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Koschka Hetzer-Molden, die Erbin nach Paula von Preradovic, Textdichterin der Bundeshymne, kritisiert die erneuten Bestrebungen, die österreichische Bundeshymne im Sinne einer "Gleichberechtigung" umzudichten. Besonders kritisiert sie die Pläne von SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosekk, die im Text der Hymne auch ganz offiziell die "Töchter" neben den "Söhnen" gewürdigt sehen will: "Ich persönlich halte diese alle paar Jahre auftretende Diskussion allerdings für lächerlich. Ich denke, dass keine Österreicherin durch das Zusatzwort 'Töchter' in der Hymne mehr Selbstvertrauen spüren wird." Zum Vergleich weist sie auf den (inoffiziellen) Text der Europahymne hin, wo es nach Schiller heißt "Alle Menschen werden Brüder...." (aber nicht Schwestern...) Im Rahmen einer im Januar 2010 laufenden Kampagne (zwecks "Gleichberechtigung" - wo bleibt die Gleichberechtigung beim Pensions-Antrittsalter ?) des roten Unterrichtsministeriums singt die Schlagersängerin Ch. Stürmer "..Heimat bist du großer Söhne und Töchter..." Schon 2002 hat eine Sängerin namens Tini Kainrath bei einer Sportveranstaltung "..Söhne und Töchter.." besungen.... [24. Januar 2010]
Feministen wollen österreichische Bundeshymne verschandeln Da in der österreichischen Bundeshymne von einem "Vaterland" und von "großen Söhnen" die Rede ist, haben linke Emanzen der Sozialdemokraten und Grünen seit Jahren die Forderung erhoben, diese Textstellen auszumerzen und durch "geschlechtsneutrale" zu ersetzen. Neuerdings hat sich sogar die ÖVP-Politikerin Rauch-Kallat, eine Befürworterin der Beibehaltung der von der SPÖ eingeführten Abtreibungs - Fristenlösung, diesen Forderungen angeschlossen. Z. B. soll die Zeile "Heimat bist du großer Söhne" durch "Heimat großer Töchter, Söhne" ersetzt werden.....Ob zum Ausgleich für das Wort "Vaterland" auch "Mutterland" in den Text eingefügt werden soll ist noch nicht entschieden, womöglich wird nurmehr von einem "Heimatland" die Rede sein. Damit würde man sogar Leuten entgegenkommen, für die Österreich zwar Heimatland, aber nicht das Vaterland ist... Zur Besatzungszeit sangen Kinder Spottverse zur Melodie der Bundeshymne, in denen u. a. die in Feldküchen der Besatzungsmächte angebotenen Erbsen, der Schleichhandel sowie die vier Besatzungszonen erwähnt wurden. (Land der Erbsen, Land der Bohnen, Land der vier besetzten Zonen, wir verkaufen Dich im Schleich, vielgeliebtes Österreich.......) Die Spottverse sollen sogar von den Söhnen der Dichtererin Preradovic verfaßt worden sein. Der tatsächliche Text lautete: "Land der Berge, Land am Strome Land der Äcker, Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich. Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne, vielgerühmtes Österreich.." Seit dem 26. 9. 2005 sollen sich sogar zwei Ministerinnen der Neugestaltung des Textes der Bundeshymne annehmen. Die Angelegenheit sei "vertrauensvoll in die Hände der Frauen gelegt" worden. Bis 26. Oktober, dem sog. Nationalfeiertag, soll es einen gemeinsamen Vorschlag von Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Sozialministerin Ursula Haubner geben, sagte Kanzler Wolfgang Schüssel am 26. 9. beim Pressefoyer nach dem Ministerrat. "Frauenministerin" Rauch-Kallat behauptet, mit ihrem Vorstoß, "frauendiskriminierende" Passagen aus der österreichischen Bundeshymne zu eliminieren, sei sie erst an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem sie am Wochenende die BZÖ-Ministerinnen Haubner und Gastinger sowie Vizekanzler Gorbach informiert habe. Haubner bestreitet dies. Sie habe von Rauch-Kallats Plan erst am Morgen des 26. 9. erfahren, sagte sie. Wie lächerlich dieses Vorhaben ist kann man u. a. daraus ersehen, dass etwa im Deutschlandlied nur von Frauen, aber nicht von Männern die Rede ist. Bisher ist aber noch niemand auf den Gedanken gekommen, das als "männerdiskriminierend" zu bezeichnen und einen Ersatz durch geschlechtsneutrale Worte zu verlangen. Der Text (2. Strophe) lautet: Deutsche Frauen, deutsche Treue,
[die anderen Strophen, in denen auch keine Männer erwähnt
werden:
3.
