Kristina Söderbaum 1912 - 2001

In einem Pflegeheim in Niedersachsen verstarb am 12. 2. 2001 die Schauspielerin Kristina Söderbaum im 88. Lebensjahr. Die aus Schweden stammende Entdeckung und spätere Frau des  des Ufa - Regisseurs Veit Harlan war gemeinsam mit der Revue-erprobten Maria Rökk und der "tragischen" Zarah Leander eine der großen und beliebtesten Frauendarstellerinnen des deutschen Filmes.

Die Kindfrau mit der mädchenhellen Stimme spielte kecke Nixen oder Störerinnen der Eheruhe, wirkte aber auch in  Propagandafilmen wie Jud Süß oder ernsten Streifen wie Kolberg  mit. Erotisches Aufbegehren wurde symbolisch streng mit einer Krankheit zum Tode oder mit Selbstmord geahndet - weswegen sich die Söderbaum mit dem Kosenamen "Reichswasserleiche" schmücken durfte.  Söderbaums Karriere war eng mit dem Schicksal ihres Ehemannes Veit Harlan verknüpft. Veit Harlan gab ihr die Hauptrolle in "Jugend" mit Max Halbe, einem der erfolgreichsten Filme 1937. Sie heiratete Harlan und wurde eine der populärsten Schauspielerinnen im Dritten Reich. In "Verwehte Spuren" (1938) mimte sie die hilflose Schutzbedürftige, in "Die goldene Stadt" (1942) die unehrenhaft geschwängerte, vom Vater verstoßene Tochter, in "Immensee" (1943) die vernachlässigte Ehefrau und in "Opfergang" (1944) die romantische Geliebte. 1940 spielte Söderbaum in  "Jud Süß" von Veit Harlan, 1944 in dem Film "Kolberg". Auch nach dem Krieg drehte das Paar wieder, Harlan wurde 1950 nach Prozessen um "Jud Süß" freigesprochen, an frühere Erfolge konnte Söderbaum nicht anknüpfen. Sie machte sich aber als Photographin einen Namen. 1974 trat sie in einem Syberberg-Film über Karl May auf. Die Tochter eines Chemieprofessors musste mit ansehen, wie Harlans Stern trotz Freispruches von Anklagen nach 1945 allmählich versank. Zwei Jahre nach seinem Tod baute sie sich 1966 als Fotoreporterin eine neue Existenz auf. 

[13. Februar 2001]

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