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Am gestrigen Sonnabend fand in Moers (bei Duisburg) eine Demonstration gegen Sozialabbau statt. Nach meiner Zählung 112 Teilnehmer versammelten sich am Bahnhof. Die Wegstrecke war mit 2,4 Kilometern eher kurz. Das Wetter spielte mit und war recht angenehm. Als Redner traten auf: Der Versammlungsleiter Stefan Braun, Sascha aus Hamm, Philipp Hasselbach aus Essen, Alexander Hohensee aus Hamburg, ein Kamerad, dessen Namen ich peinlicherweise wieder vergessen habe, und meine Wenigkeit. An Gegendemonstranten waren wohl knapp unter 100 anwesend. Eine vor unserer Demo stattgefundene bürgerliche Gegendemo soll 150 Teilnehmer gehabt haben; allerdings war der Personenkreis (der bürgerlichen Gegendemo und derer, die wir sahen) wohl mindestens teilweise identisch, so daß sowohl die radikale Antifa als auch das bürgerliche Gutmenschentum zusammen nicht so viel deutlich mehr Leute auf die Straße kriegen konnten als wir. Der Polizeibericht vermeldet 14 Festnahmen. Eine politische Zuordnung der Festgenommenen erfolgte nicht. Allerdings erfuhr ich aus zweiter Hand, daß der in der Szene höchst umstrittene Kevin Guiliano mit einer Handvoll Freunde versucht hat, zu der Demonstration zu gelangen, und von der Polizei – wohl auch seiner eigenen Sicherheit wegen! – in Gewahrsam genommen wurde. Augenzeugen berichteten, er hätte eine schwarz-weiß-rote Fahne geschwenkt und laut gebrüllt: „Ich bin kein V-Mann, und ich werde das beweisen!“ – Diesem Beweis sehen wir mit Interesse entgegen. Ich halte für wenig wahrscheinlich, daß er erfolgen wird. Wer sich von EXIT den Umzug mit tausend EURO bezahlen läßt, hat es halt schwer, irgendwem glaubhaft zu machen, daß es keine informationsmäßige Gegenleistung für so was gegeben hat. Allerdings sind wir wohl nicht die einzigen, die in den (mehr oder minder....) eigenen Reihen gelegentlich Irritationen haben. Das passierte in noch öffentlichwirksamerer Weise auch den Linken. Denn da hatten traditionelle Antifa und die „Antideutschen“ (AD’s) eine kleine Meinungsverschiedenheit. Die ging so weit, daß sich sogar die Polizei zu einer Lautsprecherdurchsage genötigt sah, um die Gegendemonstranten zu friedlichem Verhalten zu ermahnen. Wobei die ansatzweise Unfriedlichkeit der Gegendemonstranten sich diesmal lustigerweise nicht gegen uns richtete, sondern in deren eigenen Reihen stattfand. Vielleicht erleben wir eines Tages sogar noch, daß sie NUR NOCH Steine aufeinander werfen und nicht mehr in unsere Richtung.... Auch wenn die Demonstration an sich recht ereignislos war (ein Foren-Nutzer beschrieb sie sogar als langweilig) – solche Ereignisse am Rande haben zweifellos ihren Heiterkeitswert. Da die internen Irritationen um den Fall Kevin Guiliano nunmehr bereinigt sein dürften, können wir wohlwollend davon ausgehen, daß am nächsten Sonnabend der Pott für die Demo in Leverkusen wieder stärker wird mobilsieren können als gestern. Unabhängig davon, daß Leverkusen möglicherweise (man verzeihe dem Norddeutschen mangelnde Ortskenntnis!) im Rheinland und nicht im Ruhrgebiet liegt. Hamburg, den 23. Januar 2004
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| WEIHNACHTSDEMO RECKLINGHAUSEN:
Als ich vor einem Monat hörte, daß am 24. Dezember in Recklinghausen demonstriert werden soll, war ich sofort Feuer und Flamme. 27 Jahre politische Aktivität, und bisher noch nie an Heiligabend demonstriert! Das mußte ich mir unbedingt geben! Außerdem war es der krönende Höhepunkt und Abschluß einer Demonstrationswelle in Recklinghausen, bei der fünf Wochen lang im Abstand von jeweils einer Woche demonstriert worden ist; und das mit durchschnittlich jeweils etwa hundert Personen. Befürchtungen, daß am Morgen des Heiligen Abends die Mobilisierbarkeit geringer sein könnte, erwiesen sich als grundlos. Die Organisatoren hatten klugerweise die Demo schon auf 10.oo Uhr angesetzt; sie sollte spätestens bis 14.oo Uhr zuende sein, damit die Teilnehmer noch rechtzeitig zu Bescherung, Gänsebratenessen oder sonstigen Festtagsaktivitäten nachhause kommen konnten. – die beiden Eingangszählungen ergaben 92 bzw. 94 Personen; ein paar Einzelne stießen später noch dazu, so daß von rund hundert Männern und Frauen ausgegangen werden darf. Zuzüglich eines Weihnachtsmannes, der seinen weißen Rauschebart allerdings nur zeitweilig trug, um nicht wegen Vermummung belangt zu werden. Die Stadt bzw. gutmenschliche Gruppierungen hatten uns einen würdevoll-intensiven Empfang mit einer Vielzahl von Plakaten und Transparenten bereitet; da hatte man sich echt viel Mühe gegeben, und längs unserer Wegstrecke trat die Weihnachtsdekoration zugunsten politischer Aussagen erkennbar in den Hintergrund. Die Strecke führte diesmal so dicht wie von der Behörde zugelassen an das Haus des Recklinghausener Oberbürgemeisters heran, ein Mann namens Punkhöfer, Pantförder, Pantzek oder so ähnlich. Ich kann mir die Namen von solchen Leuten notorisch schlecht merken. Aber es gibt Kameradinnen und Kameraden, die für Namen ein ungleich viel besseres (und längeres!) Gedächtnis haben! Die Linke trat hin und wieder in Erscheinung, zahlenmäßig recht schwach. Wenn „Indymedia“ meint, wir seien bei 60 und ihre Genossen bei 90 gewesen, wars wohl eher umgekehrt. Wenn sie überhaupt das halbe Hundert überschritten haben. Ihre gelegentlichen Sitzblockaden mit bis zu zehn (zehn!) Personen waren eindrucksvoll. Meistens konnte man hinter einem dichten Schirm von Polizisten davon so gut wie nichts erkennen. Nicht weniger eindrucksvoll waren die drei (oder vier?!) Eier, die aus einem Fenster in unsere Richtung flogen, bis eine besorgte Mutter den Eierwerfer vom Fenster wegzerrte. Wir wissen nicht, worum diese Mutter mehr Angst hatte: Um ihren Sohn, um ihr Fenster oder um den Kühlschrankinhalt in Form von Hühnereiern.... Eine zeitweilige Bewegung auf die Linken zu führte bei der Polizei zu der Erkenntnis, daß sie zu zahlenschwach wäre, um einen ernstgemeinten Durchbruchversuch von unserer Seite zu verhindern. Aber weil eben Weihnachten auch das Fest des Friedens war, war es wohl auch kein wirklich entschiedener Durchbruchsversuch. Daß die Linken in ihrer notorischen Selbstüberschätzung (oder in der Hoffnung, als Märtyrer zu Helden des antifaschistischen Widerstandes zu werden?) noch bis zum Bahnhof nachzogen, hätte dann fast doch noch zu ernstlichen Konsequenzen für einige von ihnen führen können. Aber die Polizei hatte wohl hinreichend viel Mitleid mit den Störern, so daß sie sich in einem dichten Kordon rasch dazwischen schoben. Also waren außer guter Laune eigentlich keine nennenswerten Zwischenfälle zu vermelden. – Als Redner traten auf der Veranstalter, Siggi Borchard, der Kamerad Sascha K. aus der Region, der Kamerad Axel Reitz aus der benachbarten Region (sprich dem Rheinland) sowie meine Wenigkeit. Es wird zur Zeit im Ruhrgebiet ernsthaft erörtert, künftig öfter mal am Weihnachtstag zu demonstrieren, wenn sich ein geeigneter Anlaß bietet. Eine Überlegung, die ich sehr begrüße! Hamburg, den 26. Dezember 2004
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