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BBC berichtete am 20. 7. 2004 "Irak-Müdigkeit" greife um sich, womit angedeutet werden sollte, daß Tony Blair, nachdem er eine weitere Attacke im Unterhaus überstanden hatte, nichts mehr zu fürchten habe. Im Herbst werden die Abgeordneten Angelegenheiten der Innenpolitik behandeln. Wir werden nichts mehr von den Lügen hören, die das Land in den Krieg lockten. Das mag sein, immerhin, eine der ungeheuerlichsten Lügen betreffend Irak wurde so oft wiederholt, daß sie sich in eine Art von Faktoid verwandelt hat. Blair behauptete diese Woche wieder, Saddam Hussein habe die Waffeninspektoren 1998 ausgewiesen. Das war eine Lüge, aber eine Lüge die so oft wiederholt wurde, daß sie bereits eine geisterhafte Patina von Wahrheit umgibt. Der Grund, daß die Waffeninspektoren Irak im Dezember verließen war, daß Bill Clinton sie zum Verlassen des Landes veranlaßte, um seine Bombenoffensive starten zu können. Der Chef der damaligen Inspektionseinheit UNSCOM, Richard Butler, erinnert sich in seinen Memoiren an ein Telephonat vom 15. Dezember 98 mit Clintons UN-Gesandten Peter Burleigh: "Er informierte mich, daß es zweckmäßig wäre, für die Sicherheit und den Schutz des UNSCOM-Personals zu sorgen....Ich antwortete ihm, ich würde seinen Rat befolgen und das Personal abziehen..." Die Inspektoren begannen mit dem Abzug am selben Tag, ohne Wissen oder gar Einverständnis der UNO selbst. Am folgenden Tag drückte der UN-Sicherheitsrat sein Befremden darüber aus, daß er nicht konsultiert wurde. Zur gleichen Zeit wurden bereits durch US-Bomben auf Bagdad vollendete Tatsachen geschaffen. Einer der Gründe, daß diese Lüge vielleicht die erfolgreichste in der Litanei von Lügen die zum Irak-Krieg führten war ist, daß so viele ein großes Interesse an ihr haben. Robin Cook und Clare Short waren waren z. B. zu dieser Zeit Kabinettsmitglieder und äußerten keine Bedenken. Und die leichtgewichtige Antikriegsfraktion, die gerne alle Übel des Krieges den korrupten Plänen des Bush-Clans anlasten will weigert sich zuzugeben, daß Bush die Irak-Politik seines Vorgängers nicht änderte, sondern nur fortsetzte. In seinem sehr unterhaltsamen, aber politisch seichten Film Fahrenheit 9-11 umgeht Michael Moore diese Schwierigkeit, indem er jede Erwähnung von Clintons Bombardement vermeidet. Die Reservelüge der Kriegstreiber für den seltenen Fall, daß sie mit der Wahrheit konfrontiert werden ist zu behaupten, Saddam behinderte die Arbeit der Inspektoren und ließ sie in die Irre laufen. Das ist jedoch nicht wahr. In seinem unschätzbaren "Irak - Lügen, Halbwahrheiten und Auslassungen" (neuerdings wieder verfügbar ) zitiert David Morrison Richard Butlers Abschlußbericht vom Tag bevor er von Clintons Gesandten zum Rückzug aufgefordert wurde: UNSCOM Inspektoren haben im vergangenen Monat ca. 300 Örtlichkeiten aufgesucht, nur in fünf davon gab es Probleme mit dem Zutritt und in keinem wurde der Zutritt verweigert. Clinton, mit Blairs stillschweigendem Einverständnis, befahl den Inspektoren nicht deswegen den Irak zu verlassen, weil sie in ihrer Arbeit behindert wurden, sondern weil ihre Arbeit zu gut voranging. Es bestand die Aussicht, daß der UNO nichts anderes übrigbleiben werde, als die Aufhebung der Sanktionen zu fordern, eine erschreckende Vision für die britischen und amerikanischen Kriegstreiber. So schickten sie die Bomber und begannen die große Lüge zu verbreiten, mit der sie erfolgreich weiterarbeiteten. Die zweiterfolgreichste der Irak-Lügen ist, daß Bush und Blair deswegen beschlossen, ohne zweite Sicherheitsratsesolution im Irak einzumarschieren, weil Frankreich drohte, unter allen Umständen ein Veto einzulegen. Das ist auch nicht wahr, aber es wird tagein tagaus wiederholt, als sei es unbestreitbar. So möge sich Blair trösten, wenn der Herbst kommt, wird unbarmherzige Wiederholung auch seine neueren Lügen in scheinbare Wahrheit verzaubert haben. Allerdings, wenn Journalisten ihren Job ebenso gewissenhaft machen würden wie die Inspektoren den ihren, wäre er nie damit durchgekommen. 22. Juli 2004
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