|
In den Buchläden und im Internet Brasiliens, der größten Demokratie Lateinamerikas, wird derzeit eine neue Auflage von Adolf Hitlers "Mein Kampf" in portugiesischer Übersetzung angeboten und findet laut Händlerangaben wie üblich reißenden Absatz. Keineswegs überraschend - denn das Tropenland ist von Antisemitismus gezeichnet, bot zahlreichen politisch Verfolgten Reichsdeutschen Asyl und hat auffällig viele Hitler-Sympathisanten. Nicht wenige Brasilianer tragen amtliche Vornamen wie Hitler, Himmler oder Eichmann. "Mein Kampf", auf Portugiesisch "Minha Luta", kostet umgerechnet rund 30 Euro und wird von Sao Paulos Verlag "Editora Centauro" als Prachtausgabe angepriesen. Auf dem braunen Hartpappe-Einband sind ein Porträt Hitlers sowie das Foto eines Reichsparteitags zu sehen, bei dem Hitler zwischen grüßenden SA-Leuten eine Tribünentreppe hinaufsteigt, gefolgt von hohen Offizieren. In Lateinamerikas Wirtschafts- und Kulturmetropole Sao Paulo hat natürlich auch die angesehene Spezialbuchhandlung "Martins Fontes" das Buch vorrätig. Sie liegt direkt an der Avenida Paulista, der lateinamerikanischen Wallstreet, und hat neben zahlreichen Banken auch Universitäten und Hochschulen ganz in der Nähe. "Diese neue Ausgabe ist sehr gefragt", sagt ein Fachverkäufer:
Keineswegs nur auf den rechten Websites von Brasilien wird die neue Ausgabe besonders von jüngeren Frauen und Männern regelrecht gefeiert, mit rassenbewußten und antizionistischen Parolen. "Hitler ist der größte Politiker aller Zeiten", heißt es da, "Minha Luta" sei ein sehr gutes, ein geradezu phantastisches Werk. Renommierte Sozialwissenschaftler, darunter die Historikerin Maria Luisa Tucci Carneiro von der Bundesuniversität in Sao Paulo erinnern in diesem Kontext daran, dass in Brasilien der Diktator Getulio Vargas, ein Hitlerverehrer und erklärter Antisemit Judenhasser, bis heute auch offiziell außerordentlich verehrt wird, erst 2003 wurde für Vargas in Rio de Janeiro ein großzügig gestaltetes Memorial eingeweiht. Bis 1942 kooperierte Vargas sogar eng mit der Gestapo. Per Geheimdekret wurde Tausenden von Juden die Einreise verweigert - viele in Brasilien lebende wurden nach Deutschland deportiert. Erst 1942 brach Diktator Vargas mit dem Deutschen Reich, um nicht auf der Verliererseite zu stehen, beugte sich dabei auch dem Druck der USA. Nach 1945 gab Brasilien zahlreichen Funktionären des Dritten Reiches wie Josef Mengele Unterschlupf und Aufstiegschancen, und noch 1949, vier Jahre nach Kriegsende, wurden Einreisevisa für Juden per Geheimdekret verboten. Das offizielle Argument: Es handele sich um Überlebende der KZs, also psychisch gestörte Leute, an denen Brasilien kein Interesse haben könne. Der polnische Jude Aleksander Laks war in Auschwitz, ist heute in Rio de Janeiro Präsident der örtlichen Vereinigung von Holocaustübrtlrbrnden. Laks ist stark enttäuscht, dass auch die jetzige Regierung weder amtliche Vornamen wie Hitler oder Himmler verbieten lässt, noch z. B. Hakenkreuze aus Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden entfernt. "Es gibt hier Nazis, auch entsprechende Websites, es gibt Antisemiten, die den Holocaust bestreiten. Selbst Kleiderständer in den großen Modegeschäften haben hier ein Hakenkreuzdesign, es ist kaum zu fassen." Und Rios Rabbiner Nilton Bonder betont: "Antisemitismus in Brasilien ist eher unorganisiert, aber das Land ist gegenüber Juden voller Vorurteile. Viele davon stammen aus der iberischen Kultur - denn Länder wie Spanien sind bis heute extrem antisemitisch. Es gibt Skinheads, die Juden hassen - und Hitler wird hier in Brasilien als berühmte Persönlichkeit angesehen." Brasiliens heutiger Staatspräsident Luis Inacio Lula da Silva hatte bereits als Gewerkschaftsführer im Jahre 1979 klargestellt, wie er zu Hitler steht. In einem Interview sagte Lula damals: "Hitler irrte zwar, hatte aber etwas, das ich an einem Manne bewundere - dieses Feuer, sich einzubringen, um etwas zu erreichen. Was ich bewundere, ist die Bereitschaft, die Kraft, die Hingabe." [4. Oktober 2007] |
|
Nach einer Mitteilung des Londoner Auktionshauses Bloomsbury hat ein anonymer Käufer am 26. 10. 2005 für eine vom Autor signierte Ausgabe von Hitlers "Vier Jahre Kampf gegen Lügen, Dummheit und Feigheit" aus dem Jahre 1925 66000 US-Dollar bezahlt. Das Werk wurde dann als erster Band von "Mein Kampf" vertrieben und später gemeinsam mit dem zweiten Band als ein Buch herausgegeben. Bei der Auktion wurde u. a. auch ein signiertes Photo von Hitler mit Chamberlain aus dem Jahre 1938 angeboten. [30. Oktober 2005] |
