Wessen Krieg ?

Die neokonservative Clique versucht unser Land in eine Serie von Kriegen zu verwickeln, die nicht in Amerikas Interesse sind.

Die Kriegspartei hat jetzt ihren Krieg. Sie hat aber auch etwas, das sie sich nicht wünschte. Ihre Mitgliedsliste und ihre Verbindungen wurden aufgedeckt und ihre Motive bloßgestellt. In einem einmaligen Augenblick des US-Journalismus stellte Tim Russert diese Frage direkt an Richard Perle: "Können sie den amerikanischen Zusehern versichern, daß wir in dieser Situation gegen Saddam Hussein und seiner Entmachtung im Interesse der amerikanischen Sicherheit vorgehen ? Und welcher Zusammenhang besteht hier in Beziehung zu Israel ?

Plötzlich war die Beziehung zu Israel auf dem Tisch und die Kriegspartei war nicht erfreut..........................

..Was diese Neokonservativen wollen ist Amerika zu verpflichten, mit amerikanischen Blut die Welt für Israel sicher zu machen. Sie wollen dem Islam den Frieden des Schwertes aufzwingen und wenn nötig, amerikanische Soldaten dafür sterben zu lassen. Der Kommentator der Washington Post, Arnaud de Borchgrave, nennt das die Bush-Sharon Doktrin. "Washingtons Likudniks" schreibt er "haben die US-Politik im Nahen Osten gesteuert seitdem Bush angelobt wurde."

Baghdad Apr. 9, 2003

Die Neocons wollen das amerikanische Empire und die Sharonites die Vorherrschaft im Nahen Osten. Beide Vorhaben passen genau zusammen. Und obwohl die Neocons behaupten, daß der 11. September der Grund für einen Krieg gegen den Irak und den militanten Islam sei, stammen ihre Kriegspläne aus einer viel früheren Zeit. 

Die Vorherrschaft absichern

Der Hauptplaner ist Richard Perle, ein Mitarbeiter von Senator Scoop Jackson, der 1970 von den Behörden dabei abgehört wurde, wie er Geheiminformationen des Nationalen Sicherheitsrates mit der israelischen Botschaft diskutierte. In "Juden und die amerikanische Politik", herausgegeben 1974, schrieb Stephen D. Isaacs: "Richard Perle und Morris Amitay kommandieren eine kleine Armee von Philosemiten im amerikanischen Kongreß und sie steuern den jüdischen Einfluß im Interesse Israels. 1983 berichtete die New York Times, daß Perle größere Zahlungen von einem israelischen Waffenproduzenten erhalten habe. 1996 schrieb Perle mit Douglas Feith und David Wurmser:" Ein klarer Neubeginn: Eine neue Strategie um die Vorherrschaft abzusichern" für Premierminister Netanyahu. Darin empfehlen Perle, Feith und Wurmser Bibi (Netanyahu), den Vertrag von Oslo des ermordeten Yitzak Rabin loszuwerden und eine neue aggressive Strategie zu verfolgen. 

Israel kann sein strategisches Umfeld in Zusammarbeit mit der Türkei und Jordanien gestalten und Syrien in Schach halten  oder sogar zurückdrängen. Als ein Mittel um Syriens regionale Ambitionen zu untergraben kann man sich darauf konzentrieren, Saddam Hussein im Irak zu entmachten - an sich schon ein wichtigen Ziel Israels. Jordanien hat unlängst Syriens regionale Ambitionen bedroht indem es die Restauration des hashimitischen Königshauses im Irak vorschlug. 

In der Perle-Feith-Wurmser Strategie bleibt Syrien Israels Hauptfeind, aber der Weg nach Damaskus geht durch Bagdad. Ihr Plan, der schon Israel empfahl, das Prinzip des vorbeugenden Erstschlages wieder anzuwenden, wurde jetzt durch Perle, Feith Wurmser & Co. den Vereinigten Staaten aufgezwungen.

In seiner eigenen Schrift "Eine Strategie für Israel" von 1997 schlug Feith vor, Israel solle die Gebiete unter Kontrolle der palästinensischen Regierung wieder besetzen, obwohl der Preis in Blut hoch sein werde.

Wurmser, ein Professor am American Enterprise Institute (AEI), entwarf gemeinsame Kriegspläne für Israel und die USA, "um die Zentren des Radikalismus im Nahen Osten tödlich zu treffen". Israel und die Vereinigten Staaten sollen den Konflikt ausweiten und tödlich zuschlagen und die Zentren des Radikalismus in der Region - die Regime in Damaskus, Bagdad, Tripolis, Teheran und Gaza - nicht bloß entwaffnen. Das würde in der Region die Erkenntnis reifen lassen, daß ein Konflikt mit den Vereinigten Staaten oder Israel Selbstmord ist.

Er forderte beide Nationen auf, nach einer Krise Ausschau zu halten, denn er schrieb: Krisen können ein Vorwand sein. Wurmser publizierte seinen US-israelischen Kriegsplan am 1. Januar 2001, neun Monate vor 9-11.