Der Text der derzeitigen österreichische Bundeshymne wurde sogar von einer Frau, der Schriftstellerin Paula von Preradovic geschrieben. Die Musik stammt von einer Freimaurerkantate des Salzburger Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Das heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte erstmals in der napoleonischen Epoche mit dem so genannten "Kaiserlied" eine Hymne erhalten. Die Hymne war aus patriotischen Gründen in der Krisensituation der Napoleonischen Kriege angeregt worden. Den Text hatte ein gewisser L. Haschka verfasst, die einfache, aber einprägsame Melodie stammte von Joseph Haydn. Dieses Nationallied ("Gott erhalte Franz, den Kaiser...") erklang erstmals am 12. Februar 1797 anlässlich des 29. Geburtstages des deutschen Kaisers Franz II. Franz II. wurde durch Napoleon gezwungen, als deutscher Kaiser abzudanken und regierte dann als Franz I. von Österreich weiter. Die Haydn-Hymne hatte aber bis 1918 in der Habsburger-Monarchie mit angepaßtem Text Geltung (es hieß dann "Gott erhalte, Gott beschütze unsren Kaiser, unser Reich...") Nach Ausrufung der Republik Deutschösterreich im Jahre 1918 wurde eine neue Hymne kreiert und zwar vom damaligen Staatskanzler Karl Renner (Sozialdemokrat) höchstpersönlich. Die Musik stammte vom Komponisten Wilhelm Kienzl Die erste Strophe der ab 1920 geltenden Renner-Hymne: Deutsch-Österreich, du herrliches Land,
In den 20er Jahren mehrten sich die Stimmen, die eine Rückkehr zur Haydn-Hymne befürworteten. Diese wurde dann mit einem neuen Text des aus Marburg (Südsteiermark) stammenden Heimatdichters Ottokar Kernstock im Jahre 1930 eingeführt. Der Text der ersten Strophe der Kernstock-Hymne: Sei gesegnet ohne Ende,
Nach 1945 wollte die damalige österreichische Regierung diesen Text mit den Bezügen zum deutschen Charakter Österreichs nicht mehr übernehmen, da man schon plante, sich wegen des verlorenen Krieges und der KZ-Skandale vom Deutschtum abzusetzen und das überfallene Unschuldslamm zu spielen. Es wurde ein Preisausschreiben für den Text der Bundeshymne veranstaltet. Dabei wurde die Schriftstellerin Preradovic vom damaligen Unterrichtsminister Hurdes zur Teilnahme gedrängt, und ihre Dichtung wurde dann auch auserkoren. [27. September 2005] ......Da beschwört Norwegen immerhin "unsere Mütter und Väter", wenn auch gleich darauf vom "Norske mann", aber nicht von der "Norske"-Frau die Rede ist. Ähnlich Finnland: "Dir uns're Söhne glüh'n, Dir uns're Töchter blüh'n" ist akzeptabel, dafür wird die Heimat "vara fäders jord", "Erde der Vorväter" genannt. "Für das deutsche Vaterland!", rufen die Deutschen; "Danach lasst uns alle streben / Brüderlich mit Herz und Hand!" Nicht besser als Österreich. Die italienische Hymne "Brüder Italiens" diskriminiert schon im Titel, die eingangs beschworene weibliche Siegesgöttin macht es auch nicht besser. (Zu klären wäre, ob die Passage "Der oesterreichische Adler hat schon die Federn verloren" EU-konform ist.) "Auf, Kinder des Vaterlands" hebt Frankreichs "Marseillaise" an, dann folgt es Schlag auf Schlag: Sklaven, Despoten, Tyrannen, Helden, alle männlich. Ein hoffnungsloser Fall - "Despoten und Despotinnen" oder "DespotInnen" ist im Französischen nicht möglich, es