerichtet, was bei den Sparkassen konkret durch die Gebietsbindung zum Ausdruck kommt. Innerhalb ihrer jeweiligen Gebiete haben die Sparkassen nach Maßgabe des Landessparkassengesetzes und der kommunalen Satzungen die gemeinnützige Aufgabe, einerseits Spargelder einzusammeln und andererseits diese in Form von Krediten an die im Gebiet ansässigen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Familien und Privatpersonen weiterzugeben. Die Sparkassen sorgen also für die Ausgleichsfunktion des Kapitals in der eigenen Region. Überschüsse, z.B. die durch Konsumverzicht entstandenen Sparbeträge, werden in derselben Region investiert, in der sie auch entstehen. Wo Kaufkraft durch Konsumverzicht oder etwa durch außergewöhnliche Gewinne einzelner Unternehmen entzogen wird, entsteht sie durch kreditfinanzierte Investitionen wieder neu, so daß sich die Region aus eigener Kraft wirtschaftlich weiterentwickeln kann. Das trägt entscheidend zur Integrität des Wirtschaftsraumes bei. Aber diese Struktur mißfällt der internationalen Hochfinanz, der internationalen Finanzbürokratie, der US-Regierung und den von ihnen gesteuerten überstaatlichen Organen, wie EU, OECD, Internationalem Währungsfond (IWF), Weltbank, Welthandelsorganisation (WTO) etc., die sich keineswegs den funktionierenden Volkswirtschaften, sondern vielmehr der reinen neoliberalen und monetaristischen Lehre verpflichtet fühlen. Und diese fordert den ungehinderten globalen Kapitalverkehr, ja mehr noch: sie verlangt offenbar die Internationalisierung des Kapitals um jeden Preis, wenn es sein muß auch mit politischen Zwangsmaßnahmen. Das hat gegenwärtig zwei spektakuläre politische Aktionen zur Folge, die sich beide gegen die Integrität und Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft richten: - Zum einen wendet sich die EU-Kommission gegen die Sonderstellung der deutschen Sparkassen und Landesbanken, wobei die Gewährsträgerhaftung als Aufhänger dient. Diese sei wettbewerbsverzerrend und verstoße gegen die europäischen Wettbewerbsregeln. Zunächst sind die Landesbanken ins Visier genommen worden. Diese sollen ihren öffentlich-rechtlichen Charakter verlieren, was bereits in vollem Gange ist. Im April 2002 wurde z.B. gemeldet, daß die bayerische Staatsregierung und die EU eine Reform der Bayerischen Landesbank ausgehandelt hätten, nach der die Staatshaftung abgeschafft und die Bank zu einer normalen Geschäftsbank umgewandelt werde. Gegen mehrere Landesbanken hat die EU-Kommission Verfahren beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingeleitet. Das Endziel des EU-Wettbewerbskommissars und der hinter ihm stehenden, einflußreichen Kreise ist die Zerschlagung des gesamten deutschen öffentlich-rechtlichen Kreditwesens mit seiner gebietsorientierten und volkswirtschaftlich fest verankerten, also im Grunde globalisierungsfeindlichen Ausrichtung. - Zum anderen arbeitet der sogenannte „Baseler Bankenausschuß“ seit Jahren an neuen Richtlinien der Banken für die Vergabe von Krediten. Arbeitsname: BASEL II. Es geht um die Kreditkonditionen (Zins, Laufzeit etc.) und die Eigenkapitaldeckung der Banken in Abhängigkeit eines sogenannten „Ratings“ der Kreditnehmer, d.h. einer allgemeinen Beurteilung ihrer Bonität. Die neuen Regeln sollen nach der aktuellen Planung im Januar 2006 in Kraft treten. Sie sollen nicht unmittelbar rechtlich bindend sein, aber die Macher gehen davon aus, daß es zum „Standing“ einer Bank im „Level playing field“ gehören wird, sich ihnen zu unterwerfen, weil sie sonst selbst schlechte „Ratings“ bekommen würde. Nach Einschätzung der meisten Fachleute wird BASEL II generell