|
Adolf Hitlers "Mein Kampf" darf künftig in Polen und den polnisch verwalteten Gebieten Ostdeutschlands nicht mehr verkauft werden. Nach einer Klage des Freistaats Bayern nahm der Breslauer Verlag XXL die Neuauflage des Buches aus dem Handel und verpflichtete sich, die noch nicht ausgelieferten Exemplare zu vernichten, wie das Finanzministerium als Inhaber der Verwertungsrechte am 30. 9. 2005 mitteilte. Die Einigung sei gütlich zustande gekommen. Insgesamt hatte der Verlag 3.000 Exemplare gedruckt, von denen die Justiz 128 beschlagnahmt hatte. Auch die polnische Staatsanwaltschaft hatte sich wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und Verbreitung nationalsozialistischer Ideen eingeschaltet. Der Rechtsstreit hatte im Februar 2005 begonnen und wurde am 29. 9. durch die gütliche Einigung beendet. |
|
Unter dem türkischen Titel "Kavgam" hat das Buch in der Türkei bisher mindestens 40 Auflagen erlebt. Es findet sich in fast jeder Buchhandlung am Bosporus - irgendwo zwischen den politischen oder den ausländischen Werken. "Ein Klassiker", wie der Klappentext betont. Der Autor habe eine ganz neue Theorie entwickelt, einen Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus - oder so ähnlich. Neuerdings freilich ist der Führer sogar auf Platz fünf der türkischen Bestsellerliste vorgestoßen. 13 Verlage haben das Buch gleichzeitig neu herausgebracht - und davon seit Jahresbeginn etwa 50.000 Exemplare verkauft. Wie kommt der tote Autor zu diesem Erfolg? Ümit Özdag von der Zeitung "Vatan" ("Das Vaterland") glaubt, die Antwort zu kennen. Er sieht Parallelen zwischen dem Deutschland der Zwischenkriegszeit und der Türkei der Gegenwart. So wie die Deutschen damals - von Hitler angestachelt - "die Juden" als Sündenböcke betrachteten, so sehen heute viele Türken die Kurden als Feindbilder. Den Krieg gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK hätten sie zwar gewonnen, doch jetzt müssten sie erleben, wie die Minderheit ihre Forderungen auf anderem Weg durchsetze. Ganz falsch liegt Özdag mit seiner Erklärung für die Aktualität Hitlers in der Türkei wohl nicht. Die Beliebtheit des Buches "Mein Kampf" wächst nämlich parallel zu den Reformen, die die EU der Türkei verordnet hat. Und darunter sind eben auch viele Neuerungen, welche die Stellung der Kurden betreffen. Außerdem erhält "Kavgam" Schützenhilfe von einer ganzen Reihe einschlägiger Fachbücher: Da haben Autoren herausgefunden, dass Sultan Mehmet II., der Eroberer Istanbuls, von einem jüdischen Arzt vergiftet wurde. Nur das habe den begabten Eroberer daran gehindert, nach der christlichen Metropole im Osten auch noch Rom im Westen zu erobern. An anderer Stelle eine angebliche wissenschaftliche Entdeckung behauptet, wonach Kurden und Juden die gleichen Gene hätten. Solche, derzeit in der Türkei wieder verbreitete Ideen, haben den Boden für den Verkaufserfolg von "Kavgam" bereitet. [18. März 2005] |
|
Das oberste Gericht der Tschechischen Republik hat am 10. 3. 2005 ein Urteil gegen einen Verleger aufgehoben, der 2000 eine tschechischsprachige Ausgabe von Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" veröffentlichte. Das Gericht gelangte nach Angaben einer Sprecherin zu der Auffassung, dass der Verleger Michal Zitko keine strafbare Handlung beabsichtigt habe. Es bezeichnete aber die Herausgabe des Buchs als "unglücklich und geschmacklos". Von dem Buch waren bereits rund 90.000 Exemplare verkauft worden, als die Behörden einschritten. Zitko wurde 2001 in Prag wegen Förderung des Nationalsozialismus zu drei Jahren Haft mit Bewährung und einer Geldstrafe von zwei Millionen tschechischen Kronen (rund 68.000 Euro) verurteilt. Die nächsthöhere Instanz hob das Urteil auf Grund von Verfahrensfehlern auf. Bei der Neuverhandlung 2002 wurde Zitko erneut schuldig gesprochen, die Haftstrafe aber auf 22 Monate reduziert. Sowohl Zitko als auch die Staatsanwaltschaft legten Revision ein. Im vergangenen Jahr stellte das Stadtgericht Prag das ursprüngliche Strafmaß von drei Jahren wieder her, nachdem Sachverständige nicht ausgeschlossen hatten, dass das Buch die im Lande aktiven Neonazis beeinflussen könnte. Zitko legte Beschwerde beim obersten Gericht ein, das ihr nunmehr stattgab. Eine erste tschechische Übersetzung von "Mein Kampf" war 1936 veröffentlicht worden. Ein 1993 erschienenes Buch, das nur Auszüge aus Hitlers Werk und zudem Kommentare des früheren tschechoslowakischen Außenministers Jiri Hajek enthielt, wurde nicht verboten. [11. März 2005] |