Maulkorb für die Sigmund Freud - Gesellschaft Wien Die Sigmund Freud - Gesellschaft Wien wollte den in den USA lebenden palästinensischen Professor Edward Said zu einem Vortrag zum Geburtstag Sigmund Freuds am 5. 5. 2001 nach Wien einladen. Prof. E. Said, der Englisch und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia Universität lehrt, sollte über die Interessen Freuds an den antiken Kulturen Palästinas und Ägyptens sowie Griechenlands berichten.
Da Prof. Said als engagierter Befürworter der Rechte der Palästinenser bekannt ist, regte sich bei der Mehrheit der Präsidiumsmitgliedern der Freud-Gesellschaft bald Widerstand gegen die Einladung des Professors. Es wurde ihm sogar vorgeworfen, israelische Soldaten mit Steinen beworfen zu haben. Schließlich sah sich der Direktor der Wiener Freud - Gesellschaft, August Schülein veranlaßt, den Professor wieder auszuladen. Er schrieb an E. Said, wegen der politischen Entwicklung im Nahen Osten und der erwarteten Konsequenzen müsse die Einladung wieder rückgängig gemacht werden. In einem Interview mit der New York Times erklärte Schülein, durch die pro-nazi und anti-Einwanderungsparolen Jörg Haiders sei unter den in Österreich lebenden Juden ein Klima der Angst und Furcht entstanden, das man nicht durch einen Befürworter Palästinas noch verschlimmern wolle. Der Antisemitismus in Österreich habe in Österreich wieder zugenommen, seitdem die Koalition mit der Haiderpartei zu einer mächtigen politischen Kraft wurde, meinte Schülein.
Prof. Said sagte zu den Vorwürfen, er habe nie Steine auf israelische Soldaten geworfen, sondern im Juli 2000 aus Freude über den Abzug Israels aus dem Libanon gemeinsam mit seinem Sohn symbolisch Steine in Richtung eines israelischen Grenzpostens geworfen, der mindestens einen Kilometer entfernt war. E. Said kritisierte die Wiener Freud Gesellschaft, im Gegensatz zu Freud nicht weltoffen zu sein. Im Gegensatz dazu sei Freud selbst auch für fremde Kulturen wie die in Ägypten oder Palästina empfänglich gewesen.
Nach der Absage aus Wien wurde Prof. E. Said vom Freud - Museum in London eingeladen, wo er am 5. 5. den ursprünglich für Wien vorgesehenen Vortrag halten wird.
[10. März 2001]