kennt keine weiblichen Parallelformen. Nur die Hymne der Europäischen Union - Beethovens Musik der "Ode an die Freude" - entkommt jeder Diskriminierungsgefahr: durch Sprachlosigkeit. Es gibt allerdings einen Textvorschlag auf Latein, der in der deutschen Übersetzung auf Kritik stoßen könnte: "civis" (Latein für männliche und weibliche Bürger) ist darin bloß mit "Bürger" ohne "Innen" übersetzt. Nicht nur die österreichische Hymne wurde bereits als diskriminierend kritisiert: In der BRD gab es eine Petition, die "Vaterland" durch "Heimatland" und "deutsche Frauen, deutsche Treue" (das sei sexistisch) durch "deutsche Menschen, deutsche Treue" ersetzen wollte. In Kanada forderten Frauenrechtlerinnen, statt von der "Vaterlandsliebe aller Söhne" von der "Vaterlandsliebe aller" zu singen. Kritik ist die österreichische Bundeshymne zudem schon lange gewöhnt: Sie war immer schon ein Stiefkind. Nach 1945 wollte die ÖVP die alte Haydn-Hymne "Gott erhalte" wieder einführen, scheiterte mit dem Vorschlag aber im Ministerrat. Also schrieb Unterrichtsminister Felix Hurdes 1947 einen Wettbewerb für einen neuen Bundeshymnentext aus. Den gewann - nach einigem Hin und Her - eine Frau, Paula von Preradovic, die Mutter des Verlegers Fritz Molden: haarscharf übrigens vor RAVAG-Chef Sigmund Guggenberger. Dessen Text heimste weit mehr Höchstbewertungen, aber auch mehr explizite Ablehnung ein - Preradovic wurde schon damals von den meisten als "gutes Mittelmaß" eingestuft. Nicht viel frauenfreundlicher als ihr Text waren übrigens die Männervorschläge: "Volk der Brüder" heißt es bei Alexander Lernet-Holenia, "Lasst uns preisen, brüderlich in hohen Weisen" bei Rudolf Henz. Gleich nach der Einführung der neuen Hymne begannen auch schon die Querelen: "Was weiß Vorarlberg, Tirol, Kärnten oder die Steiermark von der Donau?", schrieb ein empörter Bürger dem Minister. Auch die Musik war umstritten: Sie wurde als antikatholisches Freimaurerlied verunglimpft, die Autorenschaft Mozarts wurde - zu Recht, wie sich später herausstellte - angezweifelt. Hurdes hatte ohnehin den Plan, die Haydn-Hymne bei der nächsten Gelegenheit wieder einzuführen. Doch der sozialistische Koalitionspartner weigerte sich beharrlich. Als das "Deutschlandlied" mit Haydns Musik 1952 wieder offiziell Nationalhymne der BRD wurde, war der Traum des schwarzen Ministers endgültig vorbei. Anfang der 1980er-Jahre setzte sich SPÖ-Staatssekretärin Johanna Dohnal erstmals für eine nicht-diskriminierende Hymne ein, sie wurde allseits belächelt. Der Vorschlag, die Hymne um Töchter zu ergänzen und aus dem Vaterland ein Heimatland zu machen, kehrt seitdem alle Jahre wieder. Madeleine Petrovic brachte 1994 einen Antrag im Parlament ein, LIF-Chefin Heide Schmidt ein Jahr später. Die Erfolge der heimischen Ski-Damen bei der Weltmeisterschaft 1999 entfachten einmal mehr die Diskussion - erfolglos. Und so griff Tini Kainrath, eine der Sängerinnen der "Rounder-Girls", beim Ländermatch Österreich-Kamerun 2002 zur Selbsthilfe: "Großer Töchter, großer Söhne" sang sie vor 32.000 Fußballfans. Die Aufregung war so groß, dass sich ÖFB-Präsident Friedrich Stickler öffentlich für den Auftritt entschuldigte. [tw. aus "Die Presse" v. 29. 9. 2005] |