dazu führen, daß kleinere bis mittlere Unternehmen schlechtere Kreditbedingungen als bisher, während die großen günstigere bekommen werden. Das hat besonders für Deutschland schwerwiegende Folgen. Denn hier ist erstens der Anteil der kleineren und mittleren Unternehmen sowohl an der Beschäftigung als auch an der Wertschöpfung besonders groß und zweitens decken diese Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank zu 75 Prozent über Fremdmittel, und zwar bis dato vergleichsweise günstig. – Vor diesem Hintergrund scheint die Stoßrichtung von BASEL II klar: Die „raumorientierte“, also regional verankerte Mittelstandsfinanzierung vom deutschen Typ soll zugunsten von größeren Kreditgeschäften erschwert werden. Damit würde u.U. dem deutschen Mittelstand seine Finanzierungsbasis und den mittelstandsfreundlichen deutschen Universalbanken ihr eigentliches Stammgeschäft entzogen werden. Es könnte zu einem tiefgreifenden Strukturwandel kommen, bei dem die traditionelle mittelständische Struktur und damit auch eine entscheidende Stärke der deutschen Wirtschaft ausgelöscht wird. Dabei ist der Vorwand, eine verschärfte internationale Bankenaufsicht sei notwendig, um gefährlichen Instabilitäten im Bereich des Kreditwesens vorzubeugen, gerade im Hinblick auf die Sparkassen besonders verlogen. Denn meines Wissens haben gerade die öffentlich-rechtlichen Universalbanken wegen der großen Streuung des Risikos bedeutend weniger Belastung durch „faule Kredite“ als die meisten Geschäftsbanken und sind, im Gegensatz zu diesen, auch nicht durch Abschreibungen im Spekulationsportfoliobereich belastet. Wie bei den anderen in diesem Brief angesprochenen Phänomenen mag man zur oben beschriebenen Vorgehensweise der Globalisten stehen, wie man will, etwa ablehnen oder zustimmen. Bloß eins sollte man nicht: so tun, als ob sie über jeder prinzipiellen Kritik erhaben wäre, als ob es zu ihr keinerlei Alternative gäbe. Denn eine solche gibt es sehr wohl, und zwar eine sehr naheliegende: einfach jenes Bankensystem beibehalten, das die Entwicklung einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt, nämlich der deutschen, während 150 Jahre begleitet hat und sich dabei in der Regel glänzend bewährt hat. Aber genau dieser naheliegende Standpunkt ist in Deutschland tabuisiert. Es ist geradezu jämmerlich, immer wieder feststellen zu müssen, wie Verbandsvertreter und andere, die im Grunde der ganzen Entwicklung äußerst kritisch gegenüberstehen, trotzdem aus Angst vor Regelverstößen und dem daraus folgenden „Populismus“-Vorwurf mit ihren Bedenken herumeiern, während sie gleichzeitig z.B. nicht versäumen, „politisch korrekt“ zu erklären, das Vorhaben BASEL II an sich sei völlig unumstritten. Dieses beschämende Verhalten hat – jenseits aller Detailfragen – einen einzigen wichtigen Grund, nämlich die rigorose Tabuisierung sämtlicher Überlegungen und Meinungsäußerungen, durch welche die Globalisierung aller wirtschaftlichen und überhaupt gesellschaftlichen Vorgänge in Deutschland, die Demontage des Nationalstaates und die immer größere Fremdbestimmung der Deutschen prinzipiell in Frage gestellt werden könnten. Solange wie diese skandalöse Tabuisierung jeder grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Frage der Selbstbestimmungsrechte der Völker, ihrer Gemeinwesen und Nationalstaaten noch wirksam bleibt, wird auch der geistige und politische Widerstand gegen den Abbau solcher Rechte im einzelnen schwach und zaghaft bleiben. Genau darauf dürften auch die für die Tabuisierung Verantwortlichen spekulieren. (...) Mit vorzüglicher Hochachtung Per Lennart Aae (10.12.2002) |