Über die Perle-Feith-Wurmser Intrigen schreibt der Autor Michael Lind:
Die radikale zionistische Rechte, zu der Perle und Feith gehören, ist klein an Zahl aber sie wurde eine einflußreiche Macht in Kreisen, die die Politik der Republikaner bestimmen. Es ist eine neue Entwicklung die in den späten 70er und 80er Jahren begann, als sich viele früher demokratische jüdische Intellektuelle der breiten Reagan-Koalition anschlossen. Während viele dieser Falken in der Öffentlichkeit über globale Kreuzzüge für Demokratie sprechen, ist die wahre Sorge vieler solcher "Neo-Konservativer" die Macht und das Ansehen Israels.

Perle ist heute Vorsitzender des Verteidigungspolitik-Boards, Feith ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Wurmser ist Spezialassistent des Staatssekretärs im  Außenministerium, John Bolton, der pflichtfertig die Perle-Sharon Linie unterstützt. Laut der israelischen Tageszeitung Haaretz sagte Staatssekretär John Bolton bei einem Treffen mit israelischen Beamten, er habe keinen Zweifel, daß Amerika den Irak angreifen werde und daß es notwendig sei, nachher mit den Bedrohungen von Syrien, Iran und Nordkorea fertigzuwerden.

Am 26. Januar 1998 erhielt Präsident Clinton einen Brief, in dem er aufgefordert wurde, in seiner State of the Union Rede zu erklären, daß die Entmachtung Saddam Husseins und militärische Gewalt anzuwenden ein Ziel amerikanischer Außenpolitik sei, da diplomatische Bemühungen fehlgeschlagen seien. Die Unterzeichner des Briefes versprachen "volle Unterstützung in diesem schwierigen aber notwendigen Unternehmen", wenn Clinton ihre Forderungen erfüllen würde. 
Dieses Schreiben war unterzeichnet von Elliott Abrams, Bill Bennett, John Bolton, Robert Kagan, William Kristol, Richard Perle und Paul Wolfowitz. Vier Jahre vor 9-11 hatten die Neocons Bagdad im Visier.
 
 

Die Wolfowitz-Doktrin

Im Jahre 1992 wurde ein merkwürdiger Plan aus dem Pentagon-Büro von Paul Wolfowitz bekannt. Barton Gellman von der "Washington Post" nannte es einen "geheimen Plan, der helfen soll, die Richtung der Nation für das nächste Jahrhundert festzulegen."  Das Wolfowitz-Papier forderte eine ständige militärische Präsenz der USA auf sechs Kontinenten, um alle potentiellen Konkurrenten davor abzuschrecken, eine größere regionale oder weltweite Rolle spielen zu wollen. Eindämmung, die siegreiche Strategie des kalten Krieges, sollte einer ambitionierten neuen Strategie weichen, die eine neue Ordnung errichten und erhalten sollte.

Obwohl das Wolfowitz-Memorandum 1992 verurteilt und abgelehnt wurde, wurde es in der 33-seitigen Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS), die Präsident Bush am 21. September 2002 verkündete, amerikanische Politik. Der Reporter der "Washington Post" TimReich bezeichnet es als "eine Wasserscheide der amerikanischen Außenpolitik" die "die fundamentalen Prinzipien umkehrt, die die Präsidenten für mehr als fünfzig Jahre geleitet haben: Eindämmung und Abschreckung."

Andrew Bacevich, ein Professor der Boston Universität schreibt über die NSS, daß er die Vereinigung von atemberaubender Utopie mit kaum verhüllter Machtpolitik bewundere. Sie liest sich nicht als wäre sie ein Produkt nüchterner, angeblich konservativer Republikaner, sondern wie eine unwahrscheinliche Zusammenarbeit von Woodrow Wilson und dem ehrwürdigen Feldmarschall von Moltke."

Bezüglich der Konfrontation mit Amerikas Gegnern erklärt die Schrift: "Wir werden nicht zögern, wenn nötig alleine zu handeln, um unser Recht der Selbstverteidigung vorbeugend durch eine präventiven Erstschlag auszuüben. Es wird jede Nation, die die gleiche Stärke wie die Vereinigten Staaten erreichen will gewarnt, daß dadurch ein Krieg mit den Vereinigten Staaten entstehen kann: Der Präsident hat nicht die Absicht, irgendeiner Nation zu erlauben, die große Überlegenheit der USA aufzuholen, die sich seit dem Fall der Sowjetunion in mehr als einem Jahrzehnt entwickelt hat... Unsere Streitkräfte sind stark genug, um potentielle Gegner davon abzuhalten, in der Hoffnung  militärisch aufzurüsten, die Macht der Vereinigten Staaten zu übertreffen.

Amerika muß sich mit einem neuen Zeitalter des "Nationbildens
in großem Ausmaß und ohne Exit-Strategie" abfinden, lehrt Robert Kagan. Aber diese "Pax Americana", die die Neocons im Sinn haben, wird uns ein Zeitalter bescheren, das man kennzeichnen kann mit "immerwährender Krieg für immerwährenden Frieden".
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Pat Buchanan

[Auszüge aus: Pat Buchanan: "Whose War ?", THE AMERICAN  CONSERVATIVE , March 24, 2003] 

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