Der Sprengstoff kam vom Verfassungsschutz

In der vorletzten Ausgabe der Nationalzeitung berichteten wir unter der Schlagzeile „Die ‚rechten’ Geheimdienst-Bomben“ über das Ergebnis der langjährigen Ermittlungen des Dr. Daniele Ganser (Forschungsstelle für Sicherheitspolitik an der TH Zürich), die er in seinem kürzlich in London erschienenen Buch „NATO’s Secret Armies“ publiziert hat. Demzufolge war die von den Geheimdiensten CIA (USA) und MI6 (England) ausgebildete und mit dem NATO-Hauptquartier in Brüssel vernetzte Untergrundtruppe „Gladio“ in die Bombenanschläge 1980 auf das Münchner Oktoberfest und den Bahnhof von Bologna verwickelt. Etablierte Politiker und Medien hatten die Massaker fälschlich den Rechten angelastet.

Jetzt bricht eine weitere antirechte Terror-Lüge endgültig zusammen: Der versuchte Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstraße vom 9. November 1969 und die zeitgleiche Beschmierung jüdischer Gedenkstätten gingen nicht etwa auf das Konto „rechtsradikaler Antisemiten“. Die kriminelle Aktion wurde aus der linksextremen, „antifaschistischen“ Szene heraus verübt. Und: Wieder einmal hatte ein Geheimdienst, in diesem Fall der so genannte Verfassungsschutz, seine Finger im schmutzigen Spiel. Das Attentat war zur massiven Verbotshetze gegen Dr. Freys National-Zeitung genutzt worden.

Höllenmaschine am „Kristallnacht“-Tag

Die Höllenmaschine, im Berliner Jüdischen Gemeindehaus 1969 genau am Jahrestag der grauenhaften antisemitischen Ausschreitungen von 1938 („Reichskristallnacht“) deponiert, konnte noch rechtzeitig entdeckt und entschärft werden. Der Vorfall bewegte die Öffentlichkeit mächtig. Die Medien beschäftigten sich in großer Aufmachung damit. Trotz der Hinweise der Ermittlungsbehörden damals schon auf einen mutmaßlichen linksextremen Hintergrund lenkten zahlreiche Presseorgane und etablierte Politiker den Verdacht auf „rechtsradikale Kreise“. In gewohnter Manier versuchte man, die gesamte politische Rechte mit dem Terror-Vorwurf zu belasten und rechtes Gedankengut auf diese Weise mit Judenfeindschaft und Gewalt zu kontaminieren.

Munitioniert wurden die antirechten Meinungsmacher u. a. vom „Bund der Verfolgten des Naziregimes“. Dieser richtete am Tag nach der Entdeckung der Bombe im Jüdischen Gemeindehaus einen öffentlichen Appell an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Schütz (SPD). Der Offene Brief enthielt die Aufforderung, als Konsequenz aus dem versuchten Attentat das Verbot der NPD „durchzudrücken“. Zudem verlangte die Veteranenvereinigung von NS-Verfolgten das Verbot der „volks- und rassenverhetzenden National-Zeitung“. Dabei hatte gerade die National- Zeitung die offenbar richtige Witterung. „Bomben-‚Argumente’ von links. Schurkenstreich gegen Berliner Juden“ lauteten ihre Schlagzeilen nach Bekanntwerden des vereitelten Anschlags vom 9. November 1969.

„Sprengsatz stammte vom Verfassungsschutz“

„Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus“ lautet der Titel eines demnächst erscheinenden Buches des Politikwissenschaftlers Dr. Wolfgang Kraushaar mit Nachweisen, dass der versuchte Anschlag auf das Kerbholz von Linksextremen mit V-Amts-Verwicklung ging. Kraushaar, Jahrgang 1948, ist gänzlich unverdächtig, ein „Reinwäscher von Rechtsradikalen“ zu sein. Er gehört seit langem zum Mitarbeiterstab von Reemtsmas Hamburger „Institut für Sozialforschung“.

Am Dienstag voriger Woche, 28. Juni, wartete die „Frankfurter Allgemeine“ mit Einzelheiten aus Kraushaars Ermittlungen auf. Das Blatt schrieb titelseitig: „Nach mehr als 35 Jahren ist der geplante Anschlag auf die Jüdische Gemeinde von Berlin am 9. November 1969 aufgeklärt. Der Täter, der die Bombe legte, die entschärft werden konnte, hat sich offenbart. Er bereut heute seine ‚üble Tat’. Verantwortlich war die linksextreme Gruppe ‚Tupamaros West-Berlin’, als deren Kopf der Kommunarde Dieter Kunzelmann angesehen wird. Der Sprengsatz stammte von einem V-Mann des Verfassungsschutzes.“ Im Innenteil brachte die „FAZ“ weitere Einzelheiten: „Wolfgang Kraushaar ist es nach mehr als 35 Jahren gelungen, den 1970 untergetauchten und seitdem im Ausland lebenden Bombenleger ausfindig zu machen. Es ist der Ex-Kommunarde Albert Fichter.“ Kraushaar selbst schreibt: „Die Bombe stammte von einem agent provocateur des West-Berliner Amtes für Verfassungsschutz.“ Auch die Beschmierung verschiedener Mahnmale für NS-Opfer mit Parolen wie „Schalom + Napalm“ sei von linksextremen „Tupamaros“ begangen worden.

Im Hexenkessel der Geheimdienste

Über die Hintergründe mutmaßt die „FAZ“: „Im November 1969 war die Suche der Rebellen nach dem weltweiten ‚revolutionären Subjekt’ bei den Palästinensern angekommen. Die ‚internationale Solidarität’ sollte nun auch den Kampf gegen Israel einschließen. Viele der später prominenten Linken pilgerten in den Nahen Osten, sei es, um Jassir Arafat zu treffen, sei es, um sich von palästinensischen Guerilla-Gruppen militärisch ausbilden zu lassen. In diesem Zusammenhang stand der versuchte Anschlag auf die Jüdische Gemeinde in Berlin im November 1969.“

Die Vorstellung aber von Palästinensern als „eigentlichen Drahtziehern“ des versuchten Anschlags auf das Jüdische Gemeindehaus, womöglich unter Beteiligung von Arafat selbst, erscheint zu eindimensional - zurückhaltend ausgedrückt. Von den Auswirkungen her drohte bei einem solchen Verbrechen auch für die palästinensische Sache schwerster Ansehensschaden.

Wer damals „in den Nahen Osten pilgerte“, begab sich in einen Hexenkessel unterschiedlichster Geheimdienstaktivitäten. Israels Mossad beispielsweise mischte auch bei palästinensischen Gruppen mit, die in der westlichen Welt militant in Erscheinung traten. Und es gab (und gibt) intensive Mossad-Verbindungen zu Geheimdiensten der Bundesrepublik, zu denen ja auch der Verfassungsschutz gehört.

Weiterführend:
SCHWEINEJOURNALISMUS? Wenn Medien hetzen, türken und linken. Die von Dr. Thomas Mehnert herausgegebene  Dokumentation (400 S., Euro 24,90) enthüllt insbesondere Hintergründe des Zusammenspiels zwischen Meinungsmachern und Geheimdiensten, die rechte Gewalt fingieren. 

Aus  Nationalzeitung  vom 8. . Juli 2005
 

Mordverdächtiger war Agent des Verfassungsschutzes >>

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