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Demonstration in Leipzig
Unter der Parole "Weg mit der Mauer in den Köpfen" demonstrierten
am 3. 10. 2006 ca. 200 Nationalisten anläßlich des sog. Tages
der deutschen Einheit in Leipzig (Sachsen). Aus gleichem Anlaß errichteten
Linksradikale Barrikaden und zündeten u. a. Müllkontainer und
ein Polizeiauto an und bewarfen Andersdenkende mit Flaschen und Steinen.
Acht Personen, darunter zwei Polizisten, wurden verletzt. Ca. 130 Linke
wurden in Polizeigewahrsam genommen.
[3.. Oktober 2006]
KRAWALL IN LEIPZIG
„In Leipzig steht man nur stundenlang im Regen und kommt keinen Schritt
voran.“
Unbekannte Stimme; möglicherweise aus dem Kameradenkreis, möglicherweise
auch ein anonymer Linker.
Der Mann hatte recht – anfangs. Etwas über zwei Stunden standen
wir herum und warteten; und es regnete auch. Erst mal dauerte es rund eine
Stunde, bis die benannten Ordner auf „behördliche Zuverlässigkeit“
geprüft waren (Komisch, bei Verkehrskontrollen und so dauert es gerade
zwei bis drei Minuten, um per Datenfunk festzustellen, ob jemand polizeilich
auffällig ist oder nicht....) Und dann dauerte es noch mal eine Stunde,
um ungefähr ein Viertel der 209 Teilnehmer darauf zu überprüfen,
ob auch kein einzelner Button und kein einziges T-Shirt gegen irgendwelche
Auflagen verstieß. Als ob das die öffentliche Ordnung der Stadt
so schlimm berührt hätte. Was die öffentliche Ordnung berührte,
war später zu sehen....
Demonstration in Leipzig am 3. Oktober 2006
Nachdem der Zug in Gang gesetzt worden war, gab es unter den Teilnehmern
Spekulationen, wie weit er diesmal kommen würde. Am Lisztplatz war
eine Demo der Gewerkschaft angemeldet; unsere sollte nur dreißig
Meter an ihr vorbeiführen. Das hielt ich für eine mögliche
„Sollbruchstelle“, den genau auf dem Platz war die Demonstration vom 1.
Oktober 2005 blockiert worden. Auch diesmal war dort eine Demo der Gewerkschaft
angemeldet gewesen. Aber sehr zum späteren Ärger radikaler Linker
hatte die Gewerkschaft sie wieder abgemeldet. Denn sie hatte die Auflage
bekommen, daß sie nur die Grünfläche neben dem Platz nutzen
durfte. Die Gewerkschafter wollten nicht mit dem Füßen auf dem
Gras stehen. (Merke: Gewerkschaft ist gegen Graswurzelrevolution. – Daher
verlieren die Gewerkschaften auch Mitglieder, während der Nationale
Widerstand wächst.....) Da konnte auch eine spontan angemeldete Demo
der PDS nicht mehr viel helfen. Die vielleicht drei- oder vierhundert Gegendemonstranten
mußten auf dem Bürgersteig bleiben, und der Lisztplatz konnte
passiert werden.
Kurz danach kamen aus einer weiteren Menschenmenge von Gegendemonstranten
die ersten Stein- und Flaschenwürde, ungefähr ein Dutzend. Schadenswirkung
konnte nicht festgestellt werden.
Mit nur jeweils kurzen, wenige Minuten dauernden Verzögerungen
gelangte der Zug bis zur Einmündung Prager Straße, wo es links
zum Ostplatz ging und rechts in Richtung Innenstadt. Hier gab es eine weitere
Marschpause von ungefähr zehn Minuten, weil die Polizei feindliche
Aktivitäten auf beiden Seiten der Prager Straße feststellte
und sich erst einmal überlegen mußte, welchen Weg sie denn nun
sinnvollerweise wählen sollte. Es wurde der Weg zum für die Zwischenkundgebung
angemeldeten Ostplatz, den die Stadt erst hatte verweigern wollen, damit
aber vor den Verwaltungsgerichten beider Instanzen gescheitert war.
