Aufrufe gegen Antisemitismus und Rassismus haben am 16. 3. 2005 die Eröffnung des erweiterten  Holocaust-Museums Jad Vaschem in Jerusalem begleitet. Im Beisein zahlreicher Staats- und Regierungschefs durchschnitt Israels Präsident Mosche Katzav ein Band und erklärte das Museum am Jerusalemer Herzl-Berg für eröffnet. In Anlehnung an die jüdische Tradition zur Einweihung von Gebäuden befestigte er eine "Mesusa", eine kleine Thora-Rolla, am Rahmen der Eingangstür. Das neue Museum ergänzt die 1953 geschaffene Gedenkstätte, mit der Israel die Erinnerung an die sechs Millionen Opfer des Holocaust wachhalten will. Bundesaußenminister Joschka Fischer bekannte sich abermals zur historisch-moralischen Verantwortung Deutschlands für die Shoah. Fischer hat in Jerusalem die besondere moralische Verantwortung Deutschlands bekräftigt. Vor einem Treffen mit Vize-Ministerpräsident Schimon Peres sprach er von einem "ganz besonderen Besuch". Der Holocaust sei der "dunkelste Moment" der deutschen Geschichte. An dem Existenzrecht Israels sei nicht zu rütteln.

Ca. 40 Staatsmänner inklusive UN-Generalsekretär Kofi Annan hatten sich in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem eingefunden, um das erweiterte Museum zu würdigen. Fischer sagte: "Es ist ein Ort der Erinnerung an die Opfer eines grauenhaften Verbrechens, der Shoah." Gleichzeitig bezeichnete er das Museum auch als Ort des Andenkens an die "Bewahrer der Menschlichkeit", die Juden gerettet haben. "Und es ist ein Ort tiefer Scham für einen Deutschen. Denn der Name meines Landes, Deutschland, ist und bleibt mit dem Menschheitsverbrechen der Shoah untrennbar verbunden." Fischer rief dazu auf, den Holocaust als ständige Mahnung zu betrachten: "Wir müssen jede Form von Antisemitismus, aber auch Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Rassismus ächten und entschlossen bekämpfen."

Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin mahnte, dass das Wiederaufleben von Rassismus und Antisemitismus in Europa ein Tatbestand sei, den man nicht ignorieren dürfe. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte, das Gedenken an die Holocaust-Opfer müsse stets im Gedächtnis aller Menschen eingeprägt sein, so wie die ewige Flamme in Jad Vaschem immer brennen werde. Früher war es üblich, deutschen Besuchern zum Zeichen ihres Schuldbewußtseins und zur Sühne die Gasflamme in Jad Vaschem stärker aufdrehen zu lassen. Als Bundeskanzler Schröder bei seinem Besuch in Jad Vaschem an der Reihe war, hat er die Flamme irrtümlich abgedreht, und Finsternis umhüllte die Sühnenden. Seitdem ist dieser spezielle Sühnehandlung abgeschafft... 

Holocaust-Gedenken in der UNO

Israels Außenminister Silvan Schalom hat die historische Bedeutung der UN-Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 60 Jahren gewürdigt. Es handle sich um ein "historisches Ereignis von weltweiter Tragweite und um einen politischen Erfolg Israels", sagte Schalom dem staatlichen israelischen Rundfunk. Zahlreiche Delegierte der UN-Vollversammlung nahmen am Nachmittag (EST) des 24. 1. 2004 in New York an der Sondersitzung zur Holocaust-Gedenkfeier teil.

In der Vollversammmlung der Vereinten Nationen, in der eine Mehrheit gegen Israel sei, werde sein Land seit Jahrzehnten "systematisch angegriffen", sagte Schalom. Die Gedenkveranstaltung werde möglicherweise "einen Wandel einleiten". Angesichts der Kritik aus der UNO sei es paradox, dass die Rechtmäßigkeit des 1948 gegründeten Staates Israel auf einem Votum der Generalversammlung basiere.

New York
Zahlreiche Delegationen fehlten bei der Holocaust-Gedenkfeier der UN-Generalversammlung...

Schalom hat an dieser ersten Gedenkveranstaltung der UNO  eine Rede gehalten. Als Redner traten auch UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) auf. Die US-Delegation wird vom stellvertretenden Kriegsminister Paul Wolfowitz angeführt.
Am UNO-Sitz in Wien nahmen am 24. 1. ca. 200 UN-Mitarbeiter an einer Holocaust-Gedenkfeier teil. Der französische UN-Vertreter Patrick Villemur verwies bei der Gedenkstunde in Wien darauf, dass die Vereinten Nationen gegründet wurden, als der Welt das Ausmaß des Schreckens in den Lagern bewusst geworden sei. Der russische UN-Diplomat Grigori Berdennikow erinnerte daran, dass sowjetische Truppen Auschwitz befreiten...

Zum 60.Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben der westdeutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SP) und der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, am 25. 1. 2005 an einer Gedenkveranstaltung ehemaliger Häftlinge im Deutschen Nationaltheater in Berlin teilgenommen. Bei der Veranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees haben ehemalige Häftlinge an den Holocaust erinnert und deutsche Politiker und Richter kritisiert, da sie rechtsgerichtete Meinungsäußerungen, Demonstrationen und Parteien nicht verbieten. Kanzler Schröder rief zum Kampf gegen den Antisemitismus auf und verwies auf diesbezügliche politische und juristische Aktivitäten. In Deutschland wurden in den letzten Jahren zehntausende Bürger wegen unliebsamer Meinungsäußerung zum Thema Holocaust oder Ausländerfrage zu Haftstrafen verurteilt...

Auschwitz

Der Holocaust-Überlebende Elie Wiesel hat vor einer Banalisierung der Erinnerung gewarnt. Besonders in Filmen bestehe diese Gefahr, sagte Wiesel in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP am 24. 1. 2005 in New York. "Ich mag das Wort 'Dokudrama' nicht, wir haben nicht das Recht, Fiktion und Wahrheit zu vermischen, nicht auf diesem Niveau." Er habe weniger Angst vor dem Vergessen, weil die Tragödie des Holocaust die am besten dokumentierte der Geschichte sei. Zudem habe er immer geglaubt, dass derjenige, der einem Zeugen zuhöre, selber Zeuge werde, sagte Wiesel. "Wir sind dabei, eine Generation von Zeugen von Zeugen von Zeugen zu bilden."

Prinz Harry (20) hat sich bei dem britischen Oberrabbiner Jonathan Sacks schriftlich für seinen Auftritt in einer Uniform des Rommel-Wüstenkorps entschuldigt. Nach Informationen des Sunday Express hat Sacks ihn daraufhin in einem persönlichen Gespräch eine Stunde lang über die Nazis und den Holocaust aufgeklärt. Eigentlich hätte Harry das aber alles schon bekannt sein müssen: Bereits vor sieben Jahren schilderte in seiner Klasse an der Eliteschule Eton eine KZ- Überlebende die Schrecken des Holocausts. Möglicherweise soll sich Harry nun als Wiedergutmachung am Aufbau eines Zentrums für Holocaust-Überlebende in Polen beteiligen.

[25. Januar 2005]

Wissenschaftler wegen Leugnung des Holocausts verurteilt >>

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