Leni Riefenstahl 1902 - 2003

Die bewunderte Filmregisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl ist zwei Wochen nach ihrem 101. Geburtstag am Abend des 8. 9. 2003 in ihrem Haus in Pöcking am Starnberger See verstorben. Riefenstahls Lebensgefährte und langjähriger Kameramann Horst Kettner sagte, sie sei gegen 22.50 Uhr sanft eingeschlafen. "Ihr Herz ist einfach stehen geblieben." Riefenstahl hatte vor wenigen Monaten eine Krebsoperation. Seit Jahren litt sie unter ständigen Schmerzen. Für kommenden Freitag um 16.00 Uhr ist die Einäscherung auf dem Münchner Ostfriedhof geplant.

Leni Riefenstahl wurde am 22. August 1902 in Berlin geboren und hatte als Ausdruckstänzerin zu arbeiten begonnen. Nach einer Knieverletzung 1927 unterwies sie Regisseur Arnold Fanck in Filmtechnik. Sie lernte Skilaufen und Bergsteigen und spielte die Hauptrollen in vier Bergfilmen Fancks.

Großen Erfolg als Regisseurin und Hauptdarstellerin feierte Riefenstahl mit dem Film " Das blaue Licht " (1932). Danach lernte sie Adolf Hitler kennen. 1933 drehte sie den Dokumentarfilm "Sieg des Glaubens" und 1934 "Triumph des Willens" über die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg. Die in diesen Filmen angewendeten Techniken waren sensationell und die Filme wurden u. a. in Frankreich und den USA als Lehrmaterial in Filmakademien verwendet. Für den Film "Triumph des Willens" erhielt Riefenstahl auch internationale Kulturpreise, u. a. aus Frankreich. 

Leni Riefenstahl
Die Regisseurin Leni Riefenstahl (r.) bei einer Szenenbesprechung im September 1934

Weltberühmt wurde sie mit ihren Dokumentarfilmen über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees. Sie schuf eine Film-Ästhetik, die den athletischen, kämpferischen Körper idealisierte und sich darin mit der NS-Ideologie traf. Riefenstahl betonte jedoch immer wieder, sie habe sich nur von künstlerischen Absichten leiten lassen. Der zweiteilige Olympia-Film gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte und der Montagetechnik und erhielt ebenfalls internationale Anerkennung.

Nach Ende des Krieges wurde sie von der französischen Besatzungsmacht inhaftiert aber bald wieder freigelassen. Es wurde mehrmals vesucht, ihr verbrecherisches Vehalten nachzuweisen und sie wurde auch von Holocaustüberlebenden auf Schadenersatz für angebliche Zwangsarbeit als Nebendarsteller bei ihren Filmen veklagt.

In den 60erjahren begann Riefenstahl eine Karriere als Photographin. Großen Erfolg hatte sie mit Bildern vom Nuba-Stamm in Sudan. Mit 71 Jahren lernte sie Tauchen und filmte bei Tauchexkursionen in tropischen Meeren.

Seit etwa 20 Jahren erlebten Riefenstahls Werk eine Renaissance. In Tokio wurden 1980 zum ersten Mal ihre Photos mit großem Erfolg ausgestellt. In Europa gab es 1996 Ausstellungen in Finnland und Italien. Ab 1997 wurden auch in Deutschland Riefenstahls Werke ausgestellt, und Bewunderung schlug ihr besonders aus der jungen Generation entgegen.

Im März 2000 reiste Riefenstahl erneut nach Sudan, um nach den Nuba zu forschen und wurde bei einem Hubschrauberabsturz verletzt. Ihre letzte Arbeit ist der Film «Impressionen unter Wasser». Nach Angaben des Pöckinger Bürgermeisters Rainer Schnitzler lebte die über 100-Jährige sehr zurückgezogen in der oberbayerischen Gemeinde.

Kulturstaatsministerin Christina Weiss bezeichnete Riefenstahl als eine Künstlerin, in deren Lebensweg auf tragische Weise die Verbindung von Kunst und Politik sichtbar geworden sei.

Der ehemalige Präsident des Goethe-Instituts, Hilmar Hoffmann, sagte der AP: "Jetzt, wo sie tot ist, wissen wir zwischen dem ästhetischen Genie Leni Riefenstahl und ihren politischen Verstrickungen zu unterscheiden."  In den USA und in Frankreich gelte sie als großes Vorbild der Dokumentarfilmer. 
Der bayerische Kunstminister Hans Zehetmair hat Leni  Riefenstahls ästhetische Vorstellungen als bahnbrechend gewürdigt. "Sie war eine der großen Bilderfinder des 20. Jahrhunderts", erklärte Zehetmair am 9. 9. in München.

Antje-Katrin Kühnemann, TV-Ärztin und langjährige Freundin Riefenstahls, sagte: "Es hat ihr gut getan, daß am Ende doch die Anerkennung für ihre Arbeit überwogen hat."

Am Nachmittag des 12. 9. 2003 fand auf dem Münchener Ostfriedhof eine Trauerfeier vor geschlossenem Sarg statt. Die Verstorbene soll am Montag den 15. 9. eingeäschert werden und wird wahrscheinlich zu einem noch nicht bekannten Termin auf dem Nordfriedhof beigesetzt werden.

[12. September 2003] 

_________________

Letztes Geleit für Leni Riefenstahl

Der heiße, schöne Sommer ging früh in diesem Jahr. So war der 12. September bereits ein richtiger Herbsttag, als der ehemalige Jagdflieger Kamerad Reinhold Leidenfrost und ich von Nürnberg nach München fuhren, um der am Montag verstorbenen Leni Riefenstahl die letzte Ehre zu erweisen. 

(Es soll Erwähnung finden, daß weder auf dem Friedhof selbst, noch in dessen Umgebung irgendwelche Anzeichen polizeilicher Präsenz gesehen wurden. Wobei selbstverständlich davon ausgegangen werden muß, daß etliche Zivilspitzel anwesend gewesen sind.)

Riefenstahl

Die Aussegnungshalle des Münchner Ostfriedhofs, in der wir noch Platz gefunden hatten, war schließlich bis zum letzten Winkel gefüllt - etliche der Trauergäste hatten draußen zu stehen. Der Sarg Leni Riefenstahls eingebettet in wahre Wogen von Blumen und Kränzen.

Frau Dr. med. Antje-Katrin Kühnemann sprach, sichtlich bewegt und ergreifend, die Gedenkrede. Leider etwas zu leise, hielt sie den politisch korrekten Medienhetzern deren Verkommenheit und Lügensucht vor; würdigte den Menschen und die Künstlerin Leni Riefenstahl, mit welcher Antje-Katrin Kühnemann eine tiefe Freundschaft verband. Es wird zu sehen sein, ob und wie sich ihr klares Bekenntnis zu Leni Riefenstahl auf die weitere Moderatorentätigkeit Frau Dr. Kühnemanns beim Gesundheitsmagazin "Sprechstunde" des Bayerischen Fernsehens auswirken könnte. 

Der Präsident der deutschen Filmindustrie, dessen Name mir entfallen ist, würdigte die Verstorbene mit wenigen prägnanten Sätzen, indem er den gerade in den letzten Tagen wieder mit unsäglichem Haß und Verleumdungen sich ein Armutszeugnis ausstellenden Medienvertretern ins Stammbuch mitgab, diese müßten, ob es ihnen nun paßt oder nicht, ganz einfach zur Kenntnis nehmen, daß sie längst vergangen und vergessen sein werden, wenn Leni Riefenstahls Name und Werk noch immer einen unsterblichen Klang und Gewicht in der Welt haben werden.

Ein dritter Redner gab eine Darlegung der herausragenden Abschnitte und künstlerischen Höhepunkte im 101 Jahre währenden Leben der großen Regisseurin, Fotografin und Kamerafrau. Dabei erwähnte er ausdrücklich den Film über den Nürnberger Reichsparteitag 1934 "Triumph des Willens" sowie die beiden hochästhetischen Olympiafilme, welche alle drei mit bedeutenden internationalen Preisen ausgezeichnet wurden - "Triumph des Willens" von der länderübergreifenden Fachwelt einmütig gar zu einem der besten und wichtigsten Filme des 20. Jahrhunderts gekürt wurde.

Erfreulich war, daß in keinem Redebeitrag eine Konzession an den verlogenen Zeitgeist dieser Endzeit-BRD gemacht wurde. 

Erfreulich war zudem, daß kein Vertreter des "offiziellen" München oder überhaupt des BRD-Regimes zugegen war, somit dem Ehrengedenken der Verstorbenen diese Befleckung erspart geblieben ist.

Abgeschlossen wurde die Trauerfeier mit dem von Konzertmusikern würdevoll getragen gespielten Stück "Oh du mein Abendstern" aus dem Tannhäuser von Richard Wagner.

München, 12. September 2003
Gerd Ittner
 

 < Kultur