Auf dem Ostplatz sprachen die Kameradin Ivonne Mädel, der Kamerad
Alexander Hohensee und meine Wenigkeit.
Für den Rückweg war die Strecke Prager Straße / Georgiring
geplant gewesen, aber dort waren die feindlichen Aktivitäten so massiv,
daß die Polizei lieber nicht räumen wollte. Es brannten ein
paar Müllcontainer und angeblich auch ein Polizeifahrzeug. Also wählten
wir für den Rückweg einen dem Hinweg sehr ähnlichen Weg.
Auf der Hälfte des Rückwegs gab es dann noch einen Zwischenfall,
als aus eine Baulücke heraus einige Steine flogen.
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Einer traf eine Scheibe des Lautsprecherwagens und einer
meine Hand. Die Meldung „Worch durch Steinwurf“ verletzt liest sich in
der Leipziger |
Volkszeitung natürlich schön dramatisch, tatsächlich aber
war es nichts als eine simple Prellung. Da habe ich im Nahkampftraining
Härteres erlebt.... – Weitere Schadenswirkung durch diesen Bewurf
konnte nicht festgestellt werden.
„In Leipzig werden wir doch nur verheizt.“
Unbekannte Stimme; möglicherweise aus dem Kameradenkreis, möglicherweise
auch ein anonymer Linker.
Diese unbekannte Stimme hatte allenfalls recht, wenn es tatsächlich
kein Kamerad war, sondern ein anonymer Linker. Denn die antifaschistischen
Fuß- und Hilfstruppen des real existenten Systems wurden wieder einmal
von ihren An- und Wortführern schön verheizt. 130 oder so von
ihnen wurden fest- oder in Gewahrsam genommen; wieviele davon sich über
eine Strafanzeige mit anschließendem Verfahren freuen dürfen,
ist zur Zeit noch nicht bekannt. Die Gesamtzahl linker Gegendemonstranten
(einschließlich der bürgerlichen) wurde mit zwischen 1.500 und
bis zu 3.000 angegeben; die erste, niedrigere Zahl wurde am häufigsten
in den Medien genannt und dürfte daher die realistischere sein. Mehrere
Müllcontainer und Wertstoffcontainer brannten trotz der feuchten Witterung,
und einige polizeiliche Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt. Die Stadt
Leipzig gibt den durch linke Krawallbrüder entstandenen Sachschaden
mit 80.000 EURO an. Um so erstaunlicher, daß eher zögerlich
oder manchmal auch gar nicht gegen diese Leute vorgegangen wird.... Außer
vielleicht, daß sie die Statistik der Verletzten anführen. Verletzt
wurden nämlich zehn Menschen. Vier davon waren Polizeibeamte; auf
unserer Seite gab es nur einen „Verletzten“, nämlich meine Wenigkeit,
also werden die restlichen fünf der Gegenseite zuzurechnen sein.
Soweit wir es aus dem Polizeikessel heraus oder durch unauffällige
Beobachter vor Ort feststellen konnten, war das Gewaltpotential wohl geringer
als am 1. Mai 2006, aber dafür ein wenig höher als am 1. Oktober
2005, wo man sich mit einer „friedlichen“ Kreuzungsblockade begnügt
hatte.
Linke Internetquellen hatten im Vorfeld spekuliert, ob ich diesmal nur
eine kurze Route angemeldet hätte (weder zum Völkerschlachtdenkmal
raus noch in Richtung Connewitz), um meinen Kameraden „ein Erfolgserlebnis“
zu gönnen. Nein, diese Spekulation ist falsch. Es lag eher daran,
daß man sich nicht berechenbar machen sollte. Und die, die zu Leipzig-Demonstrationen
kommen, sind trotz der Unkenrufe aus mindestestens teilweise dem eigenen
Lager politisch gefestigt genug, um nicht „Erfolgserlebnisse“ zu brauchen,
sondern um politische Notwendigkeiten zu erkennen, zu bejahen und sich
daran aktiv zu beteiligen. Andere, die lieber zuhause bleiben, weil der
Wetterbericht Regen ankündigt oder weil ihnen Leipzig wahlweise zu
stressig oder zu langweilig ist, werden auch durch „Erfolgserlebnisse“
nicht zu motivieren sein.
Leipziger Medien stellten einmal mehr fest, daß wir nunmehr binnen
fünf Jahren sechzehnmal in der Heldenstadt der ehemaligen DDR demonstriert
haben. Und ihnen ist bewußt geworden, daß es kein Ende nimmt,
solange unser Demonstrationsrecht nicht auch in Leipzig genauso durchgesetzt
ist wie an anderen Orten, wo es weniger militanten Widerstand und weniger
Repression seitens der Behörden gibt.
Da ist halt noch eine Mauer in den Köpfen. Das war ja auch das
Thema der Demonstration: „Weg mit der Mauer in den Köpfen!“ – Möglicherweise
ist die Mauer in den Köpfen schwerer zu überwinden als die mit
militärischer Gewalt bewachte Mauer zwischen der ehemaligen DDR und
der Alt-BRD. Aber letztlich wird uns auch das gelingen.
Christian Worch
worch@1mai.net
Regen in Leipzig
Am 1. Oktober 2005 gab es in Leipzig die üblichen Schikanen. Die
üblichen? Ach nee, noch ein klein wenig mehr..... Man will ja steigerungsfähig
sei....
Es regnete.
Zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn 12.oo Uhr waren die bürokratischen
Formalitäten erledigt, die in Leipzig wohl hauptsächlich dazu
dienen, Zeit zu schinden. Also standen um ca. 14.oo Uhr 350 Mann abmarschbereit.
(Presse meldete zwischen 170 und 200, was wohl eher eine ungenaue Schätzung
als eine genauere Zählung ist.)
Es regnete noch immer.
Wir könnten nicht los, der Liszt-Platz sei besetzt, sagte die Polizei.
Der Liszt-Platz sei nicht besetzt oder später von dreißig
Leuten oder so, meldeten eigene Beobachter. Aber erzähl das mal einer
der Polizei. Oder red mit der Kuh französisch... – Ich hätt’s
auch der Polizei französisch erzählen können, hätte
genausoviel Effekt gehabt.
Es regnete immer noch.
Die Polizei schlug eine Umleitung um den Liszt-Platz herum vor; ich
erklärte mich einverstanden, aber bevor es dann losging, sagten sie:
Jetzt ist der Liszt-Platz frei. Na schön. Also ursprüngliche
Route.
Abmarsch war gegen 15.oo Uhr.
Es regnete noch immer.
570 Meter (behauptet die Presse; ich hätte es auf nur 500 geschätzt)
weiter standen wir in Sichtweite des Liszt-Platzes, der besetzt war. Die
Besetzer waren meiner Schätzung nach eher weniger als wir; die Polizei
behauptete, vier- bis fünfhundert. Anstalten zu räumen machten
sie natürlich nicht. Die Wasserwerfer und Räumpanzer standen
hinter uns. Warum sie hinter uns standen, weiß vielleicht die Polizeiführung
– ich weiß es nicht... Auch das der übliche Wahnsinn. Vielleicht
konnten sie der hohen Spritpreise wegen nicht eingesetzt werden?
Es regnete noch immer.
So standen wir einander also auf etwa fünfzig Meter gegenüber,
die Blockierer und wir, aus der die offenbar ein wenig des Zählens
oder Schätzens unkundigen Medien später teilweise 1.500 und teilweise
sogar 2.000 machte. (Ich glaube, man nennt so was Wunschdenken....)
Natürlich regnete es noch immer.
Da einige Kameraden noch was vorhatten, wurde die Demonstration gegen
17.oo Uhr Richtung Bahnhof zurückgeführt; war ja nur rund ein
halber Kilometer, und gegen viertel nach fünf aufgelöst.
Während es weiterhin regnete, versteht sich.
So ungefähr 150 Leute zogen dann nach Halle weiter und demonstrierten
dort unangemeldet, aber ebenso ungestört rund eine Stunde, worüber
sich linke Internetquellen wie „indymedia“ sehr geärgert zu haben
scheinen. Vom Nachzug irgendwelcher Gegendemonstranten ist mir nichts bekannt.
Ob es in Halle auch geregnet hat, weiß ich nicht.
Hamburg, den 3. Oktober 2005
Mit besten Grüßen
Christian